|
Foto: Frank Walensky-Schweppe
|
ND: Am Freitag beginnt in Berlin der dreitägige Attac-Kapitalismuskongress. Was ist der Grundgedanke hinter dieser Mammutveranstaltung?
Siebecke: Sie geht zurück auf einen Beschluss des Ratschlags von Attac vor anderthalb Jahren, auf einem kapitalismuskritischen Kongress zu diskutieren, wie die Attac-Forderung »eine andere Welt ist möglich« konkretisiert werden könnte.
Die Idee ist also älter als die aktuelle Finanzkrise?
Ja, aber sie hat durch sie zusätzlichen Auftrieb erhalten. Als seit Mitte des letzten Jahres klar war, dass wir auf größere Probleme zusteuern, wurde dieser Kongress verdichtet zu einem Versuch, die aktuelle Situation zu analysieren und zu diskutieren.
Was würden Sie aus der Vielzahl an Workshops, Foren und Podiumsdiskussionen mit zahlreichen Experten aus aller Welt besonders hervorheben?
Schwierig zu beantworten bei knapp 20 Foren und zahlreichen Workshops. Spannend dürfte die Eröffnung werden mit dem Input von Heiner Flassbeck und der anschließenden Diskussion mit Saskia Sassen, Daniela Dahn, Aleksandr Buzgalin und Frank Bsirske. Auch die Abschlussveranstaltung mit Hans-Jürgen Urban von der IG Metall, Frigga Haug sowie Heiner Geißler und Jutta Sundermann von Attac über Alternativen zum Finanzmarktkapitalismus verspricht Kontroversen.
Thematisch ist der Kongress sehr weit gefasst. Neben der Finanzkrise geht es um die Klima- und die Ernährungskrise, um die soziale Frage sowie die von Krieg und Frieden etc.
Es sollen möglichst viele Aspekte und Zusammenhänge beleuchtet werden, statt den Fokus nur auf einen Aspekt zu richten.
In Kapitalismusschelte übt sich inzwischen selbst die herrschende Politik – aber nur oberflächlich und rein rhetorisch. Ihnen geht es um deutlich mehr Tiefgang.
Es geht uns nicht nur um die Ursachen der Krise, sondern vor allem auch um eine Diskussion darüber, wie man aus dieser schwierigen Situation herauskommt. Es reicht nicht, den Managern zu empfehlen, etwas weniger gierig zu sein. Notwendig ist die Suche nach grundlegenden Alternativen. Deswegen setzen wir auf eine breite Palette an Positionen.
Macht dies aber einen Konsens am Ende nicht sehr schwer?
Der Konsens kann eigentlich nur lauten: Vernetzt euch, diskutiert weiter, sucht nach Alternativen – und geht auf die Straße, wehrt euch gegen die Verhältnisse.
In der Öffentlichkeit herrscht der Eindruck vor, dass die Finanzkrise der Linken kaum Zulauf beschert hat, was zu erwarten gewesen wäre. Sehen Sie dies ähnlich?
Sicherlich hat die Linke bislang nicht in dem Ausmaß »profitiert«, wie das viele erhofft haben. Allerdings ist die große Bereitschaft, über grundlegende Alternativen zu diskutieren – wir rechnen mit mindestens 2000 Teilnehmern –, ein ermutigendes Signal.
Auch mit Blick auf die beiden Großdemonstrationen Ende März?
Dies ist eine weitere zentrale Intention des Kongresses: sich in einer möglichst breiten Koalition von Bewegungen, Gewerkschaften, Sozialverbänden, NGOs, Kirchen und von linken Parteien über die Aktionen Ende März und natürlich auch über die DGB-Veranstaltungen rund um den 1. Mai und den 16. Mai zu verständigen. Die Diskussion wird auf späteren Kongressen – wie McPlanet Ende April – fortgesetzt.
Fragen: Kurt Stenger
Aktuelle Ausgabe: 22.05.2012
Wasserbüffel und Mais-Monokultur Brandenburgs durchwachsene Bilanz in Sachen Naturschutz
Chancen für weniger Fluglärm Gutachten zeigen Alternativen für Fraport
Berlin befindet sich im Wandel. Die damit einhergehenden Veränderungen sehen die einen als unvermeidliche und positive Stadtentwicklung. Andere verstehen diesen Prozess als Bedrohung. Investoren, die vom Berliner Charme profitieren möchten, werten ganze Viertel auf: Die Mieten steigen, Clubs werden rausgeklagt und am Ende steht eine ausgetauschte Mieterschaft.
"Eine äusserst gefährliche Entwicklung"
US-Kriegsveteranen demonstrieren gegen das Kriegsbündnis
Preis: 100,00 €
Preis: 60,00 €
Werbung:
Werbung: