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Von Hans-Gerd Öfinger, Rüsselsheim 27.02.2009 / Titel

»Yes, we can – auch ohne GM«

Beschäftigte von Opel fordern europaweit Abnabelung vom US-amerikanischen Mutterkonzern

Einen Tag vor der Opel-Aufsichtsratssitzung bekräftigten Betriebsräte und IG Metall am Donnerstag ihre Anforderungen an ein Konzept zur Sicherung aller europäischen Standorte von Opel und seiner britischen Schwester Vauxhall durch Ausgliederung aus dem US-amerikanischen Mutterkonzern General Motors (GM).

»Nicht Opel ist das Desaster, sondern General Motors«, rief der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Klaus Franz, in Rüsselsheim den 15 000 Teilnehmern der zentralen Kundgebung eines europaweiten Aktionstages zu. Franz warf dem GM-Konzern vor, systematisch Verluste von den USA nach Europa abgewälzt zu haben, gleichzeitig die Marke Opel kleinzuhalten und ihren Absatz außerhalb Europas zu blockieren: »Die gehen mit uns um wie mit einer Bananenrepublik!«

80 Jahre nach der Übernahme durch GM sei nun die Zeit für eine Ausgliederung aus dem US-Konzern und eine eigenständige Entwicklung aller europäischen Opel/Vauxhall-Betriebe gekommen, meinte Franz. GM könne dabei allenfalls Minderheitsaktionär bleiben. Als neue Investoren kämen Regierungen, Opelhändler-Verbände und Beteiligungsgesellschaften von Mitarbeitern in Frage. Mit Hilfe von Bürgschaften einzelner Regierungen und Krediten der Europäischen Investitionsbank könne das Unternehmen die kommenden schwierigen Monate erfolgreich überstehen. »Yes we can, auch ohne GM«, war auf Plakaten von Opel-Arbeitern zu lesen.

Franz lehnte betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen ab, hält aber angesichts massiver Überkapazitäten »sozialverträgliche« Opfer innerhalb der Belegschaft für unumgänglich. Auch das Management müsse zur Kostensenkung beitragen; dabei verlangte Franz die Abschaffung bürokratischer Konzernstrukturen sowie die Schließung der GM-Europazentrale in Zürich und der GM Powertrain-Entwicklungszentrale in Turin. Bei der Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells komme es auf Regierungen und eine neue Unternehmenskultur an. Dabei benötigt Opel für eine eigenständige Zukunft ohne GM langfristig acht bis neun Milliarden Euro. Dieser Kapitalbedarf wurde nach dpa-Informationen von GM- und Opel-Managern in den Verhandlungen mit Bund und Ländern über mögliche Staatshilfen genannt.

»Dieser Tag kann die Geburtsstunde einer europäischen Industriepolitik sein, die diesen Namen verdient«, erklärte Bundesaußenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier vor den Versammelten. Opel habe das »Potenzial für einen gesunden europäischen Autokonzern« und könne ressourcenschonende Autos produzieren. »Ihr habt bewiesen, dass

das deutsche Mitbestimmungsmodell funktioniert«, rief er den Opelanern zu. Die Autoindustrie als »deutsches Silicon Valley« dürfe nicht preisgegeben werden. Die CDU warf Steinmeier vor, die Proteste bei Opel für seinen Wahlkampf zu missbrauchen.

»Opel darf und wird nicht sterben«, versicherte der IG Metall-Vorsitzende Berthold Huber den Kollegen: »Dies ist erst der Anfang der Auseinandersetzung!« Huber warf den GM-Managern vor, sie hinterließen im Industriebereich eine Wüste. Die IG Metall wolle keinen Vernichtungswettbewerb, sondern international eine »solidarische und politische Lösung der Krise«. Arbeiter, Ingenieure und Techniker der Autobranche dürften den Regierungen nicht weniger wert sein als Bänker und Banken.

Die Metallergewerkschaft hatte im Zuge der Aktionen bei Opel gleichzeitig tausend Stahlarbeiter in Duisburg zum Protest gegen die geplanten Stellenstreichungen bei ThyssenKrupp aufgerufen. Die Arbeiter forderten vor einer für den Nachmittag angesetzten Aufsichtsratssitzung, auf Kündigungen zu verzichten. Der Betriebsrat befürchtet, dass der Konzern im Zuge seines Sparprogramms 1500 Stellen in der Stahlsparte streicht.

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