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Alles wie gehabt

Alles wie gehabt

Hurra, der Kapitalismus ist zurück! Weit verbreitet war ja in den letzten Monaten die Sorge, wegen Corona und Klimawandel könnte es zu Ende gehen mit dem hemmungs- und schrankenlosen Konsumieren sowie der Ressourcenplünderei. Der chinesische »Singles’ Day« hat allerdings gezeigt, dass eine schnellstmögliche Rückkehr zur Normalität von vor Corona sehr viel wahrscheinlicher ist als eine Umkehr hin z...

Heiter bis ungemütlich
Regina Stötzel

Heiter bis ungemütlich

Der Irre geht, der Wahnsinn bleibt: Was im Kampf um die Weltmacht von Joe Biden zu erwarten ist. Lesen Sie auch: Junge Linke stellen die Machtfrage, Grüne als Autobahnpartei und Berlins Mietendeckel – die zweite Stufe

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Ein neues Programm zum 40-jährigen Jubiläum

Berlin. Die Grünen sind am Freitagnachmittag zu ihrem digitalen Bundesparteitag zusammengekommen. Nur der Parteivorstand und das Präsidium sind in einer Berliner Halle vor Ort, die gleichzeitig als Sendezentrale dient. Eigentlich wollten die Grünen in Karlsruhe tagen, wo die Partei 1980 gegründet wurde, doch die Corona-Pandemie machte dieses Vorhaben unmöglich. Im Jahr ihres 40-jährigen Bestehens ...

Schon längst auf der Autobahn
Aert van Riel

Schon längst auf der Autobahn

Die Grünen wollen an diesem Wochenende auf ihrem Bundesparteitag über ein neues Grundsatzprogramm entscheiden. Das Treffen wird vom Streit um die Zukunft des Dannenröder Forsts überschattet.

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Bei Bedarf: Krieg
Johannes Simon

Bei Bedarf: Krieg

Joe Biden wirkt zivilisierter als Donald Trump. Allerdings haben auch die Demokraten in der Vergangenheit eine aggressive Außenpolitik betrieben. Gegen China hat der Wahlsieger bereits einen harten Kurs angekündigt.

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Handel als Waffe
Stephan Kaufmann

Handel als Waffe

Mit dem asiatischen Freihandelsabkommen RCEP befürchten die USA und die EU einen Machtzuwachs Pekings. Dass Handelspolitik immer auch Geopolitik ist, zeigt die Geschichte von TTIP und TPP.

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Daniel Lücking

Zum Jubiläum nur Ankündigungen

Ein Friedensbündnis will sie sein. Die vor 45 Jahren als Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa gestartete Organisation OSZE markierte einen wichtigen Punkt der Verständigung über die Grenzen der Blockmächte USA und Sowjetunion hinweg. Auch nach Ende des Kalten Krieges bleibt das Bündnis bestehen. Heute vor 30 Jahren sei die Unterzeichnung der Charta von Paris »ein Glücksmoment für ...

Hilft Bildung?
Lisa Ecke

Hilft Bildung?

Der aktuelle Armutsbericht zeigt, dass die Armut in Deutschland bereits vor der Coronakrise auf ein Rekordhoch gestiegen ist. Um die Entwicklung schnell und wirksam aufhalten zu können, braucht es die die Anhebung von Unterstützungsleistungen.

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So viel wie 600.000 Pflege-Gehälter
Simon Poelchau

So viel wie 600.000 Pflege-Gehälter

Mehr als 35 Milliarden Euro Steuern entgehen Deutschland jedes Jahr durch Steuervermeidung- und Hinterziehung. Weltweit beläuft sich der Schaden durch Verschiebung von Geldern in Steueroasen auf 245 Milliarden Dollar.

Ideologie aus der Moschee
Ismail Küpeli

Ideologie aus der Moschee

Gegen türkisch-nationalistische Vereinigungen vorgehen zu wollen, ist keine schlechte Idee. Doch steht zu befürchten, dass Moscheenverbände, die mit dazu gehören, im Rahmen deutscher »Integrationspolitik« weitermachen können wie bisher.

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Um den heißen Brei
Ulrike Henning

Um den heißen Brei

Die Corona-Pandemie trifft Pflegende und Pflegebedürftige extrem hart. Kanzlerin Merkel versucht, sich in einer Online-Veranstaltung bei dem Thema besonders bürgernah zu zeigen. Um die Probleme etwa in Sachen Vergütung macht ihre Regierung jedoch weiter einen großen Bogen.

»Wir wissen, dass in ihren Reihen Nazis sind«
Daniel Lücking

»Wir wissen, dass in ihren Reihen Nazis sind«

Wie oft denn noch? Wie oft denn noch erklären, dass die AfD nicht angetreten ist, um das Land voran zu bringen oder konstruktiv Politik zu machen? Ein Großteil der blaubraunen Provokationen ist längst tief in den Bundestag eingedrungen.

Unsolidarische G20
Martin Ling

Unsolidarische G20

Olaf Scholz nennt es ein »starkes Signal internationaler Solidarität«. Doch unterm Strich bedeutet das neue Rahmenwerk der G20 zur Entschuldung der ärmsten Länder nichts anderes als die weitere Verschärfung der Schuldenkrise.

Unschuldslamm
Kofi Shakur

Unschuldslamm

Die Obleute des Bundestags-Untersuchungsausschusses hatten am Donnerstag eigentlich auf Antworten gehofft, die Licht ins Dunkel des Falles Wirecard bringen. Doch der Zeuge kam ihnen während der Fragerunde nicht weit entgegen. «Mein Name ist Markus Braun. Ich bin 51 Jahre alt. Wohne derzeit in der JVA Augsburg und ich bin Wirtschaftsinformatiker», war die einzige handfeste Aussage, zu der er sich h...

Der Feind vor der Tür
Leo Fischer

Der Feind vor der Tür

Nachdem rechte Aktivisten im Reichstag Politiker bedrängt haben, ist die Empörung groß. Muss sich erst ein Nazi auf den Schoß von Wolfgang Schäuble setzen, damit dieser in ihm ein Problem erkennt?

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Hefeweizen, schrei!
Christof Meueler

Hefeweizen, schrei!

Wer Hefeweizen mag, der preist dessen Macht über den Menschen: Es sättigt den Hungrigen, es entspannt den Angespannten und es erfrischt den Müden.

Der Forscher als Diener der Fakten
Jakob Hayner

Der Forscher als Diener der Fakten

Der Virologe Christian Drosten hat die Schillerrede gehalten. Er schildert sein Selbstverständnis als Forscher, über 100 Jahre nach Max Webers berühmtem Vortrag »Wissenschaft als Beruf«. Welches Bild zeichnet der aus Funk und Fernsehen bekannte Forscher?

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Es sah so schön aus
Ingrid Heinisch

Es sah so schön aus

»Wir sind für die Lebenden, nicht für die Sterbenden da«, sagten die Ärzte. Die Mutter starb dort einen elendigen Tod. Doch die katholische Beerdigung war schön, auch wenn die Familie nicht an Gott glaubt.

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Ich komme mit Klassenkampf in deine Coronakrise
Jeja Klein

Ich komme mit Klassenkampf in deine Coronakrise

Selbst im unmittelbaren Angesicht unserer natürlichen Zerbrechlichkeit und des massenhaften Todes ist »Aber die Wirtschaft!« also immer noch gesellschaftlicher Leitgedanke. Es braucht eine Antwort auf den seit Monaten von oben geführten Klassenkampf.

Werden die Wölfe heulen?
Berthold Seliger

Werden die Wölfe heulen?

Billy Childish ist nicht nur einer der bedeutendsten Musiker unserer Tage, er ist auch Poet, Schriftsteller und - Maler! In einer neuen Ausstellung in Berlin kann man manche Überraschung erleben: Totenschädel, Wölfe, Nackte und einen Nervenzusammenbruch!

Seite 13
ves

Wie aus Fritz Frederick wurde

»Der Unternehmer und Philosoph Friedrich Engels ist wieder en vogue«, freut sich Bernd Hinrichs im Vorwort zu der rechtzeitig zum 200. Geburtstag des treuen Freundes von Karl Marx erschienenen Historien-Novel. Es ist für die heutige Zeit, vor allem für Jugendliche gezeichnet und geschrieben. Was schon im Prolog deutlich wird: Engels arbeitet in einem Café am Laptop und fragt die junge Kellnerin, o...

Ein überzeugter Europäer
Hermann Klenner

Ein überzeugter Europäer

Weder Lobhudelei noch Lokalpatriotismus offeriert der von der Geburtsstadt von Friedrich Engels in dessen Jubiläumsjahr herausgegebene Sammelband »Arbeiten am Widerspruch«.

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Macht oder Regierung – oder beides?
Jana Frielinghaus

Macht oder Regierung – oder beides?

Mitregieren und Seele verkaufen oder in Schönheit untergehen? Zwischen diesen Polen gibt es viele Meinungen in der Linken. Die jungen Genoss*innen Daphne Weber und Paul Gruber sind sich aber einig, dass die Partei eine starke Basis braucht.

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Jana Frielinghaus

Im Corona-Zangengriff

Die Pandemie wirft auch Die Linke in ihren Planungen zurück. Die Verschiebung des Parteitags, auf dem ein neuer Vorstand gewählt wird, sorgt dafür, dass für Debatten über das Programm zur Bundestagswahl 2021 und dessen Schwerpunkte wie auch über die Wahlkampfstrategie viel weniger Zeit bleibt.

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Bewegung in feudalen Strukturen
Christoph Ruf

Bewegung in feudalen Strukturen

Michel Brandt ist ausgebildeter Schauspieler und sitzt für die Linke im Bundestag. Unter all den Jurist*innen und Beamt*innen will er dafür kämpfen, einer prekären Branche mehr Gehör zu verschaffen.

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Velten Schäfer

Geschichte ist Diebstahl

Warum Nordmazedonien nicht einfach Nordmazedonien heißen darf, was Alexander der Große sowie ein gewisser Goze Deltschew damit zu tun haben, und seit wann Borschtsch keine russische Suppe mehr sein soll: Nationalismus kann auch lustig sein.

Seite 18
Steffen Lehndorff

Auf Neuland gewagt

Beschäftigungsprogramme und Infrastrukturprojekte statt »Sparpolitik«, aber auch eine breite gesellschaftliche Mobilisierung: Franklin Delano Roosevelts Reformagenda beendete die »Great Depression« und ist bis heute inspirierend.

Initiative von oben wie unten
Johannes Schulten

Initiative von oben wie unten

Bernie Sanders will den »Green New Deal«, Bernd Riexinger den »linken Green New Deal« - und auch Bündnisgrüne diskutieren ein so oder anders genanntes Reformprojekt. Was aber verbindet man mit diesem Zauberwort? Was lässt sich heute von den USA der 1930er lernen?

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Reich der weißen Götter
Nina Schmulius

Reich der weißen Götter

Starre Hierarchien, unflexible Arbeitszeitmodelle und ein Mangel an Fehlerkultur: Warum die Krankenhaus- und Universitätsmedizin bis heute eine Männerdomäne ist, obwohl längst mehr Frauen als Männer das Fach studieren.

Seite 20
Recht, nicht Rache
Manfred Weißbecker

Recht, nicht Rache

Beamten, Lehrer, Offiziere und Anwälte: Die Angeklagten im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess kamen fast alle aus der gesellschaftlichen Mitte. Sie leugneten ihre Verbrechen, als könne »jemand wie ich« derlei niemals getan haben.

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Unbelehrbar, unbeteiligt, verstrickt
Ingrid Heinisch

Unbelehrbar, unbeteiligt, verstrickt

Das Nürnberger Kriegsverbrechertribunal hat einen Angang gemacht, was die Aufklärung der nationalsozialistischen Verbrechen angeht. Es hat aber auch zu Opfermythen und Legendenbildung beigetragen.

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Automatisch zum Labor

Automatisch zum Labor

Das Unternehmen Labor Berlin will ab 2021 Laborproben mit Drohnen in der Luft transportieren. Dadurch soll die Transportzeit für dringende Proben deutlich verkürzt werden. Wie das Gemeinschaftsunternehmen der Kliniken Charité und Vivantes mitteilte, haben die ersten offiziellen Tests mit den autonomen Fluggeräten am Dienstag begonnen. Die Drohnen sollen künftig zwischen einzelnen Klinikstandorten ...

Viren wegblasen

Viren wegblasen

Die Idee ist einfach und könnte den Schulunterricht im Corona-Winter sicherer machen: »Jeder Mensch produziert warme Luft, die nach oben steigt. Richtet man diesen Luftstrom nach draußen, nimmt er Aerosolpartikel und mögliche Coronaviren mit sich«, erläutert das Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC) in Mainz das Prinzip. Das dafür notwendige Abluftsystem lasse sich mit Heimwerkerfähigkeiten aus ei...

Schnell und effizient

Schnell und effizient

Nach siebeneinhalb Jahren ist wieder ein in Deutschland laufender Supercomputer Spitzenreiter in Europa. Parallel zur jährlichen »Supercomputing«-Konferenz in den USA wurde gerade die aktuelle Liste der 500 schnellsten Supercomputer der Welt vorgestellt. Darauf finden sich die Rechner des deutschen Gauss Centre for Supercomputing in Jülich, München und Stuttgart auf den Plätzen 7, 15 und 16. Der S...

Mondgöttin mit Rückflugticket
Jacqueline Myrrhe

Mondgöttin mit Rückflugticket

1976 wurde das letzte Mal Bodenmaterial vom Mond zur Erde gebracht - mit der sowjetischen Mondsonde »Luna 24«. Voraussichtlich in der kommenden Woche will China mit der Mondmission »Chang’e 5« zu den USA und Russland aufschließen. Die Robotersonde soll zwei Kilogramm lunares Gestein und Bodenproben zur Erde bringen.

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Auf Überholspur im Ionenshuttle
Sabrina Patsch

Auf Überholspur im Ionenshuttle

Die Jagd nach dem Quantencomputer ist ein Wettrennen der Giganten. Doch ein neuartiger Prozessor auf Ionenbasis könnte nun die Europäer zu Technologieriesen wie Google und IBM aufschließen lassen. Der Ionenfallen-Chip ist leicht herzustellen und muss nicht so tief gekühlt werden wie die Quantencomputer der US-Riesen.

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Wie kann man sich technisch nur so irren?
Christof Meueler

Wie kann man sich technisch nur so irren?

Es werden wieder mehr Vinylplatten als CDs verkauft. Dabei dachte man, dieser Tonträger sei im letzten Jahrhundert gestorben. Über Fehlprognosen in der Technikgeschichte.

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Ab nun geht’s bergab
Nicolas Šustr

Ab nun geht’s bergab

Am Montag tritt die zweite Stufe des Mietendeckels in Kraft. Nicht wenige Berliner Mieterinnen und Mieter entdeckten schon bei ihrer Novembermiete eine angenehme Überraschung: Sie war niedriger als die Oktobermiete.

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Warten auf die Zeit nach der Krise
Claudia Krieg

Warten auf die Zeit nach der Krise

Im Märkischen Viertel im Norden von Berlin gibt es seit März fünf Stadtteilmütter. Die Pandemie verhindert, dass die Frauen ihre Beschäftigung ausüben können. Motiviert sind sie, so wie die Syrerin Ilham Abdurahman trotzdem enorm.

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Noch viel zu tun
Sarah Fartuun Heinze

Noch viel zu tun

Nach der Kommunalwahl 2019 zog die AfD mit über 22 Prozent als stärkste Kraft in das Cottbuser Stadtparlament ein. Mittlerweile hat sich die Fraktion zerlegt und ist in der Bedeutungslosigkeit versunken. Wie kam es dazu? Eine kommunalpolitische Spurensuche.

Seite 28
Das Leiden der Talente
Nikolaj Stobbe und Kristof Stühm

Das Leiden der Talente

Verbände und Sportler schlagen Alarm. Die zweite Zwangspause wegen Corona wirft viele junge Athletinnen und Athleten zurück. Somit steht die Zukunft des deutschen Sports auf dem Spiel.

Wachsen eines Wunderkindes
Daniel Theweleit

Wachsen eines Wunderkindes

Mit scheinbar geheimnisvollen Superkräften findet Youssoufa Moukoko Räume, die für andere Fußballer unsichtbar erscheinen. Der in Kamerun geborene Stürmer ist schon mit 16 Jahren eine Legende - und steht nun vor dem Bundesligadebüt für Borussia Dortmund.

Seite 29
Ein Koloss im Wanken
Andreas Müller

Ein Koloss im Wanken

Mit einer ersten Komplettbilanz für das Wirtschaftsgut Sport 2020 ist zwar erst im Frühjahr zu rechnen, aber Sportökonomen prognostizieren einen deutlichen Einbruch einer Branche, dessen Wertschöpfung gigantisch ist.

Seite 30
Zeit zu gehen
Hans-Dieter Schütt

Zeit zu gehen

Der Spaziergänger schaut in die Welt, und zugleich ist er die Welt. Weil er keinen Auftrag hat, kommt er der Welt so nahe. Die hat ja auch keinen Auftrag. Schönste Kapitulation des Tages: Alles möge sich - ergeben, so, wie es kommt.

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In Warte-Quarantäne am Airport
Rasso Knoller

In Warte-Quarantäne am Airport

Reisen in Coronazeiten wird immer schwieriger. Touristische Übernachtungen im Inland sind verboten und wer vom Urlaub aus dem Ausland zurückkommt, wird in Quarantäne gesteckt. Aber es gibt Ausnahmen.

Seite 32
»Hey, ich bin Leonard, ich nehme dich jetzt mit in mein Leben«
Anika Reker

»Hey, ich bin Leonard, ich nehme dich jetzt mit in mein Leben«

Jedes Filmset ist anders und unterschiedlich barrierefrei. Aber für den Filmstudenten, Podcaster und Youtuber Leonard Grobien gibt es keine Grenzen. Wo ein Wagen für Kamerafahrten hinkommt, kommt auch ein Rolli hin – vor allem, wenn der Regisseur drinsitzt. Ein Gespräch.

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Lyriklesen ist wie Badengehen
Mario Pschera

Lyriklesen ist wie Badengehen

Im Fluss, im Bach, im gechlorten Schwimmbecken, im Ionischen Meer, im Sternenmeer, im Letzten Meer (Anm. d. Verf.: Synonym für den Stillen Ozean, siehe: Partisanen vom Amur). Manchmal tut es auch eine schaumgefüllte Badewanne. Man kann brustschwimmen, kraulen, planschen, zaghaft die Füße ins Wasser tunken und schreiend davonrennen, blubbern, schnorcheln und das Untergehen üben, das Stillehalten. ...

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Jakob Hayner

Carson geht weiter

Als dieses Jahr der sowohl mit ewigem Ruhm als auch üppigem Preisgeld verbundene Literaturnobelpreis vergeben wurde, fiel bei den kurz vor der Bekanntgabe üblichen Rate- und Wettspielchen auch der Name Anne Carson. Nicht, dass dieser dem deutschsprachigen Publikum so viel geläufiger gewesen wäre als die dann überraschend benannte Louise Glück. Carson wie Glück sind beide nordamerikanische Lyrikeri...

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Verbirkt euch!
Björn Hayer

Verbirkt euch!

Die Romantik stirbt nie, sie bleibt ewiger Sehnsuchtsraum, ewige Kulisse für Träume, Wanderschaft und die Suche nach dem Echten und Wahren. Während sich allerdings die wenigsten deutschsprachigen Lyriker*innen trauen, sich ganz offenherzig dem mal feierlichen, mal traurigen Ton, der sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts etablierte, hinzugeben, um ja nicht unter Kitschverdacht zu geraten, lässt sich ...

Vincent Sauer

Das Denken an das Geld

»Ich bin 1963 geboren. Ich existiere nicht. Ich stelle Gedichte her.« Dem ungeachtet und demgemäß betritt Christophe Tarkos, der diese Selbstbeschreibung verfasst hat, 1993 einen mit Bildender Kunst behängten Raum im internationalen Marseiller Dichterzentrum cipM. Dreimal hintereinander ertönt genau getimtes Schreien ins selbstverständlich schweigsame Publikum hinein. Im Anschluss folgt die Buchst...

Seite 37
Mario Pschera

O Cristo Cigano!

Einer Legende des 17. Jahrhunderts nach lebte an den Ufern des Triana ein schöner, durch Gesang und Gitarrenspiel wohlbekannter Zigeuner, dem eine geheime Affäre mit einer Frau aus adligem Hause nachgesagt wurde. Zu gleicher Zeit wurde ein Bildhauer beauftragt, eine Statue vom Todeskampf Christi für eine Kapelle zu schnitzen. Der Bildhauer verzweifelt an dem Auftrag, nach Hunderten von Skizzen und...

Ich bin die Faust!
Mario Pschera

Ich bin die Faust!

Breitbeinig und großmäulig kommen in »Der Uterus ist groß wie eine Faust« die Zeilen der 1973 im brasilianischen Süden geborenen Angélica Freitas daher, lassen sich krachend auf das eingeschüchterte Sofa fallen und fangen dröhnend zu lachen an. Aber olala! Wieso sollen nur Männer Rasierklingen unter den Achseln und fette Wummen tragen dürfen. Der Gauchismo hat sich über die Jahrhunderte austoben d...

Seite 39
»Wie sieht es aus, brauchst du Geld?«
Christof Meueler

»Wie sieht es aus, brauchst du Geld?«

Kann man von Lyrik leben? Läuft mal ein Gedicht im Radio, kann man sich neue Schuhe kaufen. Ein Gespräch mit Ann Cotten über Lyrik, Ökonomie und Hegel.

Seite 40
Mario Pschera

Guitars & Pentium IV

Es ist ein unguter Jahrgang: 1979. Da wird man erwachsen und die großen Umbrüche sind schon vorbei, das Ende der Geschichte ist verkündet, die Computerwelt geht nach Digitalien, und das hinterlistige Wort »Eigenverantwortung« nimmt seinen Weg aus Wahlprogrammverstecken in die Postbankwerbung: »Unterm Strich zähl ich«. Thien Tran, geboren in Ho-Chi-Minh-Stadt, kommt im Alter von drei Jahren na...

Deshalb gibt es mich
Nina Schaefer

Deshalb gibt es mich

Asiatischen Menschen wird oft nachgesagt »klein, ruhig und feminin« zu sein, erzählt Ocean Vuong. In Amerika, wo er aufgewachsen ist, gelten diese Eigenschaften als schwach. Was passiert, wenn er, eine »asiatisch-amerikanische Figur«, aufhören würde, es Anderen recht zu machen - und sich um selbst kümmert? Er wird hierzulande bekannter. 2019 erschien sein Roman »Auf Erden sind wir kurz grandi...

Seite 41
Im Karst Dionysien und Partisanen
Mario Pschera

Im Karst Dionysien und Partisanen

Willkommen im Gemetzel der Götter! Soll man sich an Giorgos Seferis und die neugriechische Dichtung wagen? Unbedingt.

Seite 42
Die Übersichtlichkeit des Charles Bukowski
Christof Meueler

Die Übersichtlichkeit des Charles Bukowski

Man hat das Gefühl, dass zu Bukowski schon alles gesagt und geschrieben worden ist. Doch man täuscht sich, wie Frank Schäfer in seinem Buch »Notes on a Dirty Old Man« zeigt - es ist seine »persönliche Bukowskipedia«,

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Temye Tesfu

Quadratisch. Praktisch. Okay.

Yrsa Daley-Ward schreibt mitunter Gedichte, die wirken wie uneheliche Kinder eines Glückskekses und einer Geburtstagskarte. Sie ist die erste Instagram-Poetin, die auf deutsch übersetzt wurde.

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»Hab ich die falsche Hose an?«
Christof Meueler

»Hab ich die falsche Hose an?«

Die Atmosphäre ist vielleicht das Wichtigste in der Literatur. Damit man überhaupt weiterliest. Damit man weiterlesen will. Damit man weiterlesen kann. Bei Franz Dobler: immer. Und er wird immer besser.