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Im Anzug gegen das Anzügliche

Im Anzug gegen das Anzügliche

Elegante Pionierin. Sportlich mochte Sarah Voss keinen Erfolg feiern. Einen Sieg verzeichnete sie dennoch. Als erste deutsche Turnerin trug die 21-Jährige am Dienstag bei der EM in Basel einen Ganzkörperanzug. Den sonst üblichen badeanzugähnlichen Dress ließ sie in der Sporttasche, denn immer wieder kommt es dazu, dass anzügliche Fotos von Turnerinnen, etwa bei einem Spagat am Stufenbarren, veröff...

Vom Erfinden der Reichtümer
Stephan Kaufmann

Vom Erfinden der Reichtümer

»Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?« Was dieses alte Brecht-Zitat mit Wirecard und Bitcoins zu tun hat.

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Birger Schütz

War es das jetzt? Russlands Kehrtwende in der Ukraine-Krise

Wochenlang rollten die Truppentransporte entlang der ukrainisch-russischen Grenze, lieferten Satellitenbilder immer wieder neue und beunruhigende Bilder. Nach einer dramatischen Zuspitzung scheint sich die Lage im Donbass wieder zu entspannen

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»Das sind keine Ausnahmen«
Johanna Treblin

»Das sind keine Ausnahmen«

Der Bundestag hat eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von Saisonkräften beschlossen: Sie können auch 2021 länger ohne Sozialversicherung beschäftigt werden. Benjamin Luig von der Fairen Mobilität fordert besseren Schutz für Saisonarbeiter*innen in der Spargelernte.

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Undurchschaubare Subunternehmerketten
Johanna Treblin

Undurchschaubare Subunternehmerketten

Ob Fleischindustrie oder Baugewerbe: Ohne Hunderttausende Wanderarbeiter*innen vor allem aus Südosteuropa würde die Produktion in zahlreichen Branchen in Deutschland zum Erliegen kommen, heißt es in einem neuen Buch über Arbeitsmigrant*innen.

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Methode Martin Luther King
Thomas Gesterkamp

Methode Martin Luther King

Rausgehen und rumstehen? Künftig nicht mehr nachts in Regionen mit Inzidenzen von über 100. Die Ausgangssperre trifft jedoch vor allem die Ärmeren der Gesellschaft: Grund genug für fantasievollen Widerstand.

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Kurt Stenger

Lobbyismus oder Interessenvertretung?

Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte im Wirecard-Untersuchungsausschuss recht entspannt und staatsmännisch auftreten. Der einzige Vorwurf direkt gegen sie war lange vorher breitgetreten worden.

Wer hacken darf
Maximilian Henning

Wer hacken darf

Das Ausspähen von Computerdaten ist deutschen Behörden nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Doch diese Bedingungen werden immer zahlreicher. Und neben dem, was die Behörden dürfen, gibt es auch noch das, was sie tun. Ein Überblick.

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Ins Abseits gedrängt
Lisa Ecke

Ins Abseits gedrängt

Menschen mit Behinderung bleiben auch im neuen Teilhabestärkungsgesetz ausgegrenzt und werden in Armut gedrängt. Schutz vor Diskriminierung und Gewalt spielt offenbar keine Rolle.

Keine Pause bitte!
Johanna Treblin

Keine Pause bitte!

Amazon hat ein Pausenproblem. Die Mitarbeiter*innen in den Warenlagern dürfen keine FFP2-Masken tragen - weil man die alle zwei Stunden ablegen müsste. Also gibt es nur OP-Masken, die weniger schützen. Das ist legal. Der Ball liegt also beim Bund: Er muss das Gesetz ändern.

Nicht die letzte Affäre
Kurt Stenger

Nicht die letzte Affäre

Die Prominenten-Vernehmungen im Wirecard-Untersuchungsausschuss sind vorbei. Was bleibt? Die Notwendigkeit, staatliche Stellen Compliance-Regelungen zu unterwerfen.

Ihr Schauspieler!
Andreas Koristka

Ihr Schauspieler!

Es bleibt zu hoffen, dass sich das Wort »Schauspieler« als Gossenschimpfwort an den Schulhöfen durchsetzt. Meinetwegen auch in Variationen wie »Sohn einer Schauspielerin«, »Tochter eines Schauspielers« oder einfach nur »Til Schweiger«. Das wäre das Mindeste an Notwehr, was man diesem Berufszweig des Teufels entgegenbringen müsste.

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Nicolas Šustr

Sozialmietenstreit um Linke-Wahlprogramm

Seit vier Jahren kann sich Rot-Rot-Grün in Berlin nicht auf eine Reform der Sozialmieten einigen. Mietenexperte Michael Nelken hat zu dem Punkt einen Änderungsantrag für das Linke-Wahlprogramm eingebracht. Die Initiative Mieterstadt.de hält den Vorstoß für falsch.

Rot-rot-grüne Fundamente
Martin Kröger

Rot-rot-grüne Fundamente

Die Coronakrise verhagelt dem rot-rot-grünen Senat in Berlin die Bilanz. Den eigenen großartigen Zielen wurde das Bündnis nicht überall gerecht. Sozialpolitisch wurde aber vieles bewegt.

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Das Abi, mein Zimmer und ich
Mascha Malburg

Das Abi, mein Zimmer und ich

Mit den Abiturprüfungen endet für die Berliner Abiturient*innen ihre Schulzeit so ganz anders, als sie sich das gewünscht hätten. Nach einem Jahr hinter Bildschirmen, Masken und geschlossenen Zimmertüren traten sie diese Woche in Präsenz zu den ersten Prüfungen an.

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Eine diversere Berliner Linke
Claudia Krieg

Eine diversere Berliner Linke

Am Samstag wählt die Linksfraktion ihre Kandidat*innen für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus im September. Elif Eralp wirbt für sich als Antirassistin und Bewegungslinke.

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Jakob Hayner

Maximal dramatisch, voll spannend

Sprache ist nicht unschuldig. In Frank Witzels Monumentalromancollage »Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969« macht der Protagonist eine solche Erfahrung. Er hört von einem »Nazi Word Factor« (NWF) des Massachusetts Institute of Technology (MIT), der die deutsche Sprache auf ihre Nazireste untersucht. Scheinbar harmlose Worte wie Alpenglühen...

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Schwuler metoo-Moment
Jeja Klein

Schwuler metoo-Moment

Im Zuge der metoo-Bewegung kam es auch zu Anschuldigungen von Männern gegen Männer. Ist die Eröffnung eines Gerichtsverfahrens gegen einen Arzt nun der schwule metoo-Moment?

Kino on Demand
Sarah Pepin

Kino on Demand

»The show must go on«: Die Oscars finden natürlich auch in Pandemie-Zeiten statt - und die Auswahl ist dieses Jahr von US-amerikanischer Ländlichkeit und Hollywood-Nostalgie durchzogen. Ein Vorabblick auf die Nominierungen der 93. Academy Awards.

Seite 14
Wandernde Menschen, wandernde Räume
Inga Dreyer

Wandernde Menschen, wandernde Räume

Nicht nur Menschen reisen, sondern auch Räume: Migrant*innen eignen sich Orte an und gestalten diese nach ihren Wünschen und Bedürfnissen. Eine Ausstellung in Berlin porträtiert zwei migrantisch geprägte Orte mit touristischer Anziehungskraft.

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Die Papierlosen von Béguinage
Helena Piontek

Die Papierlosen von Béguinage

Rund 250 Menschen ohne offizielle Dokumente besetzen derzeit eine Kirche im Zentrum von Brüssel. Sie fordern die sofortige Legalisierung ihres Aufenthaltsstatus. Die Pandemie trifft diese Gruppe schonungslos.

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Ängste statt Arztbesuche
Helena Piontek

Ängste statt Arztbesuche

Die Gesundheitsversorgung von Papierlosen in Deutschland ist stark verbesserungswürdig. Christiane Borup von der NGO »Ärzte der Welt« erklärt, was dringend getan werden müsste.

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»Sexualität ist ein Grundbedürfnis«
Negin Behkam

»Sexualität ist ein Grundbedürfnis«

Der Erotikmarkt ist auf Männer fokussiert. Nina Julie Lepique fand das seltsam - und dachte sich etwas aus. Jetzt macht sie Audio-Pornos für Frauen.

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Hindu-Pracht im Ruhrgebiet
Karsten-Thilo Raab, Hamm

Hindu-Pracht im Ruhrgebiet

Die Lage ist ebenso ungewöhnlich wie die Einrichtung selbst: Inmitten eines Gewerbegebietes in Hamm-Uentrop sorgt in Sichtweite des Datteln-Kamm-Kanals ein hinduistischer Tempel für asiatisches Flair

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mim

vom 17.4.2021

Zu 1: Für die Zusammensetzung des besagten Meetings von Mathematiker*innen und Physiker*innen aus zwei Instituten gibt es exakt 267 148 Möglichkeiten. Die kombinatorische Lösung ist ziemlich komplex, und wir schicken auf Anfrage gern eine Beispiellösung. Florian Habermann aus Berlin gehört zu den »Richtigen«, und er hatte Losglück bei dem Gewinnbuch: »Nil«, Roman von Anna Baar, Wallstein.Zu 2: Läu...

Christian Klemm

Wo kommt der ganze Staub her?

Was tun gegen den Staub? Das Ärgernis ist einfach immer da! Es kommt aus der Umwelt, aber auch vom Menschen, ein Gespräch über Allergien, Krankheitserreger und Dreck im Haus.

Seite 21
Wo fliegen sie denn, die Aerosole?
Peter Nowak

Wo fliegen sie denn, die Aerosole?

Linke sollten nicht dem Irrationalismus der Querdenken-Bewegung folgen. Aber es gilt ebenfalls: Auch die Wissenschaft ist nicht frei von Herrschaftsinteressen. Schon Herbert Marcuse hat daran erinnert, die Erkenntnis gilt auch heute.

Seite 22
Schwierige Hinterlassenschaft
Felix Lill

Schwierige Hinterlassenschaft

Vor 75 Jahren wurde bei den Tokioter Prozessen Anklage gegen Kriegsverbrecher erhoben. Doch einer blieb bei dem japanischen Gegenstück zu Nürnberg verschont: der Kaiser. Das ist bis heute ein Problem.

Seite 23
Peter Nowak

Es geht um die Bücher

»Jugoslawien - 30 Jahre später« lautet der aktuelle Schwerpunkt der Plattform Kritisch-lesen.de. Elf Bücher mit dem Schwerpunkt Jugoslawien werden vorgestellt. Es geht sowohl um die Geschichte der jugoslawischen Arbeiterselbstverwaltung als auch um die Rolle der Partisan*innen in dem Land. Auch die Wiederauflage des heute weitgehend vergessenen »Proletarischen Humanismus« des Marxisten Miladin Živ...

Prophet des Untergangs
Timo Daum

Prophet des Untergangs

Der Zusammenbruch des Sozialismus sei nur der Vorbote des großen Crash der kapitalistischen Weltökonomie. Das sagte Robert Kurz in »Der Kollaps der Modernisierung«. Was sagt uns das Buch heute, 30 Jahre nach seinem Erscheinen?

Seite 25
»In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!«
Simone Barrientos und Karsten Krampitz

»In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!«

Deutschen Adel & Co. enteignen, hieß es einst. Nun fordern unter anderem die Hohenzollern Entschädigungen. Ihre Vorfahren hätten den Nazis keinen »erheblichen Vorschub« geleistet. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt ein anderes Bild.

Seite 26

Zellenmix von Mensch und Affe

Wissenschaftler haben Embryonen aus Zellen von Mensch und Affe erzeugt. Sie spritzen menschliche Stammzellen in wenige Tage alte Embryonen von Javaneraffen. Das Team um Juan Carlos Izpisua Belmonte vom Salk Institute for Biological Studies in La Jolla (Kalifornien) präsentiert seine Arbeit im Fachmagazin »Cell«. Einige der Embryonen entwickelten sich für knapp 20 Tage im Labor weiter und enthielte...

Boten aus dem interstellaren Raum
Dieter B. Herrmann

Boten aus dem interstellaren Raum

De Reise von einem Stern zum anderen - davon träumen viele Visionäre. Zwei kosmische Objekte haben das geschafft - allerdings ganz ohne vernunftbegabte Mitwirkung: die Kometen 1I/Oumuamua und 2I/Borisov. Beide lassen tief in die Vergangenheit ihrer unbekannten Herkunftssterne blicken.

Seite 27
Die Seuchen und das Vergessen
Christoph Schwamm

Die Seuchen und das Vergessen

Vor dem Ausbruch der jüngsten Corona-Pandemie wiegten sich die Menschen in den Industrieländern in Sicherheit. Die Pocken besiegt, Kinderlähmung fast ausgerottet. Doch gerade die Geschichte der Kinderlähmung zeigt Schwachpunkte unseres medizinischen Denkens.

Seite 28
Der Spuk ist noch nicht vorbei
Christoph Ruf

Der Spuk ist noch nicht vorbei

Es hatte nicht einmal 48 Stunden gedauert, da war die Super League schon wieder Geschichte. Allerorten herrscht Jubel über das Ende der Super-League-Pläne in Europas Fußball. Doch der könnte verfrüht sein.

Seite 29
Ein doppelter Kraftakt
Wolfgang Hübner

Ein doppelter Kraftakt

Das vor 75 Jahren gegründete »nd« konnte sich nach 1989/90 als linke, sozialistische Tageszeitung behaupten, weil es sich beständig verändert und entwickelt hat. Das bleibt auch unser Anspruch für die Zukunft.

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Karlen Vesper

Gründergeneration

Von Anfang an wurde in dieser Zeitung Antifaschismus großgeschrieben. Selbstverständlichkeit. Verpflichtung. Das Blatt sah und sieht sich in der Tradition der deutschen Antifaschisten, darunter von den Nazis verfolgter Juden, in der Emigration gegründeter Publikationen wie »Aufbau« (New York), »Deutsche Blätter« (Santiago de Chile) oder »Freies Deutschland« (Mexiko). Deren Autorenliste liest sich ...

Wahrheit und Mythos
Günter Benser

Wahrheit und Mythos

Mit der Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands schlug die Geburtsstunde des »Neuen Deutschland«. Die SED gibt es nicht mehr, die damals gegründete Zeitung aber schon.

Seite 32

Sinn und Seele

Wer nur lange genug schreibt, findet irgendwann die Form, die ihm gemäß ist. Die er sich aneignet, die er beherrscht, die auch ihn beherrscht. Bei Hans-Dieter Schütt ist diese Form das Interview. Wobei hier nicht das schnell eingefädelte, hastig geführte, flugs ins Blatt gerückte Interview gemeint ist, sondern eher ein Gespräch. Oder - altmodisch inzwischen, aber treffend - ein Gedankenaustausch. ...

Tägliches »Trotzdem!«

Jene ungewöhnliche Revolution, die das Ende der DDR herbeiführte, war auch über diese Redaktion gekommen. Aus dem einstigen Missionsgewese der Propaganda war jenes publizistisch Profane, aber ganz Eigene, Ehrwürdige gewachsen, das ohne aufgeputzte Dekoration auskommt. Zeitungsarbeit als »Trotzdem!« gegen jede Form von mainstreambefohlener Stilllegung. Vielleicht ist dies eine Voraussetzung von Fre...

Zehn Jahre Attacke
Wolfgang Hübner

Zehn Jahre Attacke

Zehn Jahre lang musste sich das »nd« härtester Angriffe erwehren; drei Bundesministerien und unterstellte Behörden, u.a, die Treuhand, waren an der Dauerattacke beteiligt. Dennoch konnten die Zeitung und das nd-Gebäude als Ort linker Debatte erhalten werden.

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Grüße zum 75.: Was andere am »nd« schätzen

Grüße zum 75.: Was andere am »nd« schätzen

Soziale, antifaschistische, stadt- und wohnungspolitische, ökologische Gruppierungen, Initiativen aus Flüchtlingshilfe und viele andere sind für uns Ansprech- und Interviewpartner oder veröffentlichen Gastbeiträge. Zum 75. nd-Geburtstag haben wir 
einige von ihnen gefragt, was sie von uns halten.

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»Was mit Linksdrall, das ist ja klar«
Corinna Meisenbach

»Was mit Linksdrall, das ist ja klar«

Rudolf und Jolinde Müller leben in Ostberlin, sind 90 und 88 Jahre alt. Nathan Mattes ist Mitte 20, kommt ursprünglich aus Stuttgart und wohnt jetzt in Berlin-Prenzlauer Berg. Was sie gemeinsam haben: Ein nd-Abo. Wir haben sie gefragt, was das »nd« für sie bedeutet.

Seite 37
Wie man ein Weltbürger wird
Christof Meueler

Wie man ein Weltbürger wird

Das »nd« musste erst 50 Jahre alt werden, um sich seine erste eigene Tasse zu gönnen. Eine Kaffeetasse als Werbeartikel zum Jubiläum 1996. Man könnte sagen, die Zeitung hat es sich von der PDS abgeschaut.

Seite 38
Der Sportteil im Wandel

Der Sportteil im Wandel

Boxen statt Burgenlauf in Thüringen Der ehemalige nd-Sportchef erinnert sich an die 90er (Wolfgang Richter) Es ist wahr: Wir dachten immer noch in 8 Punkt Erbar halbfett, kursiv. Das solcherart gezeichnete und mit der Maschine geschriebene Manuskript sauste per Rohrpost in die Setzerei, die Zeilen wurden wortgetreu an der grässlich klappernden, riesigen Setzmaschine in Blei gegossen und ...