Lady Bag

Der Titel ist ein Wortspiel mit »Bag Lady«, dem Ausdruck für eine Obdachlose, und das ist die Hauptfigur – geldlos, zahnlos, obdachlos, öfter mit Alkohol oder Pillen abgefüllt, eine Treberin, die mit ihrer treudoofen Hündin Elektra in der Londoner City schnorrt und sich die Erniedrigung durch die schwer arbeitende Upperclass von der Seele nuschelt. Lady Bag ist eine gute Beobachterin, und zum Vergnügen des Lesers eine gute Kommentatorin, eine aus dem Mittelstand Abgestürzte, die auch schon mal im Gefängnis landete. Warum? Wird nicht verraten. Sie begegnet dem Teufel, genauer, dem Mann, dem sie Vollmacht gab, ihr Haus zu verkaufen. Dann folgt sie ihm, man ahnt, dass er trotz seiner aalglatt gepflegten Haut ein Dreckskerl ist. Eher aus Zufall betritt sie eine Wohnung, die ihre Treberkollegen gerade geplündert haben, klappt zusammen und wird plötzlich für die Eigentümerin gehalten und ins Krankenhaus gebracht. Irgendetwas ist passiert, die Polizei spricht mit ihr, aber was? Ihre Freundin sei umgebracht worden. Eine Bag Lady aber hat keine Freundinnen. Es hat wohl mit dem Teufel zu tun. Und dann sind noch seltsame Typen hinter ihr her. Und dann kommt das ganz große Geld der City ins Spiel. Ist die Liebhaberin billigen Rotweins in den falschen Film geraten?

Harter Realismus, Slapstick, bissige Kommentare und eine Heldin, die verpeilt, aber nicht auf den Kopf gefallen ist. Dank Liza Cody darf Miss Marple endgültig in den Ruhestand gehen, das Empire ist tot, es lebe das von Thatcher und Blair geschaffene Wirtschaftswunderkartenhaus.

Preis: 14.00 Euro

  • Autor/in: Cody, Liza / Laudan, Else / Szelinski, B.
  • Verlag: Ariadne-Verlag
  • Format: broschürt 320 Seiten
  • Erscheinungsjahr: 2017
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