Frühlingssinfonie

Die Entwicklung des Jurastudenten Robert Schumann zu einem der bedeutendsten romantischen Komponisten

„Frühlingssinfonie“ erzählt die Geschichte der leidenschaftlichen Liebe zwischen dem Komponisten Robert Schumann und der begnadeten Klavier-Virtuosin Clara Wieck. Im Hause ihres Vaters lernt die 1819 geborene Clara als junges Mädchen den neun Jahre älteren Robert kennen, der als Klavierschüler zu ihrem Vater Friedrich Wieck kommt. Doch der berühmte Musikpädagoge wacht in fast inzestuöser Liebe über seine Tochter, und Schumann wird vom Freund zum Rivalen. Der Kampf, den die beiden Männer um Clara führen, ist zugleich ein Kampf verschiedener Kunst- und Lebensstile, ein Kampf der Generationen.

Schumanns Kompositionen und seine Frühlingssinfonie werden zum Soundtrack des Films. Interpretiert werden Schumanns Werke von dem Bariton Dietrich Fischer-Dieskau, den Pianisten Babette Hierholzer und Ivo Pogorelich, dem Violisten Gidon Kremer und der Dresdner Staatskapelle unter dem Dirigenten Wolfgang Sawallisch.

Der Film Frühlingssinfonie ist die erste westdeutsche Produktion, die in der DDR an Originalschauplätzen gedreht werden konnte. Nach aufwendigen politischen Verhandlungen konnten 1982 die Dreharbeiten beginnen. Schamoni besetzte den DDR-Schauspieler Rolf Hoppe, der in Mephisto kurz zuvor zum internationalen Star aufgestiegen war. Herbert Grönemeyer spielt in diesem Film nach dem Erfolg von Das Boot seine nächste Kinohauptrolle. Es war aber gleichzeitig seine letzte große Kinorolle. Kurz darauf setzte er sich endgültig als Musiker durch und konzentrierte sich fortan auf diese Karriere.


Kritiken:

Der Spiegel, 15/1983: Ansonsten wäre die „Frühlingssinfonie“ der übliche Bilderbogen mit candlelight, Fachwerkromantik, Kutschenfahrten durch pastellfarbene Landschaften, mit Konzerten, wo immer wieder ergriffene Konzertbesucher ergriffen drei Schlusstakte beklatschen, wäre da nicht, als Claras Vater, der außerordentliche DDR-Schauspieler Rolf Hoppe. Und der zeigt Kinderliebe als vertagtes Leben, Geschäftssinn als heftige Zuneigung. Kurz: Seine Geschichte mit der zum Wunderkind herangezüchteten Tochter ist eine neugierige, zärtliche und kritische Erkundungsfahrt und eben keine kolorierte kleine Nachtmusik.

Friedrich Luft in Die Welt, 1983: Frühlingssinfonie von Peter Schamoni setzt furios ein. Gidon Kremer, der Teufelsgeiger aus Russland, säbelt, als Paganini verkleidet, original eines von dessen wilden Capriccios vor einem Biedermeier-Publikum herunter. Da stockt einem schon der Atem. Auf der Empore des Saales das offene Gesicht des jungen Schumann (Herbert Grönemeyer). Er zuckt nach den wilden Rhythmen. Sein Entschluss steht fest. Er will „der Paganini des Klaviers“ werden. Schamoni schneidet sich zehn himmelstürmend traurige Jahre aus dem Leben Schumanns heraus. Er geht bei Friedrich Wieck (Rolf Hoppe), dem geschäftstüchtig kalkulierenden Vater des Wunderkindes, Clara Wieck (Nastassja Kinski), in die Lehre. Er muss aufgeben. Eine Handverletzung macht ihn für die Pianistenkarriere untauglich. Der junge Himmelsstürmer wirft sich auf die Komposition. Er verliebt sich in Wiecks begnadete Tochter. Der starre Vater will die Verbindung verhindern mit allen Mitteln. Man geht, um doch heiraten zu können, schließlich vor Gericht. Der Rabenvater, der seine ganze Liebe und das Kapital seines Herzens in die göttliche Pianistentochter geworfen hatte, verliert. Das junge Paar kann heiraten, kann endlich seine romantische Liebe für immer knüpfen. Das Happy-End ist umwölkt. Schamoni deutet an: Dies muss schief gehen. Zwei Genies können einander nicht ertragen. Die menschliche Tragödie ist vorprogrammiert. Der Film klingt aus, deutlich in Moll. Dieser Film von Peter Schamoni ist mehr als nur die redliche Auspinselung von bekannten Musikerschicksalen. Er klingt wirklich. Er ist sehenswert. Sogar für Musikfreunde und Schumann-Kenner.

Produktionsland: BRD/DDR
Regie: Peter Schamoni
Kamera: Gérard Vandenberg
Darsteller: Nastassja Kinski, Herbert Grönemeyer, Rolf Hoppe, André Heller, Bernhard Wicki, Edda Seipel, Gidon Kremer, Peter Schamoni
Musik: Robert Schumann

1 DVD; Farbe; FSK: ab 6 Jahren

Preis: 12.99 Euro

  • Laufzeit: ca. 103 Minuten
  • Produktionsjahr: 1983
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