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Von Tim Zülch 20.02.2009 / Gewerkschaftliches

Illegalisiert, aber nicht rechtlos

Neue Beratung in Berlin

Gewerkschaften engagieren sich mittlerweile für die Belange illegalisierter Arbeiter. Ab März wird es bei ver.di Berlin regelmäßige Beratungen geben. Ein Weg, der nicht immer einfach war.

Ana S. kam als Hausarbeiterin einer wohlhabenden Familie von Peru nach Hamburg. Sie geriet immer mehr in Abhängigkeit, arbeitete quasi 24 Stunden im Haushalt und kümmerte sich um die Kinder. Ihren Lohn verwahrte der Arbeitgeber für sie.

Was sich hinter den Mauern meist reicher Haushalte abspielt, wird nur durch Einzelfälle bekannt. Welchen Umfang die informelle Hausarbeit hat, weiß keiner. Emilija Mitrovic vom »AK undokumentierte Arbeit« bei ver.di Hamburg nähert sich den Verhältnissen mittels einer Überschlagsrechnung an: Im Jahr 2000 hätten 7,6 Prozent aller Privathaushalte regelmäßig Putz- oder Haushaltshilfen beschäftigt, sagt sie. Das entspreche bundesweit rund drei Millionen Beschäftigungsverhältnissen. Allerdings würden nur 40 000 dieser Jobs in der Sozialversicherungsstatistik auftauchen.

Die Durchsetzung von Lohnforderungen ist für illegalisierte Arbeiter besonders schwierig. Offenbaren sie sich, droht ihnen die Abschiebung. Oft stehen sie zusätzlich unter massivem Druck der Arbeitgeber, die diese Situation ausnutzen. Seit Jahren kämpfen Gruppen wie Respect in Berlin oder die bundesweit vernetzte Gesellschaft für Legalisierung (GfL) für die Legalisierung. »Das Hauptproblem für die Hausarbeiterinnen ist die mangelnde Information«, sagt Barbara Miranda von Respect.

Ab März wird es deshalb eine regelmäßige Beratung für undokumentierte Arbeiter bei ver.di in Berlin geben. Für Miranda ein Erfolg. Doch der Weg dorthin war nicht immer leicht. »Es gibt auch bei ver.di noch Leute, die denken, wenn du illegalisiert bist, hast du keine Rechte.«

Dass das nicht stimmt, hat die Hausarbeiterin Ana S. vergangenes Jahr bewiesen. Sie entschied sich, ihren Lohn vor dem Hamburger Arbeitsgericht einzuklagen – mit Erfolg. Einen großen Teil des ausstehenden Geldes musste die Familie ihr auszahlen. Allerdings muss sie nun aus Deutschland ausreisen, da die Richterin den Fall weitermeldete.

»Wir sind Arbeiter wie jeder andere Arbeiter auch«, unterstreicht Miranda, »Wir wollen keine Almosen, wir wollen nur unser Recht«. Es sei wichtig, dass das auch in der Gewerkschaft so gesehen werde.

Filmpremiere in Berlin: »Mit einem Lächeln auf den Lippen. Eine Hausarbeiterin ohne Papiere zieht vors Arbeitsgericht.«
Kino Babylon (Mitte)
Sonntag, 22. Februar, 13:30 Uhr, anschließend Diskussion.

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