Joris Ivens - DEFA-Dokumentarfilme

Die Windrose / Freundschaft siegt / Friedensfahrt 1952 und Bonusfilm

Joris Ivens, der holländische Dokumentarfilmer, war einer der großen und kompromisslosen Bildvisionäre des 20. Jahrhunderts. Er ist Schöpfer zahlreicher sozialkritischer Dokumentationen, der in seinen Arbeiten für die einfachen Menschen Partei ergreift. Er hatte das Glück, alle Kriege, die er filmte, zu überleben – den Spanischen Bürgerkrieg, den japanischen Einfall in China, den Krieg im Pazifik, den Vietnamkrieg – doch er sah Freunde für ihre Ideen sterben, er hat miterlebt, wie die Völker sich erhoben, und wie die revolutionären Führer zu Despoten wurden.

Rund zwanzig Jahre lang war Ivens‘ Biografie eng mit der DEFA und der DDR verbunden – ein heute weithin unbekanntes Kapitel seines Lebens. Für die DEFA realisierte er zwischen 1951 und 1956 mehrere international angelegte dokumentarische Projekte. Gleichzeitig begleitete und inspirierte er das Leipziger Dokumentarfilmfestival von dessen Gründung bis in die späten 1960er Jahre.

Der Filmhistoriker Günter Jordan hat dieses Kapitel der DEFA-Geschichte in seinem Buch „Unbekannter Ivens“ erstmals aufgearbeitet. Auf Grundlage umfangreicher Archivrecherchen entwirft er das Porträt dieses faszinierenden Menschen und Künstlers, beschreibt die Genesis seiner DEFA-Filme und untersucht deren Wert und Wirkung über die Ära des Kalten Krieges hinaus.

Auf dieser Doppel-DVD sind 3 seiner bekannten DEFA-Dokumentarfilme  enthalten.

»Die Windrose« (1954 - 56)

ist ein opulentes, zwischen Spiel- und Dokumentarfilm changierendes Werk, das unter Joris Ivens‘ Leitung und in Zusammenarbeit mit der Internationalen Demokratischen Frauenföderation als großangelegtes internationales Projekt mit prominenter Beteiligung bei der DEFA entstand. Fünf Regisseure aus fünf Ländern – China, Sowjetunion, Italien, Brasilien, Frankreich – erzählen eine Geschichte aus dem Leben von fünf Frauen in ihrem Kampf für eine bessere Gesellschaft. Ein Gemeinschaftswerk von Filmemachern, die sich vorher nie gesehen hatten: Wu Kuo-Yin, Sergej Gerassimow, Gillo Pontecorvo, Alex Viany, Yannick Bellon unter Beihilfe von Vladimir Pozner und Alberto Cavalcanti.

Von Joris Ivens stammten Idee, Konzept, künstlerische Leitung und Verantwortung für das Ganze, unter seiner Leitung formten sich die Episoden zu einem Ganzen, so innovativ wie bahnbrechend. Die Windrose zeichnet vieles aus: sozialkritische Tendenz, realistische Gestaltung, atmosphärische Dichte, Aufnahme der Short-Stories-Technik in die Filmkunst, Spielfilmhandlung und Dokumentarfilmmethodik, nationale Stilistik in Sujet und Ausführung, erzählender Kommentar anstelle Dialog-Synchronisation – sparsam von Helene Weigel gesprochen –, Internationalität durch Nationalität, Individualität statt Kollektivität – verblüffend, schlicht, überzeugend.

Seit seiner Uraufführung während der Leipziger Dokumentarfilmwoche sollen nach offiziellen Angaben innerhalb von knapp drei Wochen etwa 1,5 Millionen Zuschauer diesen Film gesehen haben.

Regie: Joris Ivens, Vladimir Pozner, Sergej Gerasimov, Franco Solinas, Yannick Bellon, Alberto Cavalcanti, Wu Kuo-yin, Gillo Pontecorvo, Alex Viany
Darsteller: Simone Signoret, Sinaia Kinjenko, Yves Montand u. a.
Sprecherin Prolog: Helene Weigel Laufzeit ca. 104 Min.; s/w

»Freundschaft siegt« (1952)

ist ein farbiger Dokumentarbericht über die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten im Sommer 1951 in Berlin. Für die künstlerische Oberleitung der deutsch-sowjetischen Koproduktion wurden Joris Ivens und Iwan Pyrjew engagiert. Auch Konrad Wolf, zur Zeit der Dreharbeiten noch Student an der Moskauer Filmhochschule, übernahm einen der Drehstäbe, ebenso Andrew Thorndike sowie Ivens‘ Landsmann Joop Huisken.

Gezeigt wurde nicht nur das Treffen mit seinen Massenaufmärschen, Tagungen und Sportwettkämpfen. Die Regisseure lieferten auch weitergehende Informationen rund um die politische Zeit.

Regie: Joris Ivens, Ivan Pyrjew, Günter Reisch, Konrad Wolf, Andrew Thorndike, Joop Huisken, Herbert Ballmann, Walter Beck (Regieassistenz)
Koproduktion DEFA / Mosfilm
Laufzeit ca. 101 Min.; Farbe


»Friedensfahrt 1952 Warschau-Berlin-Prag« (1952)

berichtet über die 5. internationale Friedensfahrt 1952, an der 94 Fahrer aus 16 Nationen auf zwölf Etappen mit 2135 Kilometer Gesamtlänge teilnahmen. Sie wurde auch erstmalig auf dem Boden der DDR ausgetragen. Spannende Zweikämpfe, Stürze, Sieger, aber auch begeisterte anfeuernde Zuschauer sowie Bilder der Städte Warschau, Berlin und Dresden zeigen den Radsport aus verschiedenen Perspektiven.

Regie: Joris Ivens
Koproduktion DEFA / Wytwòrnia Filmòw Dokumentalnych Warschau
Laufzeit ca. 44 Min.; Farbe


Bonus-Film: »Joris Ivens - Er filmte auf 5 Kontinenten« (1964)

Eine Begegnung mit dem Regisseur Ivens und dessen wichtigsten Filmen „Regen“, „Borinage“, „Spanische Erde“, „400 Millionen“, „Die Seine trifft sich mit Paris“.

Der Film zeigt Ivens im Schneideraum und auf Kongressen und wie er über seine Arbeit spricht. Als Zeuge und Chronist transportieren seine Filme immer revolutionäre und kämpferische Inhalte über Arbeiter und deren Leben auf allen Kontinenten der Welt.
Aus heutiger Sicht wirkt gerade diese dokumentaristische Breite für zeithistorisch und filmgeschichtlich Interessierte gleichermaßen faszinierend.

Regie: Joachim Hadaschik
DEFA-Dokfilmstudio
Laufzeit ca. 35 Min.; s/w

2 DVDs im Schuber; Farbe und s/w; Sprache: Deutsch; FSK: o.A.; Label: Icestorm

Wenn Sie sich für die Filme von Joris Ivens interessieren, dann sollten Sie unbedingt den Film „Lied der Ströme“ anschauen, den Sie ebenfalls im nd-shop bestellen können.

Siehe auch: Ein kompromissloser Bildvisionär
Kurzüberblick auf das weitere Schaffen von Joris Ivens>>

Preis: 16.99 Euro

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