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Charles Jenkins

18. 2. 1940 - 12. 12. 2017

Das Leben von Charles Jenkins war ein immerwährendes Abenteuer; wie ein Strohhalm, hin und her geworfen auf den Wogen des Kalten Krieges, der aber nie unterging.

Ausgelöst hat er das selbst, als er sich schon mit 15 Jahren zur Armee meldete. Als US-Besatzer lernte er die Welt kennen. Schon 1960 ging es für den jungen Mann aus einem Dorf in North Carolina nahe des Atlantiks nach Südkorea, es folgten zwei Jahre in Butzbach (Hessen), dann wieder Südkorea. In einen Krieg wollte er nicht. Aus Furcht, mit seiner Einheit in den Vietnam-Krieg zu müssen, floh er 1965 eines nachts nach Nordkorea.

Dort hatte man eigene Pläne mit dem US-Sergeant. Fortan hatte Jenkins künftige Agenten in Englisch zu unterrichten. Aber er fand in Pjöngjang auch sein Glück. Er traf eine nach Nordkorea entführte Japanerin, die Ähnliches zu verrichten hatte wie er, verliebte sich in sie, 1980 heirateten sie. 2002 durfte sie mit den beiden gemeinsamen Kindern zurück in ihre Heimat. Jenkins folgte ihr zwei Jahre später nach Japan, wo er bis zu seinem Tode lebte, nachdem ihn ein US-Militärgericht faktisch begnadigt hatte. roe

Jon Naar

5. 5. 1920 - 1. 12. 2017

»Wer nur von Musik etwas versteht, versteht auch davon nichts.« Hanns Eislers Satz hätte ebenso gut von Jon Naar stammen können. Nur dass Naar nicht von der Musik gesprochen hätte, sondern von der Fotografie. Studiert hat er die Kunst, die er bis ins hohe Alter betrieb, nie. Stattdessen zog es Naar, in London geboren, schon als Teenager in die Welt. Er lernte Französisch in Paris und Deutsch in Wien, bevor er im Zweiten Weltkrieg für den britischen Geheimdienst in Italien und im Nahen Osten unterwegs war. Nach 1945 zog er nach New York, wurde Staatsbürger der USA, war als Werbekraft für Pharma- und Kosmetikfirmen tätig. Die Arbeit mit der Kamera gehörte für ihn in die Freizeit - bis er Anfang der 60er von Nickolas Muray und André Kertész entdeckt wurde.

Aus dem Autodidakten wurde ein Künstler, an dessen Arbeiten das Gespür für Design und der Blick für das Neue im Gewohnten auffiel. 1973 erschien das Buch »Design for a Limited Planet«, das neben Naars Fotos Gespräche mit Pionieren der Solarkraft enthielt. Legendär wurde der Bildband »The Faith of Graffiti« von 1974. Früher als andere hatte sich Naar das ästhetische Potenzial der auf New Yorker Wänden und Bahnen hinterlassenen Schriftzüge zu eigen gemacht. Norman Mailer steuerte das Vorwort bei. mha

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