Sergej Eisenstein – Meisterwerke in einer Box

Dass Montage mehr ist als das bloße Aneinander reihen von Bildern zeigt kein Regisseur besser als Sergej M. Eisenstein. Er gilt sowohl theoretisch wie auch handwerklich als einer der größten Innovatoren der Filmgeschichte.

Es war der Film Panzerkreuzer Potemkin (1925) über den 1905 von der zaristischen Marine brutal niedergeschlagenen Matrosenaufstand in Odessa, der Eisenstein 1925 in die ewige Avantgarde des Kinos katapultierte. Noch heute hält der sich dramatisch steigernde, mitreißende Rhythmus den Zuschauer in Atem. Unzählige Male wurde die berühmte Treppenszene mit dem erschossenen Kindermädchen und dem die Stufen herab polternden Kinderwagen von anderen Regisseuren zitiert.
In Oktober (1927) zeichnete Eisenstein 1928 ein dialektisches Bild der russischen Revolution. Die Dramaturgie des Films wurde von der sowjetischen Kritik als zu intellektuell kritisiert, seine wie Marionetten an den Fäden des Schicksals hängenden Figuren als nicht vereinbar mit dem entschlossenen Geist der kommunistischen Revolution empfunden.

Bei seinem folgenden Filmprojekt ALEXANDER NEWSKI  (1938) arbeitet Sergej M. Eisenstein eng mit dem Komponisten Sergej Prokofjew zusammen. Für sein pathetisches Epos über den russischen Nationalhelden, der im 13. Jahrhundert den Deutschritterorden besiegte, erhält der Regisseur 1939 den Lenin-Orden verliehen.
Sergej Eisenstein verfilmte in Iwan der Schreckliche (1944) das Leben des Zaren als Geschichte eines idealistischen Aufbruchs, der in Blut, Verrat, Unterdrückung und Terror endet – und führte damit die dunkle, fürchterliche Seite des Stalin-Regimes vor. Den zweiten Teil von Iwan der Schreckliche (1945) ließ Stalin verbieten, den dritten vernichten.

Sergej M. Eisenstein, einer der größten Regisseure der Filmgeschichte und Einflussquelle für viele junge Filmemacher, hinterlässt ein umfassendes Werk an Filmen, Zeichnungen und theoretischen Schriften. Seine Memoiren, an denen er 1946, nach seinem ersten Herzinfarkt im Kreml-Hospital schrieb, blieben unvollendet. Er starb am 11. Februar 1948 in Moskau.

Alle DVDs in dieser Box enthalten umfangreiches Bonusmaterial. Booklet inklusive.

Produktionsland: UdSSR
Regie: Sergej M. Eisenstein
5 DVDs; s/w; FSK: ab 16 Jahren

„Eisenstein fühlte sich der europäischen Kultur wie den asiatischen Philosophen verbunden, und er war, wie alle Revolutionäre der zwanziger Jahre, auch ein Kind des sogenannten silbernen Jahrhunderts der russischen Literatur mit seiner Aufbruchstimmung.
Es ist vielleicht das Vertrauen in die utopische, Nationen und Zeitalter verbindende Kraft der Kunst und die Begegnung mit diesem anderen, weltoffenen, über Nationalismen und Grenzen erhabenen Russland, einem Russland, an das er in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen Augenblick lang glaubte.
In seinen Filmen kann man erleben, was Russland mit der Welt verbindet, nicht das, was Russland von der Welt trennt. Und nicht nur ein dunkles Land voller Klischees.

Man kommt nicht umhin, an das Land im zweiten Teil von Eisensteins 1945 gedrehtem Film Iwan der Schreckliche zu denken. An den einsamen, grausamen Herrscher mit den großrussischen Bestrebungen. In den harten Schatten von Eisensteins expressionistischen Bildern wirkt der hagere, durch die Palastfluchten schleichende Zar wie ein Dämon. Als der Film nach dem Verbot erst 1958 ins Kino kam, haben wir gesehen, dass jemand in Stalins Zeiten den Mut hatte, ihm mit einem Kunstwerk zu sagen, was er über seine Tyrannei denkt.“ (Klejman)

Letztlich sind die Filme Sergej Eisensteins auch vor dem Hintergrund des heutigen Russlands zu lesen: "Noch heute sind wir Untertanen. Untertanen der Macht. Es gibt einen Staat, aber keine Gesellschaft. Das ist Russlands Tragödie. In den zwanziger Jahren gab es hier eine Kunst und ein Kino, die versuchten, Bürger mit Verantwortung zu erziehen, es gab Erziehungsbewegungen. Eisenstein zum Beispiel wollte mit dem Film Oktober nicht die Revolution verherrlichen, sondern den Zuschauer dazu anleiten, dialektisch zu denken!" (Klejman)  
Und so rollt er denn Stufe um Stufe unabänderlich die Treppe von Odessa hinab, der Kinderwagen … bis in unsere Zeit hinein.
Naum Klejman ist sowjetischer Filmwissenschaftler.

Preis: 34.99 Euro

  • Laufzeit: ca. 445 Minuten
  • Produktionsjahr: 1925 – 1945
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