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Johanna Treblin

Eine Überraschung, die keine war

Beschäftigte in der Fleischindustrie werden besser vor Ausbeutung geschützt. Ab Januar sind Werkverträge in den Betrieben weitgehend verboten. Damit werden die Machtverhältnisse zwischen Konzernen und Beschäftigten zumindest ein wenig verrückt.

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Eva Roth

Eine irre Idee

Ab Januar dürfen große Fleischfabriken keine externen Werkvertrag-Beschäftigten mehr einsetzen. Die Lohnansprüche ändern sich für viele Beschäftigte dadurch nicht. Warum spricht die NGG dennoch von einem »historischen Meilenstein«?

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Karlsruhe hat nun das letzte Wort

18,36 oder 17,50 Euro im Monat wie bisher? Nachdem sich die Landesregierung von Sachsen-Anhalt bis vergangene Woche nicht einigen konnte, ob sie der geplanten Erhöhung des Rundfunkbeitrages zustimmt, wurde dadurch das bundesdeutsche Gesetzesverfahren automatisch gestoppt. Damit die von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) vorgeschlagene Beitragserhöhung zum 1...

Robert D. Meyer

Weniger Beitrag führt nicht zu mehr Gerechtigkeit

Im Streit um den Rundfunkbeitrag entscheidet nun das Bundesverfassungsgericht. Gleichzeitig wurde eine Debatte über die Zukunft von ARD, ZDF und Co. ausgelöst. Doch die wirklichen Probleme der Öffentlich-Rechtlichen liegen ganz woanders.

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Daniel Lücking

Verfassungsschutz-Interna zum Jahrestag

Mit einer Gedenkminute für die Opfer eröffnet der Ausschussvorsitzende Klaus-Dieter Gröhler am Donnerstag die Sitzung des Untersuchungsausschusses im Bundestag: Zum vierten Mal jährt sich an diesem Samstag das Attentat auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz.

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Cyrus Salimi-Asl

Italien will EU mobilisieren

Vor fast genau fünf Jahren, am 3. Februar 2016, wurde die verstümmelte Leiche des Italieners Giulio Regeni (28) in Kairo gefunden. Hinter der Tötung vermutet die italienische Justiz die Hand des ägyptischen Geheimdienstes und beschuldigt die ägyptischen Behörden, an der Aufklärung nicht mitzuwirken. Hilfeersuchen erbrachten bislang keine Erfolge, der oder die Mörder sind weiterhin auf freiem Fuß. ...

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Kurt Stenger

Kein Weihnachtswunder

»Das Impfen ist der Weg raus aus dieser Pandemie.« Bundesgesundheitsminister Jens Spahn lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass im neuen Jahr in Sachen Corona nichts als Optimismus angesagt ist. Doch die Erwartungen sind überzogen.

Max Zeising

Angst vorm Vergessenwerden

Lebenslange Haft könnte das Urteil für den Halle-Attentäter Stephan B. lauten, wenn das Gericht dem Plädoyer der Bundesanwaltschaft folgt. Nebenklägerin Christina Feist blickt mit gemischten Gefühlen auf das Prozessende.

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Birthe Berghöfer

Legitime Wissenschaft

Meinungsmache, Gehirnwäsche und Ideologie, aber keine Wissenschaft: Diese Vorwürfe muss sich die Geschlechterforschung seit vielen Jahren anhören. Am Ende ließe sich den Gender Studies aber höchstens eines unterstellen, findet Birthe Berghöfer.

Andreas Fritsche

Ungesunde Entscheidung

Ausgerechnet jetzt – auf dem vorläufigen Höhepunkt der Corona-Pandemie im brandenburgischen Landkreis Oberspreewald-Lausitz – beschließt der zuständige Kreistag, 51 Prozent des Klinikum Niederlausitz zu verkaufen.

Simon Poelchau

Lebensgefährliche Kreativität

Noch bevor die Läden für den Lockdown schlossen, kündigte der Handelsverband HDE Klagen von Geschäften an, die sich bei den Staatshilfen gegenüber der Gastrobranche benachteiligt sehen. Doch beschränkte sich offenbar so mancher Shop nicht auf Klagen, um auf seinen Schnitt zu kommen, sondern wurde ziemlich kreativ, um den Lockdown zu umgehen: Die Kosmetikkette Douglas versuchte, Filialen zu Drogeri...

Jana Frielinghaus

Hochdekoriert

Geht es nach dem scheidenden Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU), soll Uwe Schwabe sein Quasi-Nachfolger werden. Das erfuhr das Redaktionsnetzwerk Deutschland »aus Kreisen« der Stasi-Unterlagenbehörde und des Bundestages. Am Freitag stimmte zunächst der Bundesrat dem Wechsel der Stasiakten ins Bundesarchiv im Sommer 2021 zu. Zeitgleich wird die Behörde aufgelöst, ihr seit 2011 amtie...

Leo Fischer

Rückwärts nimmer

Die allfälligen Jahresrückblicke der Medien dürften in diesem Jahr problematisch werden. Denn wenn sie ehrlich sind, müssten sich viele Redaktionen krasse Fehler in der Corona-Berichterstattung eingestehen.

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jha

Im Schachfieber

Es gehört zum Medium Film, durch das geschickte Arrangement der Kameraaufnahmen etwas vortäuschen zu können, was nicht der Fall ist. So wurde »Das Damengambit«, die bisher erfolgreichste Miniserie von Netflix, unter anderem in Berlin und Umgebung gedreht - ohne dort zu spielen. Das Haus Cumberland und das Bode-Museum werden zu Pariser Hotels, das Schloss Schulzendorf zum Waisenhaus in Kentucky, di...

Thomas Zimmermann

Lob der Partei

Partei kann man falsch machen, aber auch richtig. Das behauptet die US-Politikwissenschaftlerin Jodi Dean in ihrem neuen Buch. Und legt damit eine Theorie des Genossen vor, die auch in die Zukunft weist.

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René Hamann

Ewig grüßt das Kuscheltier

Auch wer mit 12 Jahren seine Kuscheltiere aufgegeben hat, der wird immer wieder welche finden, im Bett der Liebsten, beispielsweise. Beliebt sind Grüne Nashörner.

Christof Meueler und Mario Pschera

»Die Kutsche zieht die Pferde«

Der Berliner Verbrecher Verlag ist 25 Jahre alt, unkaputtbar und altlinks, sagen die Chefin und der Chef im Interview. Sie wollen nicht den Kommunismus tanzen, aber die Welt mit Büchern ein bisschen schöner machen. Seit drei Jahren können sie sogar davon leben.

Seite 11
Jeja Klein

Auf dem Hitlergruß ausgerutscht

Wer ACAB sagt, meint: Es sind nicht Einzelne, die mit falschem Verhalten den Ruf der restlichen Polizist*innen beschmutzen, sondern es geht um die reguläre Rolle der Polizei in einer sich auf Gewalt, Herrschaft und Unterdrückung stützenden Gesellschaft, als Arschloch aufzutreten.

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Vincent Sauer

Alles, was klickt

Was wäre wohl das Internet ohne all die kleinen bunten Bildchen, teils mit kurzen Textzeilen kombiniert? Auf jeden Fall langweiliger. Zwei neue Bücher versuchen nun, die Ästhetik der Memes und GIFs zu erklären.

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Hendrik Lasch

Als die Apfelplantagen in Borthen Volkseigentum waren

Vor 75 Jahren gab es im Osten Deutschlands eine Bodenreform. Die meisten Flächen wurden an Kleinbauern verteilt, manche wurden gleich »volkseigen« - mit Folgen, wie das Beispiel eines sächsischen Obstbaubetriebs zeigt.

Seite 15
Hendrik Lasch

Arbeitskräfte blieben die einzige Ressource

War die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone nur das Vorspiel zur Kollektivierung der DDR-Landwirtschaft? Nein, sagt die Historikerin Elke Scherstjanoi und erklärt den Zusammenhang von Reparationen und schneller Bodenreform.

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Christel Sperlich

Erfolgreiche Wendeverlierer

Nach der Wende wurden Ilona und Harald Brenneiser arbeitslos und von Maßnahme zu Maßnahme geschickt. Am Ende halfen sie sich selbst und gründeten in Pasewalk eine inzwischen äußerst erfolgreiche Manufaktur für Frucht- und Gemüseaufstriche.

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Andreas Meinzer

Lehren aus der Hexenkunde

Bibi Blocksberg, heuer 40 Jahre alt, ist nicht nur eine Person der Zeitgeschichte, sondern auch ein Forschungsgegenstand: Über linke und rechte Bibitologie und zur Frage von deren Methodik.

Seite 18
Fabian Lehr

Gottesfurcht und Diesseitsfrage

»Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan« - 500 Jahre alt wurde 2020 der Satz Martin Luthers. Doch wer sich politisch darauf berufen wollte, biss schon beim Urheber auf Granit: Wie der Lutheranismus konservativ wurde.

Seite 19
Jürgen Große

Das Geisterschloss

Mit seiner virtuellen Eröffnung kommt das Humboldt-Forum zu sich selbst: Über eine deutsche Attrappe von Weltoffenheit.

Seite 20
Peter Ullrich

Zwischen den Schützengräben

Polarisierung, Feindseligkeit, Unterstellungen: Jüngst ist der Konflikt über den Nahostkonflikt auch in Deutschland wieder einmal voll entbrannt. Kenneth Stern berichtet von dessen US-amerikanischem Schauplatz - aus einer interessanten Position.

Seite 21
Martina Renner und Sebastian Wehrhahn

Spuren nach Ermreuth

Eiskalt erschossen wurden im Dezember 1980 der Rabbiner Shlomo Lewin und seine Partnerin Frida Poeschke. Die Ermittlungen waren schlampig. Am Ende galt ein Toter als Einzeltäter - dabei tauchten in dem Fall immer wieder prominente Rechtsradikale auf.

Seite 22
Eva Krafczyk

Nur ein weißer Traum?

Dreaming of a white Christmas? Weiße Weihnacht wird alle Jahre wieder zum Thema von Fragen und Spekulationen. Besungen in Weihnachtsliedern, ob nun der Klassiker »White Christmas« oder Traditionslieder wie »Leise rieselt der Schnee«, inszeniert in Weihnachtsdekorationen der Schaufenster oder in Weihnachtsfilmen zum Fest: Schnee darf einfach nicht fehlen. Verschneite Waldlandschaften, Kinder, die a...

Michael Lenz

Rätselhaftes Leuchten

Schnabeltier, Wombat und einige Hörnchenarten fluoreszieren im UV-Licht. Endeckt wurde diese Eigenschaft eher zufällig. Nun versuchen Biologen herauszufinden, welche evolutionären Vorteile dieses auf den ersten Blick nutzlosen Phänomen haben könnte.

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Iris Rapoport, Boston und Berlin

Gaumenfreuden

Weihnachten ist das Fest der kulinarischen Versuchungen. Da bangt wohl so mancher um sein Gewicht. Gleichwohl gilt als gesichert, dass es einen Gewichts-Sollwert gibt, den der Körper zu halten bestrebt ist. Der ermöglicht, dass die Nahrung in Menge und Zusammensetzung erstaunlich variieren und unsere körperliche Aktivität schwanken kann, ohne dass sich das Körpergewicht über Jahre, gar Jahrzehnte,...

Dieter B. Herrmann

Wildwest im All

Gleich drei Missionen zum roten Planeten Mars sind derzeit unterwegs, der Mond wird von zahlreichen Nationen ins Visier genommen. Wirtschaftliche Interessen rücken in den Vordergrund. Namhafte Raumfahrtexperten warnen, den Geist des Kolonialismus ins All zu tragen.

Seite 24
Christof Meueler

Wer erfand das Fernsehen?

Dr. Steffen Schmidt ist Wissenschaftsredakteur des »nd« und der Universalgelehrte der Redaktion. Auf fast jede Frage weiß er eine Antwort – und wenn doch nicht, beantwortet er eine andere. Christof Meueler sprach mit ihm über die Erfindung des Fernsehens.

Seite 25
Mascha Malburg

Viele kleine Stiche

»Mama, ich will nicht mehr so braun sein«, sagte das Kind plötzlich nach dem Kindergarten. Eltern erzählen vom Rassismus, den ihre Kindern alltäglich in Kitas und Schulen erleben - und warum es so schwer ist, dagegen vorzugehen.

Seite 26
Claudia Krieg

Mehr Platz, Geld und Beistand

Es fehlt in der Hauptstadt an Beratung und Angeboten, die es vor allem armen Kindern, Familien und jungen Erwachsenen erleichtern, ihre Lebenssituation zu meistern. Ein Familienförderungsgesetz soll so bald wie möglich Abhilfe schaffen.

Seite 27
Andreas Fritsche

Krankenhaus wird privatisiert

Mit 28 zu 20 Stimmen beschloss der Kreistag Oberspreewald-Lausitz am Donnerstagabend, 51 Prozent der Anteile am Klinikum Niederlausitz an die Sana AG zu veräußern. Die Linke kritisiert die Privatisierung scharf. Es hätte eine Alternative gegeben.

Seite 28
Jirka Grahl

Premierensiegerin aus den USA

Tara Geraghty-Moats aus den USA hat die Weltcup-Premiere der Nordischen Kombiniererinnen gewonnen. Die 27-Jährige setzte sich am Freitag in Ramsau am Dachstein vor Gyda Westvold Hansen aus Norwegen und Anju Nakamura aus Japan durch.

Oliver Kern

Viele neue Schlupflöcher

Der Internationale Sportgerichtshof hat zwar die Sperre Russlands für Olympia und Weltmeisterschaften aufrechterhalten, aber doch stark verwässert. Russlands Sportfunktionäre feiern das nicht zu Unrecht als Erfolg. Dabei waren die Regelverstöße schwerwiegend.

Seite 29
Alexander Ludewig

Mutig gegen die Besten der Welt

Robert Lewandowski ist Weltfußballer, Manuel Neuer bester Torwart und Trainer Hansi Flick wurde bei der Fifa-Wahl Zweiter. Zeit zum Feiern blieb nicht: Mit Spitzenreiter Leverkusen wartet in der Bundesliga schon die nächste Herausforderung auf den FC Bayern.

Ronny Blaschke

Spielball der Elite

Persepolis könnte die asiatische Champions League erstmals gewinnen - für Irans Regime wäre das auch ein politischer Triumph.

Seite 30
Carsten Heinke

Neue Männel braucht das Land

Das sächsische Erzgebirge mit seiner Volkskunst gilt als Gralshüter der deutschen Weihnachtstradition. Zumindest via Internet kann man seine Märkte und Manufakturen noch besuchen.

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Marit Hofmann

Der Plön-Fluch

In Corona-Zeiten steht für viele ein Weihnachtsbesuch in der Heimatstadt an. Selten ist das wirklich vergnüglich, auch nicht in Plön, dessen Bewohner sich während der Nazizeit nicht gerade rühmlich verhielten. Der Slogan des Stadtmarketings trifft insofern unbeabsichtigt ins Schwarze: Plön! Schon gewusst?

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Isabella Caldart

»Wir haben ein sehr eigentümliches Verhältnis zur Sprache«

Die marokkanisch-spanische Schriftstellerin Najat El Hachmi spricht drei Sprachen fließend: Sie ist erst mit Tamazight aufgewachsen, hat dann Katalanisch gelernt und erst danach Spanisch. Aus Unsicherheit im Umgang mit Sprache wurde Leidenschaft.