Redaktionsübersicht

Irmtraud Gutschke

Irmtraud Gutschke

Irmtraud Gutschke, Jahrgang 1950, studierte Slawistik und Anglistik an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. 1976 promovierte sie an der Humboldt-Universität Berlin zum Schaffen Tschingis Aitmatows. Seit 1971 ist sie Redakteurin dieser Zeitung, zunächst verantwortlich für den Bereich Auslandsliteratur, ab 1992 für das Gebiet Belletristik. Sie ist Autorin mehrerer Bücher: “Menschheitsfragen, Märchen, Mythen. Zum Werk Tschingis Aitmatows” (1986), “Hermann Kant. Die Sache und die Sachen” (2008), “Eva Strittmatter. leib und Leben” (2010) und “Gisela Steineckert. Das Leben hat was” (2013).

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Aktuelle Beiträge von Irmtraud Gutschke

Über all das wird man nachdenken müssen, wie damals schon Herbert Grönemeyer. Abb.: Julia Dürr/Jungbrunnen

Der Junge im rosa Nachthemd

Mädchen in Hosen? Klar. Und Jungs in Röcken? Wer weiß schon noch, dass ihnen bis ins 19. Jahrhundert hinein, so lange sie noch klein waren, kleidähnliche Kittel angezogen wurden. Weil es praktischer war? Oder weil die »Jungserziehung« erst nach dem Kleinkindalter begann...

Teppich des Erzählens

Mit einem Perserteppich beginnt es, mit feuriger Liebe, aus der ein Kind entsteht, das nun sozusagen zwei Väter hat, die beide, wohlwollend, sogar voneinander wissen. Aber davon ahnte die kleine Linda ebenso wenig wie die Mutter des »Teppichvaters«, die »kleine Großmutt...

In die Weite gehen

»Ab heute seid ihr Mädchen einer anderen, einer reineren Welt.« Was die Lehrerin womöglich als sonnige Verheißung verstand, für Khandan fühlte es sich wie ein Hauch von Kälte an. Ihre Freundin Fantana meinte, »dass jeder Mann, der sich dieser Frau genähert habe, auf der...

Bachs Märchen

Großes Kino« - so werden im heutigen Literaturbetrieb gern Romane angepriesen, die Leser in die Lektüre hineinziehen, weil sie so emotional, so voller Leidenschaften sind. Solch Lob verortet man eher im Bereich des Unterhaltsamen, ja Trivialen. Auf Gusel Jachinas Schrei...

Ein Treffen zwischen Kohl und Gorbatschow.

Wo gesiegt wird

»Mit allem kann man fertig werden, Hauptsache es gibt keinen Krieg.« Diese Haltung russischer Bürger und Bürgerinnen wird von der Politik nicht immer geteilt. Horst Teltschik, langjähriger außenpolitischer Berater Helmut Kohls, vergleicht diese sogar mit Russisch Roulette.

Ganz unten angelangt

Die Schriftstellerin Katja Oskamp arbeitet auch als Fußpflegerin. Ein Besuch in einem Kosmetikstudio in Marzahn.

Neoliberalismus in der Zombiephase

Der Kapitalismus lockt mit Konsum im Überfluss, aber die Plätze an der Sonne sind nur begrenzt verfügbar. Wer keinen bekommt, soll sich schuldig fühlen. Rainer Mausfeld hat darüber ein Buch geschrieben.

Wenn du Kraft hast, bestärke andere

Toni Morrison wird landauf landab in Nachrufen »Amerikas Gewissen« genannt. Sie hätte das wahrscheinlich in ihrer entschiedenen Art so kommentiert, dass ein einzelner Mensch nicht für alle anderen das Gewissen ersetzen kann.

Der Preis des Fortschritts

Der Buchtitel lässt an Friedrich Engels denken. Sein Name taucht in dem Buch »Die Mühlen der Zivilisation« von James C. Scott auf Seite 24 sogar einmal auf. Engels Untersuchung »Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates« scheint dem US-amerikanischen...

Die Schwungkraft des Unbehagens

Herausgeschleudert aus dem gesellschaftlichen Kern, so ging es vielen Ostdeutschen nach 1990. Der Soziologe Steffen Mau analysiert mit differenziertem Blick - von innen und außen - die »ostdeutsche Transformationsgesellschaft« vom Beitritt bis zu Pegida.

Unerwünschte Bitternis

Wer Glück hat, hat zu Hause noch eines seiner schönen Kinderbücher: »Jana und der kleine Stern«, »Der kleine häßliche Vogel«, »Der singende Fisch«. Neu oder antiquarisch sind einige sogar noch lieferbar. Mir in Erinnerung geblieben ist »Das verschenkte Weinen«. Da soll ...

Ein unausrottbares Hoffen

Die deutsche Literatur verliert mit Brigitte Kronauer eine bedeutende Stimme, die man vielleicht nach ihrem Tod noch deutlicher hören wird. Es geschieht ja oft, dass Autorinnen und Autoren erst ganz in ihrer Größe sichtbar werden, nachdem sie gestorben sind. Brigitte Kr...

Kulturbrücke in Europa

Kaum eine Stunde zuvor stand sie schüchtern vor den Journalisten und nun schwebt sie im weißen Kleid zum Flügel: Alexandra Dowgan, 2007 in Moskau geboren, ist gerade zwölf geworden und hat schon viele internationale Preise gewonnen. Erstaunlich, wie sie das Konzert für ...

Halbmond, Kreuz und roter Stern

In der Abenddämmerung ist es in der Fußgängerzone von Kasan am schönsten. Die Laternen leuchten schon, die restaurierten alten Gebäude sind angestrahlt (wie dunkel wirken deutsche Großstädte im Vergleich mit russischen). Die untergehende Sonne taucht alles in ein fantas...

Nur Trolle sind traurig

Auch in Schweden wird es selten sein, dass einer elf Geschwister hat. Rut, die Älteste, ist 14, Ottoper, der Jüngste, knapp ein halbes Jahr. Dabei sind die Eltern so entspannt, wie man sich Eltern nur wünschen kann. Die Mutter ist Malerin und hat einen Gong, um die Fami...

Das Spiegelbild im See

Warum sie von Juliane spricht, wo sie doch selbst gemeint ist? Weil sie etwas hinzuerfinden musste und womöglich auch etwas weggelassen hat. Weil es ein Roman werden sollte und nicht eines der unzähligen Erinnerungsbücher, die nur selbst bezahlt auf den Markt kommen kön...

Vertraute Fremde

Die Gänse fielen, blutige Federbüschel wirbelten umher; Spieß schoss nicht daneben.« Die Leute im Dorf wussten, dass der Mann jedes Jahr im Juli, am Tag seiner Verletzung in der Schlacht am Kursker Bogen, hinter geschlossenen Fensterläden so lange trank, bis sich seine ...

Schreib dir ein Buch!

Ferienzeit - Reisezeit. Liebe Eltern, freut euch, wenn ihr eure Sprösslinge noch an eurer Seite habt. Genießt es! Irgendwann gehen sie eigene Wege. Aber diese Kleinen und Größeren mit ihrer Offenheit, ihrer Entdeckerfreude, sie schenken euch ja so viel! Wenn sie nörgeln...

Auf den Spuren einer Jugendliebe

Dass er im Ruf stand, »der letzte Romantiker« zu sein, dass ihm manch einer die Gefühlsbetontheit seines Schreibens auch übel nahm - von den verschiedenen Deutungen seines Werkes ahnte ich nichts, als ich in meiner Schulzeit immer wieder in der Stadtbibliothek von Karl-...

Das weibliche Chaos

Eine Frau? Oder ein Mann? Oder ein Autorenkollektiv? Dass sie ihre Bücher aus sich selbst heraus wirken lassen wolle, hat Elena Ferrante, Italiens Bestsellerautorin mit Pseudonym, oft erklärt. Jetzt gibt es schon wieder ein neues: »Frau im Dunkeln«