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Alle Dossiers

»BUCH PLAN C« im FMP1 und im Onlineshop

Jetzt erst recht zum Buch greifen! Nachdem aufgrund der Corona-Entwicklung unsere alternative Lesemesse »BUCH PLAN B« abgesagt werden musste, bieten wir nun die Bücher der Verlage im Foyer des FMP1 und im nd-Shop an und nennen es »BUCH PLAN C«. Wir freuen uns auf Ihren Besuch - so lange es geht.

Kategorien:

Sie winken allen Neuankömmlingen

Gebeugt und befangen stand er am Erkerfenster des Western Nursing Home. Wer war er, und wohin wollte er, hatte er das vergessen? Seine Mitbewohner beobachteten ihn. Das Ritual war immer das gleiche. Nicht mehr lange, und John Michael Flaherty würde seinen Aussichtsposte...

Und ewig schwimmen die Nixen

Meine Bücher sagen, Böhmen liege am Meer. Aber nur deshalb, weil weder William noch Ingeborg sich je vom Rande Mitteleuropas aus an Bohemia herangetastet haben. Sonst hätten sie die Wahrheit geschrieben: Böhmen ist das Meer. Ist der Ozean, inklusive des Mariannengrabens...

Großer Seitensprung nach vorn

Vorbemerkung der Zensoren An alle Verlage, Zeitungen und Zeitschriften: Yan Liankes Roman »Dem Volke dienen«, erschienen 2005 in der ersten Ausgabe der Zeitschrift »Hua Cheng«, beinhaltet vulgäre und obszöne Darstellungen sowie schwerwiegende gedankliche Irrtü...

Handwerk, Höhlen, Hochsitze

So viele Handwerker und keiner repariert vor der eigenen Haustür«, hatte Milo gesagt. Tatsächlich hatten sich alle schon so sehr an die wacklige Stufe gewöhnt, dass sie ihnen nicht mehr kaputt erschien. Auch für Judith gehörte sie an diesen Ort, ohne wacklige Stufe wäre...

Utopie, klein und bewohnbar

Dass ich eines Tages Meta folgen würde, hätte ich nie gedacht. Dienstags und donnerstags vor unserem Seminar zur Jüdischen Geistesgeschichte Berlins saß sie mit den Gruftis unter den Kastanien auf dem Hof, als Einzige, die nicht verkleidet wirkte. Ihre schwarze Kleidung...

Der Astronom unterdrückt ein Seufzen

Panvel - Manbai, A. H. 1177 / A. D. 1764 Musa al-Lahuri musste das Echtheitszertifikat seines Astrolabiums in drei Ausfertigungen unterzeichnen. Drei große, schöne Schriftstücke hatte der Kunde erstellen und feierlich ausbreiten lassen, auf einem Tisch unter einem ...

»Was hast du gesehen, alter Mann?«

»Pass auf, was du sagst, Kamerad, gegen das heilige Ungarn!« »Was hat denn der Palast mit uns Ungarn zu tun, die Jugos … die Serben haben ihn gebaut!« »Alles, was das heilige Magyar Királyság erobert, gehört auch zum heiligen Magyar Ki...

Monique verlässt den Salon

Wie rücksichtslos!«, meinte Madame Lerbier, als sie die breite Freitreppe des Ministeriums herunterstieg. »Dein Vater hat das Auto dabehalten. Wenn Lucien uns schon nicht nach Hause bringen kann, hätte er wirklich daran denken dürfen, dir seinen Wagen zurückzuschicken.«...

Löwe, Lamm und ein Störfall

Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag Wir kommen nachts an, nach einer anstrengenden Fahrt im Toyota Hybrid meiner Großmutter - schließlich mussten wir halb Frankreich durchqueren und dabei Hochspannungsmasten und Mobilfunkantennen meiden, während uns die ...

Die Zeit steht still in Voglweh

Wenn man vom Zustand der Militärstraße auf die Wehrhaftigkeit der hiesigen Armee schließen wollte, drängte sich der Gedanke auf, das ganze Land könne problemlos mit Steinschleudern in Besitz genommen werden. Die Straße, auf der wir jetzt entlangrumpelten, war nicht nur ...

Ein Leben in Kalligrafien

Das Buch, das ich nie schreiben wollte Meine geliebte Tochter Sara, das ist das Buch, das ich nie schreiben wollte. Ich habe den Schmerz zusammen mit meiner Kindheit begraben und ein neues Leben begonnen. Aber dein Vater ist der Meinung, dass du weder dich noc...

Es ist weit bis Pontresina

Seit einiger Zeit dachte ich abends gelegentlich an das Symposium, von dessen Vorbereitung man mir im Januar erzählt hatte. Damals war ich nicht dazugekommen, mich genauer danach zu erkundigen, es war nur ein kurzes Gespräch gewesen, das mit der Auskunft geendet ha...

Heimat ist ein blaues Band

Als Mutter noch lebte, erzählte sie mir häufig Geschichten über ihre Heimat. Pommernland. Niemals ließ sie sich dabei in die Karten schauen. Es war zwecklos, ihr Fragen zu stellen. Wenn sie Dinge nicht erzählen wollte, schwieg sie. Stille. Stolz auf ...

Dem Kaiser eine grüne Krone!

Die Kursänderung, welche Kolumbus bis an die Küste Amerikas führen sollte, nahm er im Opiumrausch, mit dem er seiner Seekrankheit beikommen wollte, völlig wahllos vor. *** Zutiefst enttäuscht, dass sein Ziehsohn nicht Manns genug war, sich der Verantwort...

Hinter den Büchern die Patronen

Die Fingerbeere ruhte am Drücker. Der Zeigefinger war verkrampft, obwohl ihr Vater sagte, dass sie nicht so hart drücken solle. Sie musste alle ihre Kräfte einsetzen, um den Kolben mit der Schulter und den Gewehrlauf mit ihrem linken Arm in der rechten Position zu halte...

Kirche, Priester und der Whiskey

Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine fiese Stimme. Die eine Schwägerin rief von ihm zu Hause aus an. »Schämst du dich gar nicht? Treibst dich rum, wo deine Frau eben erst gestorben ist!« »Ja, sie ist gestorben«, sagte N. Etwas Besseres fiel ihm nicht ein. ...

»Ohne Vergangenheit bin ich nur ich.«

Dienstag, 09. November Lieber Ingo! Heute morgen bin ich aufgewacht und mir war alles klar … Kannst Du Dir vorstellen, einen Menschen zu hassen, ohne ihm je begegnet zu sein? Nur aufgrund seiner Post, die er amtlich beauftragt in regelmäßigen Abstanden ve...

»Wer sind denn die da?«

Meliha Dass Meliha Saraçoğlu tot war, bemerkten ihre Nachbarn einen Tag darauf. Seit ihr Mann Hamit Bey, Oberstleutnant a.D. und Veteran des Befreiungskriegs, vor zehn Jahren an einem Herzinfarkt verschieden war, hatte Meliha Hanım allein gelebt. Als sie starb, war ...

Gabel im Hirn und grüne Tinkturen

Die Gabel Die Gabel ist ein kleines bisschen neben der Spur. Sie dreht sich lässig durch die langen Nudeln, so als ob sie Ski fahren wollte. »Wo ist nur dein Kopf geblieben? Sie haben dich verarscht. Sie haben dich reingelegt, du Dummkopf! Das sollen Kartoffeln...

Jetzt also auch einer von denen

Du kennst die Schuhfa nicht?, fragte Marcel. Das Butterflymesser wirbelte vor ihm in der rauchigen Luft und schnitt sie in Fetzen. Viktor und die anderen standen in der Bushaltestelle am Fußballplatz und teilten sich eine Stange Lucky Strike. Der Rasen vor ihnen wa...

Wer will schon nach Togo?

Menz war am Verzweifeln. Seit zwei Stunden versuchte er, mit der Togoischen Botschaft in Berlin zu telefonieren. Aber niemand hob ab. Er wollte keine Zeit verlieren, nahm ein Taxi und fuhr in die Grabbeallee 43. Er klingelte, ein verschlafener Mann öffnete die Tür. Ja, ...

Única blickt aufs Meer

Viel eher aus alter Gewohnheit denn aufgrund eines weltenordnenden Prinzips ging die Sonne auf und hielt am Hügelkamm kurz inne, als würde sie erst im letzten Moment beschließen, noch einen weiteren Tag zu leuchten, statt sich in den Abgrund der vergangenen Nacht zu stü...

Athos der Förster

Ich sehe die Menschen, als sähe ich Bäume umhergehen. Markusevangelium 8,24 Tritt sanft, du trittst ja auf meine Träume. W. B. Yeats: »Er wünscht sich die Kleider des Himmels« Jahrelang habe ich den Mund gehalten. Wenn man sich in der Natur aufhält, lernt ...

Schwesternschere

Sie flanierten durch Herditz und kauften im Supermarkt ein. Fisch, Gemüse und ein paar Flaschen Bier. »Beeilung. 15 Uhr gibt es im Heim Kaffee«, mahnte Greta. Der Parkplatz zum Seniorenheim war voller Autos. Thorben quetschte seinen VW-Bus in eine schmale Lück...

Fahr zur Hölle, Jonny!

Vor zweimal vierundzwanzig Stunden war ich als blinder Passagier der »Rouen« an Land geklettert. Stowaway, sagen wir dazu. Wir Schwarzfahrer vom Fach. Drei Glas Bier, einen Kognak und eine Budikerboulette hatte ich im Magen. Höllensakrament, verdammt nicht viel! In mein...

Eh ichs vergesse

1997 Vorwörter 1. Ich bin Ein kleinbürgerlicher Revolutionär. Ich sitze gern an meinem Goldfischteich und denke über die Veränderbarkeit der Welt nach. Wer Visionen hat, muss zum Arzt gehen, sagte Doktor Allwissend. Auch einem klugen Mann gelingt einmal ein dum...

Wunderbare Reisen

Ich trat meine Reise nach Russland von Haus ab mitten im Winter an, weil ich ganz richtig schloss, dass Frost und Schnee die Wege durch die nördlichen Gegenden von Deutschland, Polen, Kur­ und Livland, welche nach der Beschreibung aller Reisenden fast noch elender sind ...

Fremde Zungen allerorten

30 Jahre sind sie nun wieder dabei, und noch immer finden sie nicht überall Verständnis. Dank vorzeitigem Abschied von der deutschen Geschichte mit ihren Reparationspflichten und Schuldlasten hatten die Deutschen im Westen jahrzehntelang eine nationale Phantomexistenz g...

Henning Kreitel
Frank Eckardt

Du in der Millionenstadt

Auf den folgenden Seiten werden Sie durch die »astronomie der straße« ziehen und ab und zu an Wänden mit »zerhackten graffitiherzen« pausieren. Henning Kreitel nimmt uns mit durch seine Wahrnehmungswelt einer Millionenstadt, die zweifelsohne als Berlin zu identifizieren...

Lâle Müldür
Ali Al-Nasani

Aschene Vögel

Wer Lâle Müldürs Lyrik folgt und sich auf sie einlässt wird verstehen, dass es keine andere Art gibt, das Sein zu verstehen, als durch die Dichtung. Erinnerungen und Melancholie, gepaart mit grenzenloser Müdigkeit, versöhnen sich in Müldürs Lyrik mit der Einsamkeit...

Lessie Sachs
Christiana Puschak und Jürgen Krämer

… als sei Gefährt ich und auch Fahrer

»Das launische Gehirn« ist der Titel eines der unveröffentlichten Gedichte von Lessie Sachs. Schon lange hatten wir die Idee, eine Auswahl der Gedichte und Prosatexte von Lessie Sachs mit einem biografischen Porträt der 1896 in Breslau geborenen und 1942 in New York ver...

Lyrik
Mario Pschera

Reim dich, oder!

Lyrik steht nicht in dem Ruche, besonders lebendig zu sein. In Deutschland erscheinen etwa 7 000 Lyrikbände pro Jahr. Bisschen viel für ein aussterbendes Genre, nicht wahr?

Mario Pschera

Bild und Selbstbild

Die Klage über die Jugend ist eigentlich eine Klage über das Verschwinden der eigenen Jugend. Ewige Jugend aber ist ein faltenbefreiter Albtraum. Das Altern in Würde scheitert oft am Misstrauen in eigenen Erfahrungen...

Jungs und Mädchen mit Attitüde

Die Tür zu Brunos Altbauwohnung liess sich nur schwer öffnen. Man musste mit einem Ruck daran ziehen, damit das schwere Holzteil aufschwang und es sogleich wieder abbremsen, damit die Klinke nicht in die Wand einschlug. Davon, dass dies nicht jedem gelang, zeugte ein ti...

Public Girls With Guitars

Letztens in der Kneipe. Wir trinken Bier, rauchen und reden darüber, was wir so machen. Ich erzähle von diesem Buch. Und direkt kommt die Frage: Ist Künstlerin X dabei? Nein. Und Künstlerin Y? Nein. Und Künstlerin Z? Nein. Der Freund zeigt sich enttäuscht. Janet Jackson...

Der Iwan und die Platte

Wie sehr habe ich mir doch in den letzten Monaten diesen Moment so inbrünstig herbeigesehnt. Jetzt ist es soweit … unwiderruflich. Ich presse meine Stirn an das kalte Fensterglas und genieße jeden Stoß, den die eisernen Räder von den Schienen in den Waggon übertragen. T...

Fahrräder für den Westen

Im September 1979, so früh wie in jedem der vorangegangenen Jahre, hatte für Regina Meyer die wenig erbauliche Vorweihnachtszeit begonnen. Um reiche Gabentische zum bedeutendsten Fest des Jahres bemüht, waren die meisten Eltern monatelang gezwungen, sich die Hacken...

Blitzableiter und Postologen

»Verdrängter Humanismus - verzögerte Aufklärung« lautet der Titel eines Standardwerks zur Geschichte der österreichischen Philosophie, und was für die lichten Höhen philosophischer Geistesanstrengungen gilt, lässt sich auch ganz konkret anhand der Geschichte der mit Jah...

Der zarte Gesang der Xanthippen

Vollständige und faire Liste aller Dinge, die ich hasse Ich hasse Hoden. Wie es Lebewesen mit so etwas zwischen den Beinen geschafft haben, Frauen zu beherrschen, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. So eine Lächerlichkeit von Organ am eigenen Körper zu haben und da...

Wiederentdeckung der Leichtigkeit

Als ich neun Jahre alt war, lernte ich schwimmen. Meine Mutter brachte es mir im Traum bei, da war sie schon tot. In dem Traum spielten der Nachbarsjunge und ich mit Murmeln. Ich war gut und hatte schon mehrere Runden gewonnen, als meine Mutter mich rief. Sie stand...

Mario Pschera

Who dunnit?

Falls Sie von der Langeweile geplagt werden, machen Sie doch einfach ein kleines Experiment: Schauen Sie an einem beliebigen Freitagabend ab 20.15 Uhr drei, vier, fünf Krimis hintereinander an und notieren Sie dann, welcher Mörder noch mal der Gärtner war. Es wird lusti...

»Ich glaube John Brown war Terorist«

Cady Perec war eine kleine Frau in Jeans und Cordjacke. Ihr kupferfarbenes Haar fiel ihr ständig über die Brille, und sie ließ ihre Papiere fallen, als sie versuchte, sich die Strähnen aus dem Gesicht zu streichen. Ich kniete nieder, um ihr beim Einsammeln zu helfen - s...

Gerechtigkeit auf diese Welt bringen

Um seine Geschichten überzeugender zu gestalten, bemühte sich Hadi, sie mit realistischen Details anzureichern, lauter Einzelheiten, die er wirklich erlebt hatte, an die er sich genau erinnerte und derer er sich bediente, wenn er seine Geschichten vortrug. Er saß im Caf...

Stresshormone kann man schmecken

Die Gespräche ebbten ab, die Blicke richteten sich zum Tischende, von unten, von der Rue Gérard Arbre, war das wütende Hupen eines Kleinwagens zu hören. »Leute, bevor wir loslegen, schaut euch das bitte mal an.« Chefredakteur Philippe de Meudon verteilte die Blätter. »N...

Der Patriotische Block

Berthet soll getötet werden. Das ist eine ziemlich schlechte Idee. Einmal, weil Berthet es gemerkt hat, dann, weil Berthet das nicht mitmachen wird, und schließlich, weil Berthet in diesen Dingen kein Anfänger ist. Mit der Zeit entlockt ihm das nur ein müdes Lächeln. Di...

Bei Störtebeker tot umgefallen

So fängt eigentlich ein schlechter ›Tatort‹ an», knurrt Karsten Schwinka, als er die Tür seines Wagens öffnet und sich in den Sitz fallen lässt. Dabei macht er dicke Backen und stößt die Luft durch die zusammengepressten Lippen. ›Tod auf der Theaterbühne. Und keiner hat...

»Nicht so hysterisch, Kleene.«

MARCELLA E. Es ist Viertel vor acht, als Marcella E. endlich ihren dreijähri­gen Sohn zum Einschlafen gebracht hat. Sonst macht das meist ihr Mann, der mehr Geduld hat und oft neben ihm einschläft. Aber heute ist er auf Geschäftsreise. In der Wippe in der Küche lieg...

Ein Gangster der alten Schule

Ein paar verlorene Schneeflocken trieben durch die Straßen - es war gerade erst Ende Oktober -, als Morgan seinen klapprigen Chevy Monte Carlo in die Lyons Avenue dirigierte. Die ausgebrannten Brownstone-Häuser gehörten hier ebenso zum Stadtbild wie die verlassenen Auto...

Zeichnung: Mario Pschera
Mario Pschera

Für das Leben

Non scholae sed vitae - nicht für die Schule, für das Leben lernen wir. Mit dem Lernen ist das so eine Sache, wenn die Schulen geschlossen sind. Aber auch vor der Verlagerung des Unterrichts ins Häusliche stand nicht alles zum Besten. Schüler wie Lehrer klagen über eine...

Fürs Klima die Schule schwänzen

Unsere Geschichte beginnt an einem viel zu warmen Tag im Februar. Eigentlich sollte es draußen kalt und schneebedeckt sein. Stattdessen hatten wir milde 20 Grad Celsius und Sonnenschein. »Ganz schön warm heute. Ungewöhnlich warm«, sagte Mama zu mir, als sie uns beiden e...

Zeichnung: Martina Kraemer

Das Grundgesetz in Kinderhand

»Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.« Die erste Regel ist die wichtigste in unserem Grundgesetz. Es sind nur sechs Wörter, aber die haben es wirklich in sich. Da ist zunächst dieses Wort ...

Wie Harry Potter, nur als Mädchen

«Berliiiiin! Wir sind gleich da! Fahr noch ein bisschen schneller, okay?» Anna blickte zu ihrem Sohn, der auf dem Beifahrersitz saß und ungeduldig auf und ab wippte. «Immer mit der Ruhe, Matti», sagte sie und lächelte. «Unser Käfer gibt schon alles. Schau lieber, d...

Wenn’s nach Kuh stinkt, kommt der Wind aus Westen

Rita liegt in ihrem Bett. Sie schläft. Eigentlich nichts Ungewöhnliches an einem Samstagmorgen wie diesem. Auch das leise Knarzen der Dielen vermag Rita nicht aus dem Schlaf zu reißen. Ihr Traum ist viel zu schön, um ihn schon zu verlassen. Rita träumt von ihrem zehnten...

Ein Diktator ist zu besiegen

Im Südwesten dieses Landes - man nannte es das Blaue Land - lebte das Volk der Käuer: sanfte, liebe Menschlein, die nicht größer waren als achtjährige Knaben in anderen Ländern, in denen es keine Wunder gibt. Herrscherin im Blauen Land der Käuer war die böse Zauberin Gi...

Jutta Ditfurth

Umwelt gut - Mensch böse

Wenn Sprecher*innen von Extinction Rebellion (XR) den Corona-Virus loben, weil er Luft und Wasser sauberer werden lasse, übersehen sie all die Toten. Wenn XR-Sprecher wie Rupert Read verlangen, Einwanderung in reiche Länder zu mindern oder zu beenden, weil »anwachsende ...

Faschismus in Tschechien

Weil die uns in München verrieten

Die buckelige Landstraße bröckelt am Rand in den Graben. Gras wächst durch den Schotter, die Räder des Kinderwagens hüpfen über große Steine. Mit dem linken Fuß ist sie gerade auf den glitschigen Steinchen weggerutscht, der Knöchel schmerzt, vermutlich hat sie sich eine...

»Euer Sowezkij Sojus ist vorbei …«

Ich bin sechs Jahre alt und sitze auf der Rückbank unseres Lada. Lada klingt wie ein Mädchenname. Oder eine kleine Hündin, die könnte auch Lada heißen. Einer der kleinen unbehausten Hunde in unserem Hof könnte so gerufen werden. Lada, komm her, Lada, hau ab. Oder unsere...

Die Entmieteten

Marianne Schweizer wird mariniert

Marianne spürte, wie die Träger ihres BHs in ihre Schultern schnitten. Die hinter ihr liegende Frühschicht hockte wie ein schweres Tier auf ihr. In den letzten Jahren wuchs das Tier immer schneller. Ebenso wie das Gefühl, dass sie ihren Patienten immer ähnlicher wurde. ...

In der Holzklasse um die Welt

So will ich über’n Erdball zieh’n. Genießen froh und schauen, Und, was mir Schönes ward verlieh’n, Den Blättern hier vertrauen. Cilli. Ich bin das einzige Kind meiner Mutter und habe es immer behaupten hören - von der Stimmenmehrheit meiner Verwandten in jedem ...

The Great Stone Face und die Familie

Alles in allem hatte ich nicht mehr gesagt als: Ja, am Apparat. Ja, ich werde da sein. Ja, danke, bis dahin. Ob sie mit Gustav Zinn spreche? Ja, am Apparat. Guten Tag. Isolde Hamann ihr Name. Sie sei die Gattin von Anton Hamann und rufe an, um mitzuteilen, da...

portugiesische Kolonialherrschaft

Der Trieb der sanften weißen Männer

Manuel hat sein Herz in Afrika gelassen. Ich kenne auch Leute, die dort zwei Pkws gelassen haben oder einen Geländewagen, einen Lieferwagen, einen Bus, zwei Häuser, drei machambas und dazu ein schon in Meticais konvertiertes Konto bei der »Banco Nacional Ultramarino«. W...

Illustration: Mario Pschera
Mario Pschera

Systemrelevant

Das PEN-Zentrum Deutschland fordert, dass der Zugang zu Büchern und damit zu Wissen und Information in einer freiheitlichen Demokratie unter keinen Umständen eingeschränkt werden dürfe. Nähme man die Sonntagsreden aus Prä-Corona-Zeiten ernst, müsste diese Forderung gar ...

Der Canaletto vom Prenzlauer Berg

Wir müssen einfach warten,

In den langen Gesprächen mit dem 87-jährigen Maler weigerte er sich konsequent, seinen Gemälden einen Symbolwert zuzusprechen. Sie sind für ihn einfach nur, was sie sind: reale, mit Präzision wiedergegebene Berliner Mietshäuser, nicht metaphorisch aufgeladene Sinnbilder...

Die Infantin trägt den Scheitel links

Meine Tarnung ist die Knechtschaft

Nehmen Sie ein Gemälde von Pieter Bruegel. Nun animieren Sie es. Wir essen schwarze Regensuppe zum Nachtmahl. Der grüne Kachelofen brütet in der Ecke, in der Stube dampft es, doch mir ist kalt. Die Bewohner des Hauses haben sich im Parterre versammelt. Nicht oft ve...

Typus Donald Trump

Nur wer Kredit hat, hat es angenehm

Der wirklich sehr merkwürdige Mensch, von dem ich jetzt einige Augenblicke meine Leser unterhalten will, mein Onkel also, war eines jener von der Natur bevorzugten Individuen, für die das Schicksal Wunder wirkt. Schon vom zartesten Alter an wusste er es, sich über jene ...

Goldbecks Wenden

Die Trauerarbeit der Goldfische

Völlig eins mit sich und der Welt liegt Goldbeck glückselig im kühlen Halbdunkel der Ferienwohnung, aber schon bald, er ahnt es nur noch nicht, wird Hendrik Richard Goldbeck ein letztes Mal in dem Kinosaal sitzen, in dem er mit Bringsheim so oft all die wunderbaren Film...

Die Verwandelten

Waschbären in der Seifenoper

Sandra Rösch wusste, dass nur aus einem einzigen Grund ihr Drucker unaufgefordert loslegt, nämlich wenn ein Fax kommt, und die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass außer Anwälten niemand mehr Faxe verschickt. Tatsächlich war auch dieses Fax, das zur schönsten Bürozeit, näm...

Sinka Mensch

V tridtsat’ tretyem godu vsyu poyeli

Aleksi Mensch ging in die Geschichte ein. Davon hat er nichts erfahren. Würde er auch nicht, denn über einem vom Volkskommissariat für innere Angelegenheiten der UdSSR am 25. Mai 1938 in Moskau ausgegebenen Befehl zur »Verhinderung von Verfehlungen in Kinderheimen im Um...

Dachdecker

Heute bekommst du auf die Fresse!

Aus dem Tagebuch von Johannes Heine: Mi., 5. April. Ab heute schreibe ich Tagebuch. Es ist etwas in mir, Durchmesser ca. 12 cm, was da nicht hingehört. Operation ist notwendig und deshalb Verlegung auf die Chirurgie mit Vorbereitung auf die OP morgen. Maria war da, wir ...

Die Angestellten der Mittelklasse

Immanuel Wallerstein war Sozialhistoriker und forschte u.a. an den Universitäten Yale und Binghampton in den USA und an der McGill University in Kanada. Weltweit bekannt ist er als Begründer der Weltsystemanalyse. Von 1994 bis 1998 war er Präsident der International Soc...

Ich bin doch keine Ratte, die in alten Gräbern wühlt

Es war schon verdammt spät. Der Mond verließ, nachdem er mit seinen silbernen Strahlen reichlich die Gegend beschenkt hatte, seine Umlaufbahn am Himmel. Selbst die Sterne blitzten nur noch verschämt auf, wurden blass und begannen mählich zu verlöschen. Noel, der seit Na...

Verweigerung einer Untersuchung

Ich bin Opfer. Ich wurde 1983 mit Hochschulverbot belegt und musste mich drei Jahre in der Produktion «bewähren». Ich wurde observiert und verfolgt. Physisch und psychisch. Ich erfuhr Unrecht. Ich teilte das Schicksal einer marginalen Minderheit von Ostdeutschen. Aber i...

Ich toleriere auch die Soldaten

Otto lag im Straßengraben. Ein klobiger Kerl mit einem sogenannten Moschtmeckel, wie der Schwabe sagen würde. Das bedeutete, er hatte einen bemerkenswert großen Kopf. Die Wangenknochen waren stark hervorgehoben. An seinem faltigen unrasierten Gesicht hatte er sich beim ...

Die Auferstehung meines Nazi-Vaters

Wir, die Deutschen, haben uns nach Kriegsende 1945 um das Große Erschrecken gedrückt. Mit allen Zellen unseres Hirns, mit allen Fasern unseres Herzens. Wir belegten unser Gewissen mit einem Erinnerungsverbot und töteten unser Mitgefühl. Wir blieben ein Volk ohne Moral. ...

BUCH PLAN C

Bücher sind unverzichtbar - gerade in der jetzigen Situation

Trotz Corona-Krise warten neue Bücher und warten auf Leserinnen, Leser und Interessierte. Nun versuchen wir es noch eine Nummer kleiner und haben »BUCH PLAN C« gestartet. Im Foyer des FMP1 und Online bestellbar erwartet sie eine breite Auswahl.

BuchPlan B
Mario Pschera, nd-Marketing

Nach Plan B kommt BUCH PLAN C

Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und auch wir müssen unsere Buchmesse »BUCH PLAN B« wegen des Corona-Virus abgesagen. BUCH PLAN C heißt, dass wir für die Zeit nach dem Ende der coronabedingten Restriktionen ein Bücher- und Lesefest umsetzen.

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