Erotisches von Honoré de Balzac

Drei „Tolldreiste Geschichten“ des Fernsehens der DDR

DIE SCHÖNE KURTISANE (1984)

Ein Fernsehspiel von Klaus Eidam

Im Jahre 1415: auf einem Konzil in Konstanz am Bodensee kommen hohe kirchliche Würdenträger der damaligen Zeit zusammen, um darüber zu sprechen, welchem der zwei Päpste man in Zukunft folgen solle, dem in Avignon oder dem in Rom. Der Erzbischof von Bordeaux (Wolfgang Brunecker) behält sich seine Entscheidung noch vor, weil er es vermeiden will, zukünftig auf der Seite der Verlierer zu stehen. Bisher jedenfalls war er Gefolgsmann des Papstes in Avignon; nun will er sich zunächst mit dem Kurfürsten von Bayern (Erik S. Klein) beraten, weil dieser es bis dato auf der Seite des Römer Papstes stand. Der Erzbischof sendet Philipp des Troisvilles (Udo Schenk), seinen Adlatus, zum bayerischen Herrscher aus, um den Kontakt herzustellen. Doch letzterer hat gerade ganz andere Dinge im Kopf als sich einem von zwei Päpsten zuzuordnen. Wie andere Adlige, Kardinäle und Bischöfe, die am Konzil teilnehmen, treibt er sein Amüsement mit der schönen Imperia (Hildegard Alex). Die ist zwar sicherlich die launigste Kurtisane weit und breit, aber in Liebesdingen ist sie unübertroffen und deshalb hoch begehrt. Im Angesicht derer wird auch Philipp, bisher ein bibelfester Mönch, schwach, auch er verfällt den üppigen Reizen der Imperia und vergisst darüber hinaus seinen eigentlichen Auftrag als auch seine Mission - er sollte doch die Schöne zur Sittsamkeit bekehren! Aber er reagiert geradezu gegenteilig, in dem er die Vorteile des Jünglings gegenüber dieser begehrenswerten Frau zum Tragen bringt und damit seine Nebenbuhler auszustechen weiß.
Die Kurtisane Imperia, so sagt es die Geschichtsschreibung, hat es tatsächlich gegeben, und sie war eine der teuersten und anspruchsvollen Vertreterinnen ihres “Berufs”; selbst die tugendhaftesten und abgebrühtesten Vertreter des männlichen Geschlechts waren ihrem Charisma und ihren Verführungskünsten erlegen.

Regie: Hans Knötzsch
Personen und ihre Darsteller:
Kurtisane Imperia (Hildegard Alex), Philipp de Troisvilles (Udo Schenk), Domherr von Domremy (Hans-Joachim Hanisch), Kurfürst von Bayern (Erik S. Klein), Erzbischof von Bordeaux (Wolfgang Brunecker), Kardinal von Ragusa (Hans Teuscher), Bertrand de Perigord (Wolfgang Hosfeld), Crescentia (Karin Kellermann-Bräuning).


DIE WÄSCHERIN VON PORTILLON (1985)

Eine Komödie von Werner Bernhardy

Die Handlung dieser Komödie führt in das Frankreich zu Beginn des 18. Jahrhunderts zurück und stellt die junge und schöne Wäscherin Tinette (Ulrike Kunze) in den Mittelpunkt der Ereignisse. Tinette setzt all ihre Klugheit und List dazu ein, den Färber Taschereau (Gerry Wolff) für sich zu gewinnen und zu ehelichen; Madame Taschereau zu werden - das ist ihr Ziel! Alle anderen Herren, wie zum Beispiel den Kammerherrn Du Fou (Hans-Joachim Hanisch), die um sie herumschwirren und sie begehren, führt sie mehr oder weniger an der Nase herum, wobei sie alle Register ihres weiblichen Charmes zieht.

Regie: Hans Knötzsch
Personen und ihre Darsteller:
Mademoiselle Tinette (Ulrike Kunze), Monsieur Taschereau (Gerry Wolff), Kammerherr Du Fou (Hans-Joachim Hanisch), Richter Prisson (Lothar Förster), der alte Abt (Berthold Schulze), Bruder Renatus (Peter Zintner) und andere.


MÖNCH ÄRGERE DICH NICHT (1986)

Eine Fernsehkomödie von Werner Bernhardy

“Mönch ärgere dich nicht” war die dritte der “Tolldreisten Geschichten” nach Honoré de Balzac (1799-1850), die das DDR-Fernsehen nach “Die schöne Kurtisane” und “Die Wäscherin von Portillon” ausstrahlte. Erneut standen erotische Abenteuer im Fokus der Handlung, frech und witzig, dreist und derb dargeboten.
Und es geht sehr wohl so richtig zur Sache, denn Mönch Amador (Michael Lucke) landet bei seinem Aufenthalt auf dem Schloss des Comte de Bastardieux (Horst Weinheimer) in einer Nacht gleich in vier verschiedenen Betten, in denen er es mit mehr oder weniger reizvollen, in jedem Falle aber liebeshungrigen Damen zu tun bekommt. Dabei ist Amador eigentlich in geheimer Mission von seinem Kloster auf dieses Schloss beordert worden. Jedenfalls vertraut er seiner Manneskraft und auch Klugheit und stürzt sich in jede verfängliche Situation, der er sich vor Ort ausgesetzt sieht.
Der Schlossherr bat den Mönch, “seinen Damen” mit amüsanten Geschichten aufzuwarten, die jedoch nicht weiter als bis zur Gürtellinie reichen dürften. In der Begegnung mit der vorwitzigen Comtesse (Antje Goldmann) folgt er dieser Bitte sehr wohl, allerdings “von den Füßen” an gerechnet …

Balzac selbst war es, der die Zuschauer seines deftigen Spiels aufforderte, im Angesicht dessen doch nicht ehrfürchtig die Lippen zusammenzukneifen oder die Stirn zu runzeln ob des lockeren Geschehens. Schließlich sei es ein Werk, in dem er diverse Eigenheiten der Natur nicht unbeachtet lassen dürfte. Und vom Mönch Amador ist bekannt, dass er zu späteren Zeiten ein berühmter Abt in Tourpenay wurde.

Regie: Gerd Keil
Personen und ihre Darsteller:
Mönch Amador (Michael Lucke), Comte de Bastardieux (Horst Weinheimer), Gräfin Henriette (Helga Sasse), Comtesse Claudine (Antje Goldmann), Gouvernante (Annelene Hischer), Francoise (Manon Straché), Jacques (Dieter Knust), Abt (Gerry Wolff), Mönch (Berthold Schulze), Mönch (Arnim Mühlstädt) sowie Ruth Glöß und Franziska Ebermann-Glöß.

1 DVD
 

Preis: 14.99 Euro

  • Laufzeit: ca. 205 Minuten
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