Piloten im Pyjama (2 DVDs)

Ein nahezu verschollener Film von Walter Heynowski und Gerhard Scheumann aus der Reihe DIE GROSSEN DOKUMENTARISTEN

»Was für Leute mögen das sein, die da seit Jahren schon den Luftraum der Demokratischen Republik Vietnam verletzen und ihre tödlichen Lasten abwerfen? Es drängte uns, diese Leute kennenzulernen.« H&S

1967 reisten die DDR-Dokumentaristen Walter Heynowski und Gerhard Scheumann (H&S) in die Demokratische Republik Vietnam (DRV), um dort in Gefangenschaft geratene abgeschossene US-Piloten zu interviewen. Der entstandene vierteilige Film erregte weltweit Aufsehen, wurde von großen Illustrierten abgedruckt und in Ausschnitten im US-Fernsehen ausgestrahlt. Er offenbarte in erschreckender Weise die Gehorsamsmoral der Piloten, die während ihrer Einsätze u. a. auch Streubomben abwarfen. Ohne Ausnahme bezogen sie sich darauf, bei ihrem »Job« lediglich Befehle ausgeführt zu haben. Aber PILOTEN IM PYJAMA ist mehr als nur eine Dokumentation über abgeschossene Kampfpiloten. Er ist ein Agit-Essay über die Bilder, die man sich vom jeweils anderen macht, von Feind zu Feind.

Booklet: 24 Seiten mit einem ausführlichen Essay von Olaf Möller sowie Informationen zum Film und den Filmemachern

Teil 1: Yes, Sir / Teil 2: Hilton-Hanoi / Teil 3: Der Job / Teil 4: Die Donnergötter

Bonus: Zeitzeugengespräch mit Walter Heynowski (Ausschnitte)


Regie: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann
Produktion: DEFA-Studio Wochenschau- und Dok.-Filme Gr. Heynowski (im Auftrag des Deutschen Fernsehfunks/ Fernsehens der DDR), DDR (Deutsche Fassung: DEFA-Synchron (im Auftrag des Deutschen Fernsehfunks/Fernsehens der DDR))
Produktions-Land+Jahr: DDR, 1967

Übersetzung: Günter Wald, Ernst Adler, Billy Mullis
Kamera: Hans Leupold, Gerhard Münch, Peter Hellmich
Musik: Reiner Bredemeyer
Booklet: Olaf Möller
Sprecher: Herwart Grosse
2 x DVD 9, s/w, 294 Min. + Extras, mit Booklet
Best. Nr.: 8006


Siehe auch: "Studio H&S: Walter Heynowski und Gerhard Scheumann. Filme 1964-1989 (5 DVDs)"
Hrsg. Von Ralf Schenk und der DEFA-Stiftung
Preis: € 69,90
Werkstatt H&S

Walter Heynowski zählt gemeinsam mit seinem Regie-Partner Gerhard Scheumann zu den wichtigsten Dokumentarfilmern der DDR. In 25 Jahren entstehen mehr als 70 Dokumentarfilme, die zahlreich ausgezeichnet worden sind. Leitgedanke fast aller ihrer Filme ist die Auseinandersetzung mit dem Imperialismus auf der Welt. Durch ihren Erfolg haben sie bald eine privilegierte Stellung innerhalb der DDR-Dokumentaristen inne, verfügen über ein eigenes Studio. Neben allem Enthüllungsjournalismus und ideologischer Propaganda zeichnen sich ihre Filme durch Engagement und Einfallsreichtum aus, die gepaart mit analytischer Schärfe auf zeithistorische Probleme verweisen. Dies bezeugen auch mehr als 40 Retrospektiven des Studios "H&S", die zwischen 1974 und 1989 auf der ganzen Welt laufen.
Die kreative Zusammenarbeit zwischen den zwei Publizisten gipfelt am 01. Mai 1969 in der Gründung des Heynowski & Scheumann-Studios, kurz "H & S", die als eigenständige künstlerische Arbeitsgruppe auftritt und - nicht gerade üblich in der zentralorganisierten Filmlandschaft der DDR - ihnen ein eigenes Signet erlaubt, das zur eigenständige Marke wird, die den DDR-Dokumentarfilm im Ausland besonders bekanntmacht. Zu dem Studio gehört neben dem Kameramann Peter Hellmich auch die Schnittmeisterin Waltraud Wischnewski, für die Musik zeichnen in vielen Fällen Reiner Bredemeyer und Siegfried Matthus verantwortlich, für Spezialaufnahmen Horst Donath und Walter Martsch. Produktionsleiter ist Mathias Remmert, der auch die Filme anderer Regisseure, die zeitweise unter dem Dach des Studios arbeiteten - wie Peter Voigt, Harry Hornig, Joop Huisken und Gert Prokop - organisatorisch betreut.
Die nationalen und internationalen Erfolge des Studios erzielen sie mit Werken wie dem Interviewfilm DER PRÄSIDENT IM EXIL (1969) mit Dr. W. Becher, dem Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Mitglied des Bundestages, und mit dem Reportagefilm PSALM 18 (1975), in dem der chilenische Diktator Pinochet versucht, den Segen der Kirche zu erhalten. Die Dokumentation DER LACHENDE MANN (1966) konnte großen internationalen Erfolg verzeichnen. Das Studiogespräch mit Major Müller, der sich im Kongo als Söldner besonders 'rühmlich' hervorgetan hat, gewinnt auf dem Internationalen Dokumentarfilmfest Leipzig den Sonderpreis der Jury.
In den 70er Jahren sind es drei große Themen, mit denen sich das Filmteam beschäftigt, und die ihre politische Agitation in zahlreichen Kurz- und Langfilmen transportieren: Vietnam, Chile und Kambodscha. DER KRIEG DER MUMIEN (1974) schildert den Kampf kapitalistischer Konzerne gegen die Regierung von Salvadore Allende, ICH WAR, ICH BIN, ICH WERDE SEIN (1974) beschäftigt sich mit politischen Gefangenen in den Lagern der Pinochet-Diktatur und in EL GOLPE BLANCO - DER WEIßE PUTSCH (1975) kritisiert die chilenische Oberschicht, die Allende nicht unterstützt hat. Nach dem Ende des Krieges in Vietnam dokumentieren sie den Neubeginn in dem Land. DIE TEUFELSINSEL (1976) erzählt von der Gefängnisinsel Con Son, in ICH BEREUE AUFRICHTIG (1977) stehen vier Offiziere vor der Kamera, Insassen eines Umerziehungslagers, die einen Blick auf ihr Leben werfen, und in EIN VIETNAMFLÜCHTLING (1979) ist es ein ehemaliger General der südvietnamesischen Polizei, der nun in den USA ein Restaurant betreibt.
Anfang der 80er Jahre setzen sie sich mit dem Terrorregime Pol Pots in Kambodscha auseinander. Das Werk DIE ANGKAR (1981) zählt dabei zu ihren wichtigsten und überzeugendsten Filmen überhaupt. Sie prangern in einprägsamen Bildern den Mord an Tausenden Menschen im Zentralen Vernichtungslager "S 21" an. Der Zuschauer blickt in die Gesichter der Verschleppten und Ermordeten während ihre Mörder ohne Schuldbewusstsein von der Erfüllung ihrer Pflicht reden.
Am 24. September 1982 wird das Studio aufgelöst, wieder in das DEFA-Studio für Dokumentarfilme integriert. Auslöser ist eine kritische Rede, die Gerhard Scheumann 1982 auf dem IV. Kongress des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden hält. Walter Heynowski arbeitet von 1983 bis 1991 unter dem Dach des DEFA-Studios, wobei sich das Filmteam nach anfänglichen Problemen, etwa bei der Ausreise ins westliche Ausland, langsam wieder die alte bevorzugte Stelle erarbeitet und ab 1986 die Filme erneut mit dem Signet der "Werkstatt H&S" gezeichnet werden dürfen. Unter diesem Namen stellen sie von 1986 bis 1991 vierzehn Filme her, wobei KAMERAD KRÜGER (1988) einer ihrer erfolgreichsten ist. Sie porträtieren den in der Bundesrepublik lebenden, ehemaligen SS-Sturmbannführer Krüger und zeigen, wie präsent nationalsozialistisches Gedankengut immer noch ist. Das Thema beschäftigt sie auch in den Filmen DIE LÜGE UND DER TOD (1988), in dem sie - unter Mitarbeit von Stephan Hermlin - die Nazipropaganda zur Deportation der Juden in Deutschland thematisieren sowie DER MANN AN DER RAMPE (1989). Hier finden sie jenen Mann, der den Zugverkehr in Auschwitz organisierte und nun unbehelligt in der Bundesrepublik lebt. 1991 wurde die Werkstatt im Zuge der Auflösung der DEFA ebenfalls aufgelöst.
Die H&S- Filme gewinnen auf vielen Festivals Preise und Auszeichnungen. Besonders ihre Art der Enthüllung gepaart mit politischem Engagement und analytischer Schärfe wird zum damaligen Zeitpunkt gelobt. Aus heutiger Sicht wird ihnen Polemik, grobe Agitation und Ideologie vorgeworfen. Kritiker werfen den Filmemachern vor, dass der Mensch hinter den Erzählungen sie in den seltensten Fällen interessiert. Besonders kritisiert wird ihre Methode: Einige Male holen sie die Befragten unter Vortäuschung falscher Tatsachen vor die Kamera, in der Regel geben die Interviewer ihre DDR-Identität nicht preis, die politischen Gegner werden mit unlauteren Mitteln aufs Glatteis geführt oder in die Enge getrieben. So wirken ihre Filme heute wie Lehrstücke, in zweierlei Hinsicht: Sie enthüllen die Manipulierbarkeit der Bilder und sind zugleich selbst wirkungsvolle Agitation.
Zahlreiche Publikationen erscheinen im In- und Ausland zu ihren Filmen; Heynowski schreibt auch selbst über das Filmemachen und lebt in Berlin.
Gerhard Scheumann folgt 1989 einem Ruf der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg und arbeitet als Professor. Er stirbt am 30. Mai 1998 an Krebs.

Siehe auch: "Studio H&S: Walter Heynowski und Gerhard Scheumann. Filme 1964-1989 (5 DVDs)"
Hrsg. Von Ralf Schenk und der DEFA-Stiftung
Preis: € 69,90
Werkstatt H&S

Preis: 9.95 Euro

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