Von Peter Liebers
03.01.2009
Personalie

Ruhe bewahren

Birgit Diezel

Thüringens Finanzministerin amtiert als Regierungschefin.

»Bewahren Sie Ruhe, das ist das Wichtigste«, empfahl Birgit Diezel zu Beginn der Finanzkrise den Thüringern. Den Rat wird sie jetzt selbst beherzigen müssen. Nachdem Regierungschef Dieter Althaus nach einer rasanten Skiabfahrt in Österreich schwer verletzt im Krankenhaus landete, musste sie über Nacht dessen Amtsgeschäfte übernehmen. Für die ambitionierte CDU-Politikerin kann das zu einer schweren Bürde werden. Wann ihr Chef ins Amt zurückkehrt, ist noch völlig offen.

Sicher ist nur, dass mit dem Jahreswechsel in Thüringen der Wahlkampf für Landtags- und Kommunalwahl eingeläutet wurde, dessen Ausgang für die Christdemokraten mit vielen Fragezeichen versehen ist. Für die verheiratete Mutter von drei Kindern, die zugleich Vize-Landeschefin ihrer Partei ist, heißt das, sie muss an zwei Krisenfronten zugleich kämpfen. Da ist zum einen die Finanzkrise, deren Auswirkungen auf den Landeshaushalt schwer vorauszusehen sind. Zum anderen ist da auch die Krise ihrer Partei, die um die absolute Mehrheit bangen muss und sich durchaus nicht als homogene Einheit darstellt.

Die Diplomvolkswirtin hat allerdings gelernt, sich durchzubeißen. Als älteste von drei Geschwistern auf einem Bauernhof bei Gera in einem christlich geprägten Elternhaus aufgewachsen, schloss sie zunächst eine Lehre als Wirtschaftskauffrau ab. Anschließend erwarb sie in der Volkshochschule das Abitur, um an der Martin-Luther-Universität in Halle Volkswirtschaft zu studieren. Erste Verwaltungserfahrung sammelte sie in der Abteilung Wasserwirtschaft des Rates des Kreises Greiz.

1990 wurde sie Leiterin der Arbeitsgruppe Reprivatisierung in der Bezirksverwaltungsbehörde Gera. Im gleichen Jahr trat sie in die CDU ein. Von der Außenstellenleiterin des Landesamtes für offene Vermögensfragen avancierte sie schließlich zu dessen stellvertretender Präsidentin. 1994 zog Diezel als Abgeordnete in den Landtag ein. Inzwischen hatte sie auch in ihrer Partei Karriere gemacht und war zur stellvertretenden Landesvorsitzenden aufgestiegen. 1999 wurde sie Finanzstaatssekretärin. Drei Jahre später übernahm sie das Amt als Finanzministerin und gilt seitdem bei ihren Kabinettskollegen als hartnäckige Sparkommissarin.