Redaktionsübersicht

Irmtraud Gutschke

Irmtraud Gutschke

Irmtraud Gutschke, Jahrgang 1950, studierte Slawistik und Anglistik an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. 1976 promovierte sie an der Humboldt-Universität Berlin zum Schaffen Tschingis Aitmatows. Seit 1971 ist sie Redakteurin dieser Zeitung, zunächst verantwortlich für den Bereich Auslandsliteratur, ab 1992 für das Gebiet Belletristik. Sie ist Autorin mehrerer Bücher: “Menschheitsfragen, Märchen, Mythen. Zum Werk Tschingis Aitmatows” (1986), “Hermann Kant. Die Sache und die Sachen” (2008), “Eva Strittmatter. leib und Leben” (2010) und “Gisela Steineckert. Das Leben hat was” (2013).

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Aktuelle Beiträge von Irmtraud Gutschke

Leidenschaftliches Schweigen

Dieses Bild habe zu sowjetischen Zeiten in beinahe jedem Wohnzimmer gehangen, schreibt Tatjana Kuschtewskaja. Auch bei ihr zu Hause. Ihr Vater habe es der Zeitschrift »Ogonjok« entnommen, eingerahmt und der Mutter zum Geburtstag geschenkt. »Die Unbekannte« von Iwan Kram...

Der Vorkoster des «Wodsch»

Der Wodsch lebt noch …, sein Haushalt aber wird bereits aufgelöst.« Ja, so war es wohl. Der britische Autor Christopher Wilson hat sich natürlich über Stalins Endzeit kundig gemacht. Dass »Anführer« im Russischen »Woshd« heißt, wusste er nicht, oder es gehörte zu seiner...

»Als wäre ein jeder … plötzlich Gott«

Dass der Name Aitmatow einmal strahlend in die Welt kommen möge, das hatte er sich schon als Kind erträumt. Tschingis Aitmatow verkaufte über 100 Millionen Bücher in 176 Sprachen. Heute wäre er 90 geworden.

In den Weiten der Nachdenklichkeit

Das Einzige, was an diesem Buch auszusetzen wäre, ist der Titel: »König, Krim & Kasatschok«. Anbiederung per Stabreim: Der König soll wohl Putin sein, doch was soll hier, bitteschön, der Kasatschok? Klischeedenken von Leuten, die ihr Wissen über Russland aus ihrer Münch...

Mimi und Rodolfo

»Wie eiskalt ist dies Händchen! Lassen Sie, ich wärme es ...« Auf beiliegender CD durfte die berühmte Arie des Rodolfo aus Puccinis Oper »La Bohème« natürlich nicht fehlen. Wer kennt sie nicht, die ergreifende Liebesgeschichte, die so traurig endet, weil kein Geld da is...

»Das Leben noch einmal aufblühen machen«

»Pemmikan - seltsamer Titel, nicht wahr?« Getrocknetes Fleisch vom Bison mit Fett gemischt - wenn die Jungs in Leipzig-Eutritzsch Indianer spielten, mussten verkohlte Kartoffeln dafür herhalten. Und großartig war es doch! • Buch im nd-Shop bestellen Peter Gosse: P...

Ein Treffen großer Geister

Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, eine Künstlerbiografie, ein Zeitbild: Am 9. November vor 200 Jahren wurde Iwan Turgenjew geboen, was mehreren Verlagen Anlass war, neue Übersetzungen seiner Werke herauszugeben; heute ist eigentlich alles von ihm lieferbar. Auch d...

Der Alsina-Fluch

Wahrscheinlich wird das Publikum in ihrer Heimat den Roman noch ganz anders lesen als wir. Womöglich sind Anspielungen darin zu entdecken, konkrete Personen und Ereignisse wiederzuerkennen, wobei die Autorin wohl eine gewisse Vorsicht walten lassen musste. Wer wirklich ...

Wege aus der Versteinerung

Zwei Frauen haben einen riesigen Tisch auf einen Handwagen geladen, der aus einem deutschen Fahrrad gebaut worden ist. In einem belorussischen Dorf machen sie sich 1986 auf den Weg nach Gorki, das heute wieder Nischni Nowgorod heißt. Weit über tausend Kilometer zu Fuß -...

Unter der Leselampe öffnen sich Welten

Bücher verschenken: Der Herr im grünen Sessel ist auf jeden Fall ein Leser. Die Bände stapeln sich bei ihm, was bedeutet: Gern hat er noch mehr davon. Aber was hat es mit dem ausgestopften Krokodil auf sich, auf das er seine Beine stützt? Haben die Tiere um ihn herum mi...

Russisch üben

Im Thüringischen Internat, wo ich das Abitur ablegte, gab es einen wöchentlichen Tag der Russischen Sprache. Da sollten wir uns zu Übungszwecken auch in der Freizeit in der fremden Sprache unterhalten, was schwierig durchzuhalten war. Und heute? Dass Russisch hierzuland...

Kindheit - »eine Fabrik von Lügen«

Der erste Roman von Elena Ferrante ist in neuer Übersetzung erschienen. Wieder geht es um Neapel und wieder geht es um Gewalt gegen Frauen. Die geht von Männern aus, die selber armselig sind in ihrer Angst, allein zu sein.

Wie Atlas unterm Dach

Am Schluss ein Showdown nach Westernart. Der Bruder des Ich-Erzählers lebt ja auch als Filmkomponist in Kalifornien. Dabei gebietet georgische Tradition, das Gastrecht heiligzuhalten. Irakli, der im Mittelpunkt des Romans steht, hat eine 200 Jahre alte Steinschlossflint...

Wesen der Dunkelheit

»In Erinnerung an Ilse. N.H.« - Kinder werden sich womöglich gleich dem Text und den Bildern zuwenden und diese Widmung unbeachtet lassen. Dabei ist sie wohl ein Schlüssel, weil gute Bücher meist ihre verborgenen Urgründe haben. Aus einem Schmerz lodert ein Feuer, das s...

»Im Schilfgürtel des Aldasch begann der Weltuntergang«

Viele, die den Roman »Die Richtstatt« 1987 als Ausgabe von Volk und Welt gelesen haben, wissen womöglich gar nicht, welche Turbulenzen für den DDR-Verlag damit verbunden waren. Abgesehen davon, dass in Aitmatows Buch eine dermaßen kritische Sicht auf die Sowjetunion ste...

Ach, Helene ...

Als sie am Fenster stand und einen riesigen Clown vorbeischweben sah, glaubte sie tatsächlich für Momente, dass sich etwas ändern könnte. Zum Besseren? »Der jüngste Tag, denkt sie.« Das Clownsgesicht wurde als Kulisse für »Ferdi Müllers Riesenschiffschaukel« zur Maimess...

Verbrechen, ungesühnt

Er starb während eines Badeurlaubs. Am 7. Februar 1979 erlitt Josef Mengele in Bertioga, Brasilien, beim Schwimmen einen Schlaganfall und ertrank. Beerdigt wurde er als Wolfgang Gerhard. Die Familie in Deutschland, die all die Jahre bestens informiert war, wahrte Stills...

Was Freundschaft vermag

Sein Vater sei der letzte Khan von Kirbal gewesen, heißt es über Islam Sultanow, den titelgebenden Filmvorführer in diesem Roman. Das sei ein kleines gebirgiges Land in Mittelasien. Den ganzen Roman über wird man rätseln, von wo genau dieser Fürstensohn nach Georgien ka...

Die Dame hinter dem Schleier

Ob er gar der heimliche Geliebte der legendären Königin Tamar gewesen ist? Beide haben sie um 1200 gelebt. Schota Rustaweli erzählt ja auch von der Liebe eines Ritters zu einer Prinzessin, eigentlich von zwei Kriegern und zwei Königstöchtern. • Der Held im Pardelfe...

Was immer Menschen widerfahren kann

Georgien zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse: Wir begrüßen den Ehrengast mit einer Verbeugung vor seinem Nationalepos. Schota Rustaweli soll es zwischen 1196 und 1207 auf Geheiß der Königin Tamar verfasst haben. Tilman Spreckelsen hat es nacherzählt. Kat Menschik hat ...