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Wendejubiläum

Nach dem Aufbruch in die Demokratie des Westens, der Euphorie einer gelungenen und friedlichen Revolution, kamen die Kämpfe um das eigene Auskommen und die Ernüchterung über das neue System. 30 Jahre ist der Aufbruch der Bürger*innen der DDR nun her.
Plakate der Vereinigten Linken im Prenzlauer Berg Anfang 1990
Linke in der DDR
Sebastian Bähr

Zaungäste der kapitalistischen Restauration

Die Vereinigte Linke versuchte 1989 die antistalinistische linke Opposition der DDR zu vereinigen. Wie viele andere Oppositionsbewegungen scheiterte sie bei der Volkskammerwahl. Mitbegründer Thomas Klein spricht im Interview über Fehler und Erfahrungen.

»Der Druck war da«: Rolf Dieter Brinkmann
Rolf Dieter Brinkmann
Frank Schäfer

Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand

Bevor Rolf Dieter Brinkmann ein Erneuerer der Nachkriegsliteratur wurde, litt er an der Nachkriegsgesellschaft auf ungute, sehr deutsche Weise: Er sah sich als Opfer des Krieges und betrachtete seine Lehrer als «Krüppel», die er am liebsten totgeschlagen hätte.

Christoph Hein spricht am 04.11.1989 auf dem Alexanderplatz.
Christoph Hein
Karlen Vesper

Die fünfte Grundrechenart

Die Werke von Christoph Hein wurden in mehr als 15 Sprachen übersetzt. Donnersmarcks Film »Das Leben der Anderen«, der angeblich auf seiner Lebensgeschichte beruht, nennt Hein »ein Gruselmärchen«.

Vorstufe zum Mauerfall: Ungarische Beamte öffnen im Mai 1989 die...
Kapitalismus
Stephan Kaufmann

Die Befreiung des Kapitals

Mit der Mauer fielen vor 30 Jahren auch die geografischen Schranken der Marktwirtschaft. Die global verfügbare Arbeitsbevölkerung verdoppelte sich. Dieser massive Schock hat das Machtverhältnis zwischen Arbeit und Kapital dauerhaft verändert.

Demonstration am 4. November 1989 in Ost-Berlin
1989
Protokolle: Ulrike Wagener

Wisst ihr’s schon?

Am Abend des 9. November 1989 wurden in Berlin die ersten Grenzübergänge 
zwischen Ost und West auf Drängen vieler DDR-Bürger*innen geöffnet. Doch nicht alle stürmten die Mauer. Wir haben Menschen gefragt, wie sie das Ereignis erlebten und was es für ihr Leben bedeutete.

9. November
Wolfgang Hübner

Das einzig Richtige

Am frühen Abend des 9. November 1989, kurz vor 19 Uhr, saß Harald Jäger in der Kantine seiner Dienststelle. Eine Nachtschicht lag vor ihm, und obwohl es bewegte Zeiten waren, wusste er noch nicht, dass er ein paar Stunden später gezwungen sein würde, eine folgenschwere ...

Der Moment, in dem die Mauer durchlässig wurde: Grenzübergang Bo...
Maueröffnung
Karlen Vesper

»Wir fluten jetzt«

Zehn Jahre rannten die Griechen vergeblich gegen die mächtigen Tore Trojas an, erst eine List ließ sie triumphieren. Mehr als 100 Jahre benötigten die Römer, um die Wälle von Karthago zu brechen. Die Berliner Mauer fiel in einer Nacht. Ohne Blutvergießen! Seither wird s...

9. November 1989, abends: Warten auf die Grenzöffnung auf der Bo...
Grenzöffnung
Wolfgang Hübner

Eine versteckte Sensation

Vor 30 Jahren, als die Mauer fiel, kam beim damaligen Organ des Zentralkomitees der SED niemand auf die Idee, für einen aktuellen Bericht von den Grenzübergangsstellen zu sorgen. Heute wäre das vollkommen anders.

Anleasslich des zehnten Jahrestages der Maueroeffnung am 9. Nove...
Baseballschlägerjahre
Markus Bickel

Die Kinder von ’89

Die Baseballschlägerjahre politisierten auch viele Menschen im Westen. Aber man hätte damals nicht für möglich gehalten, dass heute ein Viertel mancher Bundesländer AfD wählt. Zwei Besuche in Chemnitz damals und heute.

Maueröffnung am Grenzübergang Invalidenstraße - Jörn Konrad und ...
1989
Johanna Treblin

Schnurstracks zu Burger King

Mit Stempel, Sekt und einem Stadtplan wurde Jörn Konrad am 9. November 1989 in Westberlin begrüßt. Er war einer der ersten, die nach der legendären Pressekonferenz von Günther Schabowskie mit dem Trabi über die Grenze fuhren. Sein Ziel: Burger King am Ku‘damm.

Berlin, Alexanderplatz: die bunte, fröhliche und angstfreie Mani...
9. November
Karlen Vesper

Wohlige Gefühle und kluge Reden

»Wahnsinn!« riefen ungläubig die Zehntausenden, die in der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 aus der Hauptstadt der DDR hinüber nach Westberlin pilgerten. Wahnsinn auch: Allein in Berlin gibt es in dieser Woche 200 Veranstaltungen zu dem welthistorischen Ereignis vor 30 Jahren.

Taffes Mädchen aus Westberlin und notorischer Ostler aus Kleinma...
»Im Niemandsland«
Gunnar Decker

Der Osten gehört jetzt uns!

Liebesgeschichten mit Mauer haben derzeit Konjunktur. Dabei hält man die Romeo-und-Julia-Variation offenbar für originell. Gerade ist in diesem Stile »Zwischen uns die Mauer« von Norbert Lechner ohne nennenswerte Nachwirkungen durch die Kinos gegangen, ein Film über ein...

Da war der Jubel noch groß: Ankunft von DDR-Bürgern mit ihrem Tr...
Wendeerfahrungen
Michael Bartsch

Es war einmal: der Besserossi

Die Stilisierung der DDR-Bürger zu Helden des Herbstes ’89 ist kaum mehr erträglich. Nur wenige wollten ihr Land selbst gestalten. Michael Bartsch wirft einen distanzierten Blick auf hartnäckige ostdeutsche Befindlichkeiten.

Kreuzberg 1989: »Nichts als Leute sehen, die in der Ecke stehen,...
Mauerfall
Andreas Gläser

Als ich vorging

Ich war froh, dass ich schon im Sommer ’89 in der bis dato eingemauerten Frontstadt Westberlin angekommen war. Dort hatten die Stadtväter eine imposante Kulisse aufbauen lassen. Zwischen dem Potsdamer Platz und dem Gleisdreieck schwebten in der Magnetbahn ziellose Mensc...

Der Friedens- und Umweltaktivist Sebastian Pflugbeil erhielt Anf...
Sebastian Pflugbeil
Karlen Vesper

Trunken von der neuen Freiheit

Das Neue Forum gehörte zu wichtigsten Initiatoren und Trägern der »Wende« in der DDR. Den Gründungsmitgliedern, darunter Akademiker, ging es auch um die Bewahrung von Natur und Umwelt.

DDR
Karlen Vesper

Auf die Strümpfe gemacht

Es erscheint mitunter, als wäre es erst gestern geschehen - und liegt doch schon 30 Jahre zurück: der Auf- und Umbruch in der DDR, der im Herbst 1989 begann und im Herbst 1990 bereits endete.

Szene einer nur zwei Tage währenden Hausbesetzung im Dezember 20...
Geschichte der Hausbesetzungen
Andreas Fritsche

»Räumt die Spießer!«

1993/94 galt Potsdam als Hauptstadt der besetzten Häuser. Heute ist die Szene praktisch tot. Sie hat aber mitgeholfen, dass Neonazis hier nie die Oberhand gewannen.

Im thüringischen Bischofferode erhebt sich ein roter Berg.
Treuhand
Sebastian Bähr und Nelli Tügel, Bischofferode

Erhobenen Hauptes inmitten der Niederlage

Bischofferode wurde 1993 zum Symbol der Treuhand-Politik. Ehemalige Bischofferoder Kumpel erinnern an den Arbeitskampf von damals und fordern eine politische Aufarbeitung der Ereignisse.

Erich Honecker am 8. Oktober 1989
Erich Honecker
Wolfgang Hübner

Alte Bilder, neue Bilder

Manchmal ist es ein Schlaglicht aus der Ferne, das den Wesenskern eines Ereignisses erhellt. Im Herbst 1989 war ich, seit vier Jahren Redakteur beim »Neuen Deutschland«, weit weg vom Wendegeschehen, das die Schlagzeilen bestimmte. Für zwei Monate, September und Oktober,...

»Walking through walls«
Christopher Suss

Multimediales Mauererfahren

Die Berliner Ausstellung »Durch Mauern gehen« beschränkt sich weder darauf, die friedliche Revolution vor 30 Jahren zu kommentieren, noch darauf, momentbezogene Historizität zu bieten. Der Besucher bekommt einen multimedialen Erfahrungsraum »Mauer«.

Das Archivbild vom 23.10.1989 zeigt DDR-Bürger in Leipzig, die a...
Montagsdemonstrationen

»Egon, wir sind nicht die Olsenbande!«

Nach den Friedensgebeten in der Leipziger Nikolaikirche folgten die Montagsdemonstrationen. Als 1989 begannen, war die Stimmung in der DDR sehr angespannt.

DDR-Sprache
Julia Wycisk

Mach dir keinen Kopf!

1989 wurden etliche Wörter aus dem Sprachgebrauch der DDR ersetzt und an die neuen gesellschaftlichen Bedingungen angepasst. Während dieser Angleichung an den westdeutschen Sprachgebrauch wurden 2000 bis 3000 Wörter von dort übernommen.

DDR-Geschichte
Günter Benser

Ein doppeltes Lottchen

Vor 70 Jahren wurde die DDR gegründet. Obwohl damals gar nicht zwingend geboten, hat die heutige Bundesrepublik nun eine Doppelbiografie. Die differenzierte Auseinandersetzung damit steht immer noch aus.

Ende der DDR
Karlen Vesper

Hoffen und Bangen im Oktober

Dresden im Oktober ’89 war vieles. Die einen wollten den 40. Geburtstag der DDR feiern, die anderen gingen für ihr Ende auf die Straße. Der spätere SED-PDS-Vize Wolfgang Berghofer sollte die Demonstranten beruhigen und verhandelte mit der »Gruppe der 20«.

DDR-Geschichte
Hendrik Lasch

Lass sie doch reden

Wir kochen gut» – das Kochbuch mit diesem Titel stand in fast jeder Küche der DDR. Jetzt steht es, wie viele weitere Alltagsgegenstände, auch im Museum und erzählt die Geschichten der «Dabeigewesenen». Und die sind ausgewogener als man denkt.

Daniela Dahn
Daniela Dahn

Der Anspruch des Unerfüllten

Demokratischer Aufbruch, Neues Forum, Demokratie Jetzt: Schon die Namen der zivilgesellschaftlichen Gruppen aus dem Herbst ’89 hatten etwas Drängendes, Forderndes. Doch was ist aus diesen Forderungen geworden? Eine Bilanz.

DDR
Karlen Vesper

»Ich wollte nie abhauen«

Herr Diestel, Sie können der DDR jetzt, da sie verschwunden ist, gewisse positive Seiten abgewinnen, bemerken Sie sinngemäß in Ihrem neuen Buch. Welche wären dies? Das ist falsch zusammengefasst. Ich habe eine Geschichte, wie jeder Mensch eine Geschichte hat. Meine...

Karlen Vesper

Keine Angst vor guten Sitten

»Der Mensch der sozialistischen Gesellschaft wird, wenn sie voll aufgeblüht ist, keine Gelegenheit, keine Möglichkeit und keine Lust mehr haben, sich schlecht zu benehmen, er wird nicht heucheln, nicht katzbuckeln, nicht hochstapeln, er wird Fisch nicht mit dem Messer e...

Karlen Vesper

Ohne Illusionen, aber mit viel Hoffnungen

Einen »Doyen seiner Zunft« nennt ehrfurchtsvoll sein Verleger den Architekturtheoretiker Bruno Flierl, Jg. 1927. Der um etliche Jahre jüngere Frank Schumann ist beeindruckt von dessen ungebremster Mobilität und Aktivität. Auch in hohem Alter hält Flierl Vorträge, nimmt ...

Sozialdemokratie in der DDR
Karlen Vesper

»Es begann alles viel früher ...«

Im August 1989 kursiert in oppositionellen Kreisen in der DDR ein Papier, das zur Gründung einer sozialdemokratischen Partei aufruft. In den Augen der SED-Obrigkeit ein ungeheuerlicher Vorgang.

Brigadebewegung
Jörg Roesler

Sozialistisch arbeiten, lernen und leben

Die berühmteste Brigade der DDR ist wohl die von Hannes Balla. Die Männer um den charismatischen, selbstbewussten Zimmermann halten zwar nicht viel von den bürokratischen Regeln der Planwirtschaft, gehören aber zu den produktivsten Arbeitsbrigaden auf der Großbaustelle ...

Alexander Amberger

Konflikte waren programmiert

Verfügte die DDR über eine eigenständige Philosophie? Und wenn ja, ist diese dann ein Fall für die Geschichtsbücher, oder überdauern Spuren bis heute? Diesen Fragen widmet sich in all ihrer Ambivalenz seit Langem Hans-Christoph Rauh. Der Philosoph überstand die Wendejah...

DDR-Kino
Günter Agde

DEFA ade? Von wegen ...

Donnerstag, der 23. November 1989, der traditionelle Wochentag für Programmwechsel in den Kinos und Start neuer Filme. Und ein denkwürdiges und öffentlichkeitswirksames Zusammentreffen: Egon Krenz, noch SED-Generealsekretär, und (seinerzeit Westberliner) Schauspielstar ...

Herbst in Peking
Karlen Vesper

»Feiern wir diesen Tag«

Die alternative Musikszene in der DDR war vielseitig. Ob Rock, Punk, Blues, Hip-Hop, Folk - gesellschaftskritisch waren sie alle. Unter ihnen: Die Band Herbst in Peking. Ihr Frontmann erinnert sich, wie es war, unter der sozialistischen Regierung Musik zu machen.

SED und DDR
Jörg Roesler

Heiß: Bügeleisen ohne Griffe

Beim Einblick in Beschlussprotokolle des SED-Politbüros im Jahr 1989 zeigt sich: Probleme wurden detailliert erkannt, Lösungen nicht geboten. Über die abnehmende Loyalität innerhalb der Bevölkerung machten sich die Politbüromitglieder wohl kaum Illusionen.

Harald Kretzschmar

Am Schnickschnack vorbei

Von Harald KretzschmarSatiricum« haben sie die Karikaturensammlung im Sommerpalais Greiz im Vogtland genannt. Hier eröffnete am 8. Juni 1989 eine Ausstellung über die »Neue Frankfurter Schule«, zu der Künstler aus West wie Ost kamen. Es war eine vorfristige Wiederverein...

Stasi-Unterlagen
Karlen Vesper

Droht eine zweite Enteignung?

Das vom Chef der Stasi-Unterlagenbehörde und dem Präsidenten des Bundesarchivs vorgelegte Konzept über ein »Archivzentrums zur SED-Diktatur«, das die Vereinigung von Akten des DDR-Geheimdienstes mit dem Parteiarchiv der PDS/Linkspartei vorsieht, stößt auf Kritik. Geschichtsprofessor Günter Benser hat nicht nur politisch-moralische und archivwissenschaftliche Bedenken, sondern verweist auch auf rechtliche Probleme.

Wolfgang Hübner

Das 98-Prozent-Menetekel

Vor genau 30 Jahren wurde erstmals in der DDR Wahlfälschung dokumentiert - die Proteste mündeten in den Wendeherbst.

1919 und 1989
Karlen Vesper

Euphorie und Ernüchterung

Zwei Fotos, fast ein Jahrhundert liegt zwischen beiden Aufnahmen. Heiner Simon ist stolz auf beide, hütet sie wie einen Schatz. Die eine zeigt seinen Großvater während der deutschen Revolution 1918. Es gehört zu den am häufigsten veröffentlichten aus jener dramatischen Zeit.

Emanzipation
Karlen Vesper

Die Kraft der Schwachen

Weltweit werden an diesem Samstag Frauen mit »Women‘s Marches« für Gleichberechtigung, gegen Gewalt und Diskriminierung demonstrieren. Die Bürgerrechtlerin Ruth Misselwitz spricht im »nd«-Interview über Frauenpower und mangelnde Gleichberechtigung.