Der Untertan

HD-Neuabtastung. DEFA-Klassiker. Heinrich Manns Roman in der berühmten Verfilmung von Wolfgang Staudte

Diederich Heßling ist ein verweichlichtes, autoritätshöriges Kind, das sich vor allem fürchtet. Doch bald schon erkennt er, dass man der Macht dienen muss, wenn man selbst Macht ausüben will. Nach oben buckeln und nach unten treten, wird von nun an seine Lebensmaxime. So macht er seinen Weg als Student in Berlin und später als Geschäftsmann in seiner Papierfabrik in Netzig. Dem Regierungspräsidenten von Wulkow untertänig, weiß er sich dessen Beistand sicher. So denunziert er seinen Konkurrenten und schmiedet ein betrügerisches Komplott mit den korrumpierten Sozialdemokraten im Stadtrat. Auf seiner Hochzeitsreise mit der reichen Guste nach Italien bekommt er endlich Gelegenheit, seinem Kaiser einen Dienst zu erweisen. Und schließlich geht sein größter Wunsch in Erfüllung: die Einweihung eines Kaiserdenkmals, bei der er die Festansprache hält - ordensgeschmückt. Bis ein Gewitter hereinbricht.

Heinrich Mann übertrug die Filmrechte für seinen 1918 erschienenen Roman der DEFA, verstarb aber, bevor der Film gedreht wurde
Der Film war von Beginn an als Prestigeobjekt der DEFA, ja sogar der DDR-Kultur angelegt, so dass Staudte trotz des erhobenen Vorwurfs des Formalismus ungestört arbeiten konnten. Der Film gilt heute als Prototyp einer zum einen werksgetreuen, zum anderen aber eigenständigen Literaturverfilmung.
Staudte sagte zur Botschaft seines Films: "Ich will die Bereitschaft gewisser Menschen um 1900 zeigen, die über zwei Weltkriege hinweg zum Zusammenbruch Deutschlands im Jahre 1945 führte. Es soll eine Weiterführung meiner Anklage gegen diese Kreise und eine Warnung vor diesen Menschen sein, wie ich es schon in dem Film ‚Die Mörder sind unter uns‘ ausdrücken wollte." (zit. in: Gersch, S. 139)

In der ganzen Welt erhielt der Film hohe Anerkennung. Lediglich in der Bundesrepublik Deutschland wurde er für sechs Jahre verboten, da man den Film als Angriff auf die Bundesrepublik betrachtete, in der viele Ansätze eines erneuten Untertanenstaates sahen. 1956 kam es dennoch zu einer einmaligen Aufführung in Westberlin. Nach einer erneuten Prüfung wurde der Film in einer um zwölf Minuten gekürzten und mit einem die Grundaussage des Films umkehrenden Vorspruch enthaltenen Version im November 1956 freigegeben. Dennoch wurde er im Januar 1957 erneut durch die FSK verboten.

Produktionsland: DDR
Regie: Wolfgang Staudte
Drehbuch Wolfgang Staudte, Fritz Staudte
Darsteller: Werner Peters, Paul Esser, Blandine Ebinger, Erich Nadler, Gertud Bergmann, Carola Braunbock, Emmy Burg, Sabine Thalbach

1 DVD

Preis: 14.99 Euro

  • Laufzeit: 104 Minuten
  • Produktionsjahr: 1951
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