Adel im Untergang

Zweiteiliger Film des DDR-Fernsehens nach dem gleichnamigen Buch von Ludwig Renn

Im Jahre 1944 schrieb der bekannte Schriftsteller Ludwig Renn im mexikanischen Asyl sein Buch “Adel im Untergang”, nach dem dieser Fernsehfilm entstand.
Renn, aus dem Adel stammend, analysiert seine Klasse und macht durch die Handlung klar, dass diese ihr fossiles und parasitäres Dasein nur noch in einem Bündnis mit der Bourgeoisie durchstehen kann.

Deutsche Kaiserzeit, Jahr 1910 - Im Casino des Königlich-Sächsischen Grenadier-Regiments stellt man die neuen Fahnenjunker vor. Der elegante Freiherr von Miltitz (Horst Schulze) fragt den jungen Arnold Vieth v. Golßenau (Erwin Berner): “Vieht - kenne ich ihre Familie ? - Na, werden schon im Adelskalender stehen …”.
Vor Vieht liegt eine steile Militärkarriere. Niemand konnte zu dieser Zeit erahnen, dass aus Arnold Vieht v. Golßenau einmal der bekannte Schriftsteller Ludwig Renn werden würde. Aber diese Entwicklung zeichnete sich schon früh ab, denn Vieht wusste beizeiten, dass ein Leben, in dem alles nur auf die Standesfrage hinausläuft, ziellos bleiben wird. So begehrt er gegen die Nichtigkeit der Interessen seiner Kaste auf, obwohl er andererseits noch bemüht ist, ein treu dienender Offizier zu sein, der sich in seiner Führungsrolle gegenüber den Soldaten verpflichtet fühlt. So gerät er voller zwiespältiger Erfahrungen in jenen vaterländischen Rummel, mit dem die Deutschen in den ersten Weltkrieg ziehen.

Produktionsland: DDR-TV-Archiv
Regie: Wolf-Dieter Panse
Darsteller: Arnold Vieth von Golßenau (Erwin Berner), Alexander von Anderten (Andreas Knaup), Rolf von Seydewitz (Joachim-Albrecht Goette), Mia von Fuchs-Nordhoff (Ute Lubosch), Freiherr von Miltitz (Horst Schulze), Einjähriger Lipps (Rüdiger Joswig), Soldat Zische (Hartmut Beer), König Friedrich August III. von Sachsen (Erik S. Klein), Leutnant Kronprinz Georg (Holm Gärtner), Leutnant Prinz Friedrich Christian (Wolfgang Brumm) u.v.a.

1 DVD; Farbe; FSK: o.A.

Hintergrund

Schiffe, Schulen und Straßen wurden nach ihm benannt, eine Briefmarke zeigte sein Porträt, und noch heute heißen Sport- und Skatvereine nach dem Dichter Ludwig Renn. Nachkriegsgenerationen wuchsen mit seinen Büchern "Der Neger Nobi" und "Trini" auf. Für sie ist Ludwig Renn ein bewunderter Kinderbuchautor, dessen junge Helden sich in einem exotischen Alltag bewährten: Nobi beim Widerstand seines schwarzafrikanischen Stammes gegen Sklavenhändler, der Indianerjunge Trini während des mexikanischen Bauernaufstands unter Zapata. Bücher mit genauer sozialer und landschaftlicher Kenntnis. Den anderen Lesern wiederum gilt sein Erstlingsroman "Krieg" über den Ersten Weltkrieg als präziser und auch literarisch eindrucksvoller als Remarques "Im Westen nichts Neues".

Dass "Ludwig Renn" allerdings ein Pseudonym ist - gewählt nach dem Helden dieses Romans, einem Fähnrich - war kaum bekannt. Der Autor war in Wirklichkeit Hauptmann, Generalstabs- und Truppenführer an der Westfront, und heißt Arnold Friedrich Vieth von Golßenau. Sein Vater war Prinzenerzieher am Dresdner Hof, und Arnold Vieth befreundet mit dem letzten sächsischen Kronprinzen Georg. Das ist unter anderem nachzulesen in dem Erinnerungsbuch "Adel im Untergang" - geschrieben im mexikanischen Exil.

Das gesamte Leben Renns liest sich mitunter wie ein Abenteuerroman: Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er erst Offizier bei der kasernierten Polizei (Sipo), quittierte den Dienst, weil er sich weigerte, auf demonstrierende Arbeiter schießen zu lassen, studierte Jura, Nationalökonomie, Kunstgeschichte und russische Philologie, und hielt sich während der Inflation als Kunsthändler über Wasser.

In den 20er-Jahren wandert er zu Fuß durch Griechenland, die Türkei und Ägypten, studiert dann Archäologie und Ostasiatische Geschichte. 1927 benutzt er zum ersten mal das Pseudonym Ludwig Renn: Da hält er Vorträge über die Geschichte Chinas an der Volkshochschule Zwickau. Inzwischen ist ihm John Reeds Buch "Ten days that shook the world" ("10 Tage, die die Welt erschütterten") in die Hand gefallen. Es beeindruckte ihn so, dass er nicht nur Marx und Lenin liest, sondern auch in die Kommunistische Partei eintritt und Mitglied des Roten Frontkämpferbundes wird. Er legt seinen Adelstitel ab und nennt sich fortan für immer Ludwig Renn.

Im August 1935 ging er nach Spanien, wo er ab Juli 1936 bei der die republikanischen Truppen unterstützenden Thälmann-Kolonne und ab November 1936 im Generalstab der sich formierenden XI. Internationalen Brigade tätig war.
Nach der Niederlage der Republikaner in Spanien gelangte Renn über England und Amerika nach Mexiko ins Exil, wo er als Vorsitzender der Bewegung „Freies Deutschland“ tätig war.

Nach Deutschland kehrte Ludwig Renn 1947 zurück, ließ sich in der DDR nieder und wurde Mitglied der SED. Ab 1952 schrieb er als freier Schriftsteller militärhistorische und politische Abhandlungen, Reise- und Lebensberichte sowie Kinderbücher.

Der homosexuelle Renn lebte seit der Rückkehr aus dem mexikanischen Exil mit dem aus Dresden stammenden Max Hunger (1901–1973) zusammen. Zu beiden stieß 1949 noch Hans Pierschel (1922–1994). Von 1952 bis zu seinem Tod 1979 wohnte Renn mit seinen Freunden in Berlin-Kaulsdorf.
Er und seine Lebensgefährten wurden in einem gemeinsamen Grab in der "Künstlerabteilung" auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin beigesetzt, das unter Denkmalschutz steht.

Preis: 16.99 Euro

  • Laufzeit: ca. 170 Minuten
  • Produktionsjahr: 1980
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