Redaktionsübersicht

Irmtraud Gutschke

Irmtraud Gutschke

Irmtraud Gutschke, Jahrgang 1950, studierte Slawistik und Anglistik an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. 1976 promovierte sie an der Humboldt-Universität Berlin zum Schaffen Tschingis Aitmatows. Seit 1971 ist sie Redakteurin dieser Zeitung, zunächst verantwortlich für den Bereich Auslandsliteratur, ab 1992 für das Gebiet Belletristik. Sie ist Autorin mehrerer Bücher: “Menschheitsfragen, Märchen, Mythen. Zum Werk Tschingis Aitmatows” (1986), “Hermann Kant. Die Sache und die Sachen” (2008), “Eva Strittmatter. leib und Leben” (2010) und “Gisela Steineckert. Das Leben hat was” (2013).

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Aktuelle Beiträge von Irmtraud Gutschke

Der Papst wird ihm nicht helfen: Ein Kind rollert durch Nord-Neapel, 2015.

Kindheit - »eine Fabrik von Lügen«

Der erste Roman von Elena Ferrante ist in neuer Übersetzung erschienen. Wieder geht es um Neapel und wieder geht es um Gewalt gegen Frauen. Die geht von Männern aus, die selber armselig sind in ihrer Angst, allein zu sein.

Wie Atlas unterm Dach

Am Schluss ein Showdown nach Westernart. Der Bruder des Ich-Erzählers lebt ja auch als Filmkomponist in Kalifornien. Dabei gebietet georgische Tradition, das Gastrecht heiligzuhalten. Irakli, der im Mittelpunkt des Romans steht, hat eine 200 Jahre alte Steinschlossflint...

Wesen der Dunkelheit

»In Erinnerung an Ilse. N.H.« - Kinder werden sich womöglich gleich dem Text und den Bildern zuwenden und diese Widmung unbeachtet lassen. Dabei ist sie wohl ein Schlüssel, weil gute Bücher meist ihre verborgenen Urgründe haben. Aus einem Schmerz lodert ein Feuer, das s...

»Im Schilfgürtel des Aldasch begann der Weltuntergang«

Viele, die den Roman »Die Richtstatt« 1987 als Ausgabe von Volk und Welt gelesen haben, wissen womöglich gar nicht, welche Turbulenzen für den DDR-Verlag damit verbunden waren. Abgesehen davon, dass in Aitmatows Buch eine dermaßen kritische Sicht auf die Sowjetunion ste...

Ach, Helene ...

Als sie am Fenster stand und einen riesigen Clown vorbeischweben sah, glaubte sie tatsächlich für Momente, dass sich etwas ändern könnte. Zum Besseren? »Der jüngste Tag, denkt sie.« Das Clownsgesicht wurde als Kulisse für »Ferdi Müllers Riesenschiffschaukel« zur Maimess...

Verbrechen, ungesühnt

Er starb während eines Badeurlaubs. Am 7. Februar 1979 erlitt Josef Mengele in Bertioga, Brasilien, beim Schwimmen einen Schlaganfall und ertrank. Beerdigt wurde er als Wolfgang Gerhard. Die Familie in Deutschland, die all die Jahre bestens informiert war, wahrte Stills...

Was Freundschaft vermag

Sein Vater sei der letzte Khan von Kirbal gewesen, heißt es über Islam Sultanow, den titelgebenden Filmvorführer in diesem Roman. Das sei ein kleines gebirgiges Land in Mittelasien. Den ganzen Roman über wird man rätseln, von wo genau dieser Fürstensohn nach Georgien ka...

Die Dame hinter dem Schleier

Ob er gar der heimliche Geliebte der legendären Königin Tamar gewesen ist? Beide haben sie um 1200 gelebt. Schota Rustaweli erzählt ja auch von der Liebe eines Ritters zu einer Prinzessin, eigentlich von zwei Kriegern und zwei Königstöchtern. • Der Held im Pardelfe...

Was immer Menschen widerfahren kann

Georgien zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse: Wir begrüßen den Ehrengast mit einer Verbeugung vor seinem Nationalepos. Schota Rustaweli soll es zwischen 1196 und 1207 auf Geheiß der Königin Tamar verfasst haben. Tilman Spreckelsen hat es nacherzählt. Kat Menschik hat ...

Verwirrung, Befreiung

Kostbares Porzellan wird in jenem Familienunternehmen hergestellt, das Olivia als Leiterin Finanzen sanieren will. Porzellan wird nicht zerschlagen in diesem Roman, den die niederländische Autorin Esther Gerritsen, Jahrgang 1972, jetzt auf Deutsch vorgelegt hat. Aber wi...

Geheimgänge unter dem Kreml

Wie viele Zeitungsartikel und Bücher inzwischen mit dem Namen Putin locken! Und hier soll er auch noch »decodiert« werden. Wobei ich dieser Veröffentlichung den marktschreierischen Titel nicht übel nehme. Möge sie es in möglichst viele Buchhandlungen und Feuilletons sch...

Das Leben geht seltsame Wege

Seine Erzählungen seien »wie eine präzise, gnadenlose Dia-gnose des russischen Lebens« - es passt, dass dieses Lob von Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch kommt. Denn auch sie legt ja Wert auf das Authentische, was bedeutet, Pointiertes, Zugespitztes zu v...

Das japanische Messer

In einem Lokal namens «Deutsche Gemütlichkeit» wird dem Ich-Erzähler Perfides enthüllt - von drei Brüdern aus Teheran, wahrscheinlich auf Deutsch. Denn die «Sprache Teherans» beherrscht er längst nicht mehr. Als kleines Kind ist er mit den Eltern in die «deutschsprachig...

Systemprotest von rechts?

»In allen vom Neoliberalismus umgegrabenen Gesellschaften haust massenhafte Wut«, so Wolfgang Engler. Zusammen mit Jana Hensel ergründet er in einem Buch ostdeutsche Befindlichkeiten, in denen sozialer Sprengstoff steckt.

November ist ein schöner Name

Was ist von einer Frau zu halten, die sich den Namen »November« gibt? »Nenn mich November« - nicht nur um Marthe Lindenblatt, die Hauptgestalt in diesem Roman, schwebt eine Aura von Melancholie. Eine Novemberstimmung breitet sich sozusagen über den ganzen Text. Was inde...

Reisen ins »Paradies«

Die heilige Nino mit dem Weinrebenkreuz: Ihr Bild hängt fast in jeder Kirche Georgiens und auch in vielen Häusern. Wie oft hat es Volker Dietrich wohl auf seinen Reisen gesehen! Über viele Jahre - 1992, 1998, 2002, 2015, 2016, 2017 - hat er beobachtet, was sich in diese...

Die gute Wiesenfee

Welch freundliche Beschwichtigung steckt im Titel: »Alles gelingt, wenn man nur warten kann«. Also quäl dich nicht, fass dich in Zuversicht und schlummere in Frieden. Dafür ist die neue »Schlaflosreihe« im Verlag Ripperger & Kremers ja gemacht, dass dir ein kleines Büch...

Neugierig auf Menschen

Jahrzehntelang prägte die Reporterin Christina Matte mit ihren Texten diese Zeitung. Jetzt ist die große Journalistin nach langer Krankheit verstorben. Ein Nachruf für eine Kollegin und gute Freundin.

«Alles hat etwas zu bedeuten»

Es war ein klassischer Whodunit und spielte auf dem Land. Es ging um einen komplizierten Mord, es gab eine Menge exzentrische Charaktere und einen Detektiv, der als Außenseiter daherkam«, so beschreibt Susan Ryeland, Lektorin im Verlag Cloverleaf Books, das Werk des Erf...

Krieg gegen die Armen

Auch wenn der neue Roman von Isabel Allende eine Liebesgeschichte erzählt, so widmet er sich doch zugleich auch einstigem blutigen Geschehen in Lateinamerika. Jahrzehntelang wurden dort linke Oppositionelle verfolgt und ermordet.