Lion Feuchtwanger - Box

Große Literaturverfilmungen des Fernsehens der DDR

"Die Brüder Lautensack"
3 Teile, 1972/73 (s/w)

"Narrenweisheit"
2 Teile, 1988 (Farbe)

"Die Witwe Capet"
Fernsehfilm 1984 (Farbe)

BONUS: "Wahn in Boston"
Theaterinszenierung 1959 (s/w)

Regie: Hans-Joachim Kasprzik, Jurij Kramer, Gerd Keil, Percy Dreger, Helfried Schöbel
Anzahl der Disc: 5

Lion Feuchtwanger wurde am 7. Juli 1884 in München geboren. Er studierte Philologie und Philosophie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der pazifistisch-sozialkritische Schriftsteller aus Deutschland ausgebürgert; seine Werke fielen der Bücherverbrennung zum Opfer. Feuchtwanger flüchtete nach Frankreich und lebte bis zu seiner Inhaftierung dort. 1940 gelang ihm die Flucht über Spanien und Portugal in die USA. Zusammen mit Bertolt Brecht und Willi Bredel gab Feuchtwanger hier die Emigrantenzeitschrift "Das Wort" heraus.
Zu seinen bedeutendsten Werken, die er nach seiner Flucht aus Deutschland im amerikanischen Exil schrieb, gehören "Die Geschwister Oppermann" (1933) und "Exil" (1940), der zweite und dritte Teil der "Wartesaal-Trilogie" sowie die Romane "Waffen für Amerika" (1947, auch unter dem Titel "Die Füchse im Weinberg" erschienen) und "Die Jüdin von Toledo" (1954).
Lion Feuchtwanger starb am 21. Dezember 1958 in Los Angeles.

Für Lion Feuchtwanger ist Geschichte "nur ein dekoratives Kostüm für spezifische moderne seelische Probleme". (Georg Lukàcs). Immer wieder thematisierte er das Thema der Verfolgung von Intellektuellen, die Kunst der Verführung, Diktatur und Terror sowie der Gegensatz zwischen subjektiver Unschuld und objektiver Schuld.


Die Brüder Lautensack (Teil 1 - 3)

Die Handlung des Fernsehfilms führt in das Jahr 1931 zurück. In einem Vorort von München erregt ein Mann das Aufsehen der Leute: es ist Oskar Lautensack (Ctibor Filcik), seines Zeichens Telepath und Okkultist, auch bekannt unter dem Namen "Deggenburger Orakel". Sein Publikum fasziniert er mit spektakulären Kunststücken. Doch Oskar möchte auf diesem Niveau nicht stehen bleiben.
"Die Brüder Lautensack" erzählt die Geschichte Oskar Lautensacks, der nach rasantem Aufstieg zum Berater Hitlers wird. Adel und Industrie fördern den Scharlatan. Während einer Sitzung mit dem SA-Stabschef sieht Lautensack den Reichstagsbrand voraus. Lautensack ist nicht nur populär, er verfügt auch über ein ansehnliches Vermögen. Der eitle Hellseher verzettelt sich jedoch zwischen seinen privaten Interessen und den Erwartungen der politischen Machthaber und wird auf Geheiß von höchster Stelle ermordet.
Nach der Ermordung Oskar Lautensacks wollen die Nazis die wahren Umstände seines Todes vertuschen. Auf Befehl von Hitler erhält Oskar ein Staatsbegräbnis.

Zum Hintergrund:
Mehrere Figuren in Feuchtwangers Roman sind erkennbar historischen Personen nachgebildet. Dem Werk liegt die Lebensgeschichte des Okkultisten Erik Jan Hanussen zugrunde, der 1933 ermordert wurde. Hanussen war jüdischer Herkunft.
Mit dem Roman thematisierte Feuchtwanger vor allem die Kunst der Verführung und wieso die Menschen sich einfachen Losungen hingeben.

Personen und ihre Darsteller:
Oskar Lautensack (Ctibor Filcik), Hannsjörg Lautensack (Klaus Piontek), Manfred Proell (Rolf Hoppe), Graf Ulrich von Zinsdorff (Hannjo Hasse), Baronin Hildegard von Trettnow (Inge Keller), Ilse Kadereit (Angelica Domröse), Dr. Fritz Kadereit (Horst Schönemann), Dr. Paul Cramer (Horst Schulze) u.v.a.
Regie: Hans-Joachim Kasprzik
Szenarium: Albrecht Börner/Angel Wagenstein/Hans-Joachim Kasprzik
Drehbuch: Hans-Joachim Kasprzik/Albrecht Börner


Narrenweisheit oder Tod und Verklärung des Jean-Jacques Rousseau (Teil 1 - 2)

Lion Feuchtwanger schildert in seinem Roman "Narrenweisheit” eine weitgehend erdachte, komplexe und vielfarbige Geschichte vom Leben des berühmten französischen Schriftstellers und Philosophen Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), dies vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse im Frankreich der Jahre 1778 bis 1794.
Er knüpft an die nicht völlig eindeutigen Todesumstände Rousseaus an. Starb er wirklich an einem Schlaganfall oder Blutsturz? Könnte es nicht Selbstmord gewesen sein, nachdem ihm ein Verhältnis seiner Frau mit einem Bediensteten des Schlosses hinterbracht wurde? Ebensogut aber könnte Rousseau auch zum Opfer von Eifersucht und Geldgier geworden sein.

Zum Hintergrund:
Ein Teil der Handlung dient dazu, verständlich zu machen, warum niemand von den Beteiligten ein Interesse daran hatte, die Wahrheit über dieses schmähliche Ende des ebenso großen wie umstrittenen Philosphen, Komponisten und Autors öffentlich zu machen. Feuchtwanger zeigt, wie die Rousseau-Verehrung in den verschiedenen Schichten der Gesellschaft zu völlig verschiedenen politischen Konsequenzen führt.
Im Jahre 1789 beginnt in Frankreich die Große Revolution, deren Anführer sich bei ihren Aktionen auf das geistige Gut von Rousseau berufen.
Zugleich arbeitet Feuchtwanger in seinem Bemühen, Verständnis für den jakobinischen Terror aufzubringen, seine eigene innere Auseinandersetzung mit dem stalinistischen Terror ab.

Personen und ihre Darsteller:
Jean-Jacques Rousseau (Roman Wilhelmi), Therese, seine Frau (Franziska Troegner), Madame Levasseur (Gudrun Ritter), Gilberte (Adriana Biedrzynska; dt. Sprecher: Andrea Aust), Fernand (Axel Wandtke), Graf Girardin (Otto Mellies), Gerber (Frieder Venus), Robinet (Wolfgang Dehler), Martin (Tobias Langhoff), Maurice (Gerry Wolff) u.v.a.

Regie: Jurij Kramer
Szenarium: Bernd Schirmer
Dramaturgie: Ellen-Maria Jäger


Die Witwe Capet (Fernsehfilm)

Paris in der zweiten Hälte des Jahres 1793. Die hinterbliebene Familie des hingerichteten französischen Königs Louis XVI. trägt seit der Revolution den Namen Capet und wird im alten Turm des Temple gefangengehalten. Der Geliebte der Königin, der schwedische Graf Axel Fersen, hat Fluchtvorbereitungen getroffen, es gelingt jedoch nicht, die gesamte Familie zu befreien, und als auch Marie Antoinettes Flucht scheitert, sind die heranrückenden alliierten Truppen die letzte Hoffnung.
Der Witwe Capet wird wegen Hochverrats vom Präsidenten des Revolutionstribunals und von Generalanwalt Fouquier der Prozess gemacht und schließlich zum Tode verurteilt. Das Revolutionskomitee muss zeigen, dass man sich den Drohungen der Konterrevolution nicht beugen wird.

Zum Hintergrund:
In einem Essay von 1952 erläutert Feuchtwanger das Anliegen dieses Werkes:
Heute ist Marie Antoinettes Hochverrat "durch Dokumente und Briefe einwandfrei festgestellt." Aus anderen Dokumenten wiederum geht hervor, "dass sich Marie Antoinette bis zuletzt im Recht fühlte, dass sie subjektiv unschuldig war. - Was mich an dem Gegenstand reizte, war gerade dieser Gegensatz zwischen subjektiver Unschuld und objketiver Schuld: die Dialektik, die das Wesen so vieler politischer Prozesse ausmacht."

Personen und ihre Darsteller:
Marie-Antoinette (Ursula Karusseit), Marie-Therese (Kathrin Hercher), Louis-Charles (Marc Schulze), Elisabeth (Ruth Reinecke), Chevalier de Rougemont (Jürgen Zartmann), Simon (Günter Naumann), Hébert (Gunter Schoß), Michonis (Wilfried Pucher), Saint-Just (Matthias Günther), Gaudet (Gerry Wolff), Herman (Wolfgang Greese), Fouquier (Arno Wyzniewski), die Tisson (Käthe Reichel), Le Coq (Victor Deiß) u.v.a.
Regie: Gerd Keil
Dramaturgie: Detlef Espay


Wahn in Boston (Fernsehinszenierung eines Schauspiels)

Lion Feuchtwanger verfasste 1947 das Theaterstück "Wahn oder der Teufel in Boston", nach dem diese TV-Produktion gestaltet wurde. Er widmet sich darin den Hexenprozessen von Salem (1692). "Mit bunten, starken Strichen ist eine finstere Zeit illustriert, deren selbst- und abergläubische Kräfte in allen Vorkämpfern der Reaktion bis auf die heutige Zeit nachwirken". (1949 New Yorker "Aufbau")

Hanna ist ein eher überspanntes Mädchen. Sie verleumdet die farbige Dienerin und die Waschfrau als Hexen. Mr. Cotton Mather, dem geistigen Führer ihrer Kolonie, gelingt es, sie mit frommen Reden zu "heilen".
Cotton Mather, ein Hexenjäger, ist dafür verantwortlich zu machen, dass in kurzer Zeit 14 Menschen seinem Hexenwahn zum Opfer fallen. Die Stimmen gegen die Diktatur werden immer lauter. Es schließt sich eine Opposition zusammen, zu deren Wortführern der Arzt Thomas Colman gehört. Das Volk ist empört, aber seine Rufe dringen von draußen nur ganz leise in Mathers Studierstube. Erst als ein reicher Reeder mit einer Verleumdungsklage Recht bekommt, wachsen die Zweifel an den Aussagen des Mädchens. Als das Volk schließlich vor das Haus Mathers zieht, um eine Beendigung der Hexenjagd zu verlangen, erhängt sich Hanna.

Zum Hintergrund:
Lion Feuchtwanger, damals 49 Jahre alt, gehörte 1933 zu den ersten, die auf die Schwarze Liste der Nazis kamen. Die deutsche Staatsangehörigkeit wurde ihm abgesprochen, und er floh schließlich in die Vereinigten Staaten. In diesem Stück kritisiert er indirekt die Verfolgung der Intellektuellen durch das Unamerican Commitee, das Bertolt Brecht zur Flucht nötigte, andere Autoren ins Gefängnis brachte und einige sogar in den Selbstmord trieb.


Personen und ihre Darsteller:
Cotton Mather, Pastor in Boston (Hans-Joachim Büttner), Abigail Mather, seine Frau (Liselotte Reimann), Richard, sein Sohn (Erik Veldre), Dr. Thomas Colman, Arzt (Robert Trösch), Samuel Parrish, Pastor von Salem Village (Peter Paul Goes), Hanna Parrish, seine Tochter (Ruth-Maria Kemper), Samuel Sewall, Richter (Wolfgang Brunecker), George Burroughs (Benno Schramm), Bridget Oliver, Waschfrau (Maika Joseph) u.v.a.
Bildregie: Percy Dreger
Szenenbild: Eberhard Schrake
Inszenierung: Helfried Schöbel

Preis: 39.99 Euro

  • Laufzeit: ca. 560 Minuten
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