Verbotene Liebe

Georg ist 18 Jahre alt, auf dem Land aufgewachsen und ein Musterschüler, dessen Wechsel an die Erweiterte Oberschule mit angegliedertem Internat in der Großstadt längst vorprogrammiert war. Doch nun steht er vor Gericht; angeklagt wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen. Rückblickend zeigt der Film die Liebesgeschichte zwischen dem 18-jährigen und der 13-jährigen Barbara, die sich schon von klein auf kennen. Erzählt wird von den ersten Annäherungen, der ablehnenden Haltung der Elternhäuser, den Anfeindungen der Nachbarskinder sowie der Macht- und Hilflosigkeit der Lehrer. Die laut Gesetz verbotene Liebe der beiden Hauptfiguren scheint jedoch stärker als alle äußeren Widerstände.
Verbotene Liebe bedient sich des shakespeareschen Romeo-und-Julia-Motivs und verlegt die Handlung in die Gesellschaft der DDR. In vielen kleinen Momenten gewährt die Produktion authentische Einblicke in das Familienleben der 1980er Jahre: Im heimischen Wohnzimmer ertönt nach Anschalten des Fernsehgeräts die Titelmelodie der US-amerikanischen TV-Serie Dallas, die ausschließlich im „Westfernsehen“ zu sehen war; gegessen wird von Geschirr mit Zwiebelmustern und zu den Jugendweihefeierlichkeiten kommt die ganze Großfamilie zusammen. Generations- und Interessenkonflikte legt der Film schonungslos offen. Die Jugendlichen agieren opportun, unvorsichtig und dem Herzen folgend. Im Fall der Nachbarskinder bisweilen auch brutal und gefühllos.
Regisseur Helmut Dziuba (1933–2012) verfasste auch das Drehbuch und griff dabei auf Motive der Erzählung „Der Sündenfall“ des Schriftstellers Helmut H. Schulz zurück. Die Verfilmung des Stoffes wurde bei der DEFA mehrere Jahre diskutiert und hinausgezögert. Die Dreharbeiten konnten erst 1989 beginnen. Gedreht wird zwischen dem 14. Juni und dem 1. September u.a. in der Polytechnischen Oberschule Ho Chi Minh (heutige Grundschule) in Berlin-Friedrichshagen. Weitere Aufnahmen entstehen im Oderbruch, in der brandenburgischen Ortschaft Genschmar und in Seelow. Premiere feiert Verbotene Liebe erst nach dem Mauerfall am 19. April 1990 im Berliner Kino International. Das im Film verwendete einprägsame Lied „Er und sie“ komponierte der Musiker Lutz Gerlach. Interpretiert wird der Song von der Sängerin Jacqueline Jacob, die 1986 bereits in Heiner Carows So viele Träume zu sehen war. Die Filmmusik verantwortete der aus zahlreichen Filmrollen bekannte Christian Steyer. Seit Der Untergang der Emma (1973) komponierte Steyer fast ausnahmslos für alle Helmut-Dziuba-Produktionen.
Julia Brendler gibt in der Rolle der Barbara im Alter von 14 Jahren ihr Leinwanddebüt. Dziuba, der sich vom Talent der jungen Darstellerin begeistert zeigte, besetzt sie dann in seinem letzten DEFA-Film Jana und Jan (1991) ein weiteres Mal in einer tragenden Rolle. Brendler kann sich anschließend als Schauspielerin etablieren und ist bis heute in vielen deutschsprachigen Kino- und Fernsehproduktionen zu sehen. Für Hans-Peter Dahm, der den Georg spielt, bleibt es die einzige Filmrolle. An der Seite der jugendlichen Protagonisten agieren bekannte Schauspieler wie Dietrich Körner, Heide Kipp, Peter Sodann und Karin Gregorek. Große Beachtung findet Gudrun Ritters Darstellung der Lehrerin. Filmkritikerin Renate Holland-Moritz lobt die Figurenzeichnung im Eulenspiegel „als Prototyp des gar nicht so selten guten DDR-Lehrers“. 1990 erhält Ritter auf dem letzten Nationalen Spielfilmfestival der DDR in Berlin den Preis für die beste weibliche Nebenrolle. Die heute als Politikerin bekannte Manuela Schwesig spielt – noch unter ihrem Mädchennamen Manuela Frenzel – einen kleinen Part als „Rivalin“.
Helmut Dziuba lernte sein Handwerk an der Moskauer Filmhochschule WGIK bei den Regielegenden Sergej Gerassimow und Michail Romm. Nach dem Studium kehrte er in die DDR zurück und übernahm 1963 eine Regie-Assistenz bei Frank Beyers Karbid und Sauerampfer. Zischen 1968 und 1991 realisierte Dziuba im DEFA-Spielfilmstudio elf eigene Filme, die sich vornehmlich an ein junges Publikum richten. Mohr und die Raben von London, eine Adaption des gleichnamigen Jugendbuchs von Ilse und Vilmos Korn, wird 1968 sein erstes eigenes Spielfilmprojekt. In seinen retrospektiv als „proletarische Trilogie“ bezeichneten Filmen Rotschlipse (1977), Als Unku Edes Freundin war (1980) und Jan auf der Zille (1985) widmet er sich Kinderschicksalen in der Weimarer Republik und den frühen Jahren des NS-Regimes. Vielfach greift er auch alltägliche Probleme von Kindern und Jugendlichen in der DDR auf. Mit Sabine Kleist, 7 Jahre… (1982) gelingt ihm ein internationaler Erfolg. Gesellschaftskritische Stoffe wie Erscheinen Pflicht (1983) bringen Dziuba jedoch auch Probleme mit dogmatischen Parteifunktionären. Dieser Film, in dem sich ein Mädchen kritisch mit der politischen Funktion ihres verstorbenen Vaters in der DDR auseinandersetzt, darf nur begrenzt ausgewertet werden; in manchen DDR-Bezirken wird seine Aufführung gänzlich untersagt. Nach dem Ende der DEFA gelingt es Dziuba nicht, seine Regiekarriere fortzusetzen. Mehrere Versuche, Stoffe ins Gespräch zu bringen, scheitern am Desinteresse der Produzenten und der Filmförderer. Ein letzter großer Erfolg wird Bernd Sahlings Blindgänger (2004), für den Dziuba das Drehbuch verfasst und der mit dem Deutschen Filmpreis prämiert wird.
Philip Zengel

Der Bonusfilm BANALE TAGE von Peter Welz erzählt von der Freundschaft des sechzehnjährigen
Schülers Michael und des Werkzeugmacherlehrlings Thomas im Ost-Berlin der 1970er Jahre. Sie wollen dem Mief in Elternhaus, Schule und Betrieb entfliehen.

Helmut Dziuba lernte sein Handwerk an der Moskauer Filmhochschule WGIK bei den Regielegenden Sergej Gerassimow und Michail Romm. Nach dem Studium kehrte er in die DDR zurück und übernahm 1963 eine Regie-Assistenz bei Frank Beyers Karbid und Sauerampfer. Zischen 1968 und 1991 realisierte Dziuba im DEFA-Spielfilmstudio elf eigene Filme, die sich vornehmlich an ein junges Publikum richten. Mohr und die Raben von London, eine Adaption des gleichnamigen Jugendbuchs von Ilse und Vilmos Korn, wird 1968 sein erstes eigenes Spielfilmprojekt. In seinen retrospektiv als „proletarische Trilogie“ bezeichneten Filmen Rotschlipse (1977), Als Unku Edes Freundin war (1980) und Jan auf der Zille (1985) widmet er sich Kinderschicksalen in der Weimarer Republik und den frühen Jahren des NS-Regimes. Vielfach greift er auch alltägliche Probleme von Kindern und Jugendlichen in der DDR auf. Mit Sabine Kleist, 7 Jahre… (1982) gelingt ihm ein internationaler Erfolg. Gesellschaftskritische Stoffe wie Erscheinen Pflicht (1983) bringen Dziuba jedoch auch Probleme mit dogmatischen Parteifunktionären. Dieser Film, in dem sich ein Mädchen kritisch mit der politischen Funktion ihres verstorbenen Vaters in der DDR auseinandersetzt, darf nur begrenzt ausgewertet werden; in manchen DDR-Bezirken wird seine Aufführung gänzlich untersagt. Nach dem Ende der DEFA gelingt es Dziuba nicht, seine Regiekarriere fortzusetzen. Mehrere Versuche, Stoffe ins Gespräch zu bringen, scheitern am Desinteresse der Produzenten und der Filmförderer. Ein letzter großer Erfolg wird Bernd Sahlings Blindgänger (2004), für den Dziuba das Drehbuch verfasst und der mit dem Deutschen Filmpreis prämiert wird.

Preis: 13.00 Euro

  • Laufzeit: 90 + 92 Minuten
  • Produktionsjahr: 1989
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