DEFA - Verbotsfilme Box 2

Diese DVD-Box umfasst acht DEFA-Verbotsfilme, die auch als »Kellerfilme« oder »Kaninchen-Filme« (nach dem ersten verbotenen Film DAS KANINCHEN BIN ICH) bekannt sind, neu digitalisiert und mit umfangreichem Bonusmaterial.

Die hier zusammengestellten acht DEFA-Spielfilme umfassen einen Zeitraum von mehr als dreißig Jahren DDR-Filmgeschichte. Die Gründe für die Verbote waren vielschichtig: Nicht in jedem Fall mussten es politische Motive sein, die zur Nicht-Aufführung oder zu verspäteten Premieren führten, und nicht immer war es ein klassisches Verbot. Es gab Umarbeitungs- und Rettungsversuche oder auch bewusste ästhetische Zerstörungen des Ausgangsmaterials, das anderweitig verwendet wurde. In der Rückschau spiegeln die Filme vor allem das wider, wovor die politisch und künstlerisch Verantwortlichen in der DDR besondere Angst zu haben schienen: eigenwillige Interpretationen des Alltags und der Gesellschaft, ungewöhnlichen Filmsprachen, abweichenden Gesellschaftsvorstellungen – oder schlicht eine zu große Attraktivität des westlichen Lebensmodells.

Diese DVD-Box schließt an die Edition mit den Verbotsfilmen der Jahre 1965/66 an und weitet zugleich den Blick auf die sich im Lauf der Zeit wandelnden Verhältnisse von Zensur und Offenheit in der DDR. Der Großteil der Filme ist neu digitalisiert, und die DVDs sind mit umfangreichem Bonusmaterial versehen.

DVD 1: Das Beil von Wandsbek (1951/1962)
Hamburg-Wandsbek 1934. Fleischermeister Albert Teetjen ist allseits beliebt, doch sein Laden läuft schlecht. Da bietet sich ihm eine Gelegenheit, sein Gehalt aufzubessern: Vor dem Besuch des Führers soll die Hansestadt von vier politischen Gefangenen »gesäubert« werden, nur fehlt der Scharfrichter für die Exekution. Teetjen übernimmt inkognito den Job – aber bald spricht es sich herum, auf welche Weise er an sein Geld gekommen ist. Nach fünf Wochen Spielzeit mit 800.000 Besuchern wurde der Film auf Druck des Sowjets abgesetzt: Man fürchtete, dass der Zuschauer am Ende Mitleid mit dem Henker empfinden könnte. 1962 kam zum 75. Geburtstag von Arnold Zweig eine gekürzte Fassung zum Einsatz, aus der das tragische Schicksal des Ehepaars Teetjen nach der Aufdeckung der Henkerstat getilgt wurde. Die DVD enthält die Originalfassung von 1951 und gekürzte Fassung von 1962.

Regie: Falk Harnack
Drehbuch: Wolfgang Staudte
Darsteller: Erwin Geschonneck, Käthe Braun, Willy A. Kleinau, Gefion Helmke u.v.a.
Laufzeit ca. 110 Min.

DVD 2: Sonnensucher (1972)
Wismut 1950. Im Uranbergbau kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen – Sinnsuchende, Aufbauwillige, Abenteurer, Gestrandete. Unter Ihnen die Berliner Mädchen Lutz und Emmi, die Prostitution und Arbeitslosigkeit hinter sich haben und vom Obersteiger Beier misstrauisch empfangen werden. Doch bald findet Beier gefallen an Lutz – aber er ist nicht der einzige, der um sie wirbt.
Der ungeschönt realistische Film verdeutlicht die Situation der Nachkriegsjahre in der DDR: Materielle Schwierigkeiten und die Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit prägen den Alltag, ebenso wie die Hoffnung auf Liebe und Zukunft. Da die Sowjetunion geheimhalten wollte, woher sie das Uran bezog, bewirkte sie
ein Aufführungsverbot. Erst 1971, anlässlich des 25. Jahrestags der Wismut, wurde Konrad Wolfs Werk erstmals gezeigt; ein Jahr später strahlte ihn das DDR-Fernsehen aus.

Regie: Konrad Wolf
Drehbuch: Karl-Georg Egel, Paul Wiens
Darsteller: Erwin Geschonneck, Ulrike Germer, Günter Simon, Viktor Awdjuschko u.v.a.
Laufzeit ca. 111 Min.

DVD 3: Die Schönste (1957/2002)
Mitte der 50er Jahre in Westberlin. Thomas, der 13jährige Sprössling des reichen Geschäftsmannes Alexander Berndorf, ist mit dem Handwerkersohn Hannes befreundet. Eines Tages wollen die beiden es genau wissen: Ist Thomas’ Mutter nur dank ihrer teuren Halskette »die Schönste« oder braucht es dafür keine Diamanten? Als er das Schmuckstück versteckt, löst Thomas damit unbeabsichtigt eine gewaltige Krise im Hause Berndorf aus, die die Fassade von Reichtum und harmonischem Familienleben einzureißen droht.
Die Arbeiten an Die Schönste begannen in der Phase des politischen »Tauwetters« (1956), doch während der darauf folgenden kulturpolitischen »Eiszeit« bescheinigte das Zentralkomitee der SED dem fertig gestellten Film ideologische Indifferenz und verlangte diverse Änderungen. Doch auch die Einführung einer neuen Rahmenhandlung (mit Manfred Krug als Straßensänger) zur Verdeutlichung der kapitalistischen Doppelmoral rettete den Film nicht vor dem Verbot. Ab 1999 wurde er in zwei Versionen (Urfassung und Fassung mit neuer Rahmenhandlung) restauriert. Beide liegen auf dieser DVD vor.

Regie: Ernesto Remanie
Drehbuch: Artur A. Kuhnert nach einem Bühnenstück von Ilse Langner
Darsteller: Jürgen Büttner, Joachim Hesse, Ursula Burg, Gisela May, Gerhard Bienert u.a.
Laufzeit ca. 86 Min.


DVD 4: Sommerwege (1960/2014)
Im Spätsommer 1958 wird der Parteisekretär Ernst Wollni aus Berlin in das Dorf Schwarzwalde gesandt um dort den Aufbau einer LPG zu begleiten. In seiner früheren Heimat trifft er auf den Jugendfreund Fritz Grimmberger. Doch die Wiedersehensfreude wird rasch getrübt, weil Grimmberger sich der Kollektivierung widersetzt und Wollnis Arbeit untergraben will. Mit seinem Alleingang gefährdet er nicht nur die Freundschaft sondern auch seine Existenz.
Die DEFA und das Ministerium für Kultur der DDR waren von der künstlerischen Qualität des Films nicht überzeugt. Sie sahen Dramaturgie und Charaktere als nicht geeignet an, um das Publikum von den Vorzügen der Produktionsgenossenschaften zu überzeugen.

Regie: Hans Lucke
Drehbuch: Bernhard Seeger
Darsteller: Johannes Arpe, Bruno Carstens, Herbert Dirmoser, Helga Göring, Marga Legal,
Hans-Joamim Büttner u.v.a.

DVD 5: Das Kleid 1961/1991)
Die beiden Tuchwebergesellen Hans und Kumpan verschaffen sich Zugang zu einer von hohen Mauern umgebenen Stadt, in der paradiesische Zustände herrschen. Mit Hilfe der hübschen Magd Kathrin gelangen die beiden sogar ins Schloss des despotischen Kaisers. Der verlangt von ihnen, dass sie ihm ein Kleid machen, bei dessen Anblick jeder in die Knie gehen muss. Sofort machen sich Hans und Kumpan an die Arbeit. Bald lassen sie dem Kaiser ausrichten, dass das Kleid nur von fähigen Leuten gesehen werden kann. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, und so steht der Kaiser nackt und am Ende blamiert vor seinem Volk.
Die Satire traf mit ihren Anspielungen auf herrschaftliche Machtanmaßungen kurz nach dem Mauerbau ins Schwarze: Er sei »objektiv parteifeindlich« und trage »konterrevolutionäre Zügen«. Aus dem kulturellen Gedächtnis der DDR verbannt, kam es erst 1991 zur rekonstruierten Aufführung, die bei der Kritik für Überraschung und Begeisterung sorgte.

Regie: Konrad Petzold
Drehbuch: Egon Günther
Darsteller: Wolf Kaiser, Horst Drinda, Werner Lierck, Eva-Maria Hagen, Günther Simon, Lore Frisch, Gerd E. Schäfer, Gerry Wolff, Ernst-Georg Schwill u.v.a.
Laufzeit ca. 88 Min.

DVD 6: Die Russen kommen (1968/1987)
Frühjahr 1945 in einem kleinen Ostseebad. Hitlerjunge Günter glaubt noch immer an den Endsieg und ist bereit, bis zum heldenhaften Tod zu kämpfen. Durch seine Mitschuld kommt ein junger sowjetischer Fremdarbeiter in den letzten Kriegstagen ums Leben. Günter wird zum Helden ernannt und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Doch kurz danach ändern sich die Zeiten: Russische Soldaten ziehen in das Dorf ein, und der Krieg ist verloren. Fassungslos sucht Günter nach einem Sinn und verfällt, als er wegen Mordes von den Russen verhaftet wird, fast dem Wahnsinn.
Das Ministerium für Kultur der DDR warf dem Film u.a. »Psychologisierung des Faschismus« vor und behinderte mit dem Verbot die wichtige Nachkriegs-Diskussion um die Verführung der Jugend durch den Faschismus und die individuelle Schuldfrage. Carow verwendete das Material in Teilen für den Film Karriere (1971) weiter. Auf Basis einer geretteten Arbeitskopie konnte der ursprüngliche Film 2015 rekonstruiert werden.

Regie: Heiner Carow
Drehbuch: Egon Richter
Darsteller: Rolf Ludwig, Dorothea Meissner, Claus Küchemeister, Norbert Christian, Lissy Tempelhof, Wsewolod Safonow, Alexander Slobodtschikow u.v.a.
Laufzeit ca. 96 Min.


DVD 7: Die Taube auf dem Dach (1973/1990)
Auf einer Baustelle im Süden der DDR, wo Tausende von Wohnungen in moderner Plattenbauweise entstehen, lernt die junge und selbstbewusste Bauleiterin Linda Hinrichs zwei Männer näher kennen: Zum einen den Studenten Daniel, dessen Zukunftsträumerei und Unangepasstheit ihr gefallen. Zum anderen trifft sie auf den
Baubrigadier Hans Böwe, einen Zugvogel, der an vielen Stellen der DDR neue Häuser gebaut, dabei aber sein eigenes Zuhause verloren hat. Linda beginnt eine Beziehung zu beiden Männern, aber ihr kommen Zweifel, ob sie das Glück und die Geborgenheit finden wird, nach denen sie sich sehnt.
Die tatsächlichen Gründe für das Verbot dieses Films – der das Gleichberechtigungsthema durchaus im Sinne des sozialistischen Ideals behandelt – konnten bis heute nicht eindeutig rekonstruiert werden. Anders als üblich wurde der Film nicht dem Staatlichen Filmarchiv übergeben, weshalb er nur noch als Kopie einer schwarzweißen Arbeitsfassung überliefert ist.

Regie: Iris Gusner
Drehbuch: Iris Gusner, Regine Kühn
Darsteller: Heidemarie Wenzel, Günter Naumann, Andreas Gripp, Monika Lennartz, Lotte Loebinger, Herbert Köfer, Wolfgang Greese u.v.a.
Laufzeit ca. 82 Min.

DVD 8: Jadup und Boel
Jadup ist langjähriger Bürgermeister in der Altmark und sieht mit Freuden der 800-Jahr-Feier seiner kleinen Stadt Wickenhausen entgegen. Ausgerechnet während der Einweihung einer neuen Kaufhalle stürzt das nebenstehende, marode Gebäude ein und mit ihm brechen alte, unbewältigte Erinnerungen hervor. Denn in den Trümmern findet sich ein Buch, das Jadup einst mit Widmung dem Umsiedlermädchen Boel schenkte. Boel verschwand nach einer nicht aufgeklärten Vergewaltigung, da auch Jadup nicht vorbehaltlos für sie Partei ergriff. Lange hatte Jadup dieses Jugenderlebnis verdrängt, an das er sich nun erinnert.
Fast ein Jahrzehnt lang wurde in der DDR über diesen Film diskutiert, der sich auf künstlerisch-reflexive Weise mit den Missständen des Sozialismus auseinandersetzt. Aus Sorge vor der kritischen Öffentlichkeit entschieden sich die Behörden 1988, ihn trotz Bedenken für die Kinoauswertung zuzulassen.

Regie und Drehbuch: Rainer Simon
Darsteller: Kurt Böwe, Katrin Knappe, Gudrun Ritter, Timo Jacob, Käthe Reichel, Michael Gwisdek u.v.a.
Laufzeit ca. 103 Min.

8 DVD-Box; Farbe und s/w; Label Icestorm

Preis: 49.99 Euro

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