/ Berlin

Polizist soll Schmiergeld von Drogenhändlern kassiert haben

Durchsuchungen in 14 Objekten / Ein Beamter und zwei weitere Verdächtige festgenommen

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ist am Freitagmorgen zusammen mit dem Landeskriminalamt gegen vier mutmaßliche Drogenhändler und einen Polizisten vorgegangen. Der 39-jährige Polizist soll die beschuldigten Dealer in mindestens acht Fällen vor bevorstehenden Kontrollen gewarnt haben. Die mutmaßlichen Drogenhändler sind Betreiber mehrerer Gaststätten in Wedding.

Seit dem Frühjahr 2016 soll der Polizist mit den Inhabern und Betreibern der Lokale vereinbart haben, sie in Gegenleistung für monatliche Geldzahlungen vor bevorstehenden Kontrollen unter anderem zur Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität zu informieren. Im Anschluss sollen regelmäßig Geldbeträge in Höhe von 3000 Euro für Hinweise auf Aktionen von Polizei, Zoll- und Steuerbehörden und Bezirksamt an den Beamten geflossen sein, erklärte Oberstaatsanwalt Martin Steltner in einer Pressemitteilung. Außerdem soll der Polizist den mitbeschuldigten Drogenhändlern für regelmäßige Zahlungen den Lagerraum eines Pokerclubs in Pankow zur Zwischenlagerung von Drogen zur Verfügung gestellt haben. Der Pokerclub wurde von dem Beamten geleitet.

Insgesamt 50 Beamte durchsuchten am frühen Freitagmorgen 14 Objekte, die im Zusammenhang mit den Vorwürfen des Verrats von Dienstgeheimnissen, der gewerbsmäßigen Bestechlichkeit und des Betäubungsmittelhandels stehen. Bei den Durchsuchungen stellten die Behörden diverse Beweismittel sicher. Unter anderem konnten Mobilfunktelefone und Bargeld sichergestellt werden. Aufgrund eines sogenannten Arrestbeschlusses des Amtsgerichtes Tiergarten wurden Vermögenswerte in Höhe von 55.000 Euro beschlagnahmt.

Verhaftet wurden am Freitag neben dem Polizeibeamten zwei weitere Verdächtige. Insgesamt werden fünf Personen in dem Verfahren beschuldigt.

Die Polizei Berlin stand in den vergangenen Monaten immer wieder in der Kritik. Es gab unter anderem den Vorwurf, dass Beamte Schriftstücke im Fall des Terroristen Anis Amri im Nachhinein verändert haben sollen. Um einen Neustart zu wagen, hatte Innensenator Andreas Geisel (SPD) unlängst einen Wechsel der Polizeispitze angekündigt.

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