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Von Alexandra Exter 26.03.2009 / Kino & Film
Film

Eheleid unter Turmperücken

Die Herzogin von Saul Dibb

Eine junge Engländerin mit dem Nachnamen Spencer, ein Mädchen fast noch, wird aus vielfältigem Kalkül mit einem Mann verheiratet, der älter ist als sie, um ein Vielfaches reicher und eine ranghohe Persönlichkeit des öffentlichen Lebens im Land. Für ihre Familie ist es eine privilegienträchtige Glamour-Hochzeit, für ihn vor allem eine honorige Methode, einen legitimen Erben zu produzieren. Der Ehemann erweist sich bald als desinteressiert und gefühlskalt, als ein Mann, der Tiere mehr liebt als seine Frau und Liebschaften pflegt, die ihre Ehe zu einer Beziehung mit drei und mehr Partnern werden lassen.

Aber nicht von Lady Diana handelt »Die Herzogin«, sondern von ihrer entfernten Tante Georgiana Spencer, verehelichte Cavendish, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Gattin des enorm einflussreichen fünften Herzogs von Devonshire. Die Parallelen zwischen den Lebensgeschichten der beiden Spencer-Mädchen sind historisch gegeben – und ein gefundenes Fressen für die Vermarktungsstrategen der Filmverleihe. Der Film selbst aber hat Augen und Ohren nur für Georgiana (Keira Knightley), für ihre auf die glanzvolle frühe Eheschließung folgende Ernüchterung und anfängliche Hilflosigkeit, und für die anschließende Flucht vor der Kälte am heimischen Herd in Mode und Mondanitäten, in turmhohe Perücken und stilbildende Kostüme, die den Kupferstechern der Zeit als Vorlage für Karikaturen und Modekupfer gleichermaßen dienten.

Aus dem biografischen Sachbuch von Amanda Foreman, das dem Drehbuch zugrunde liegt, haben Regisseur Saul Dibb und seine Koautoren vor allem die private Geschichte der Cavendishs herausdestilliert, ihre Missverständnisse und wechselseitigen Ehebrüche (samt illegitimem Nachwuchs auf beiden Seiten), seine Enttäuschung über die Ehe, die nur Töchter hervorbringt, und Hinwendung zu den (legitimen) Söhnen seiner Mätresse, ihrer besten Freundin. Dass Georgiana ihren ehelichen Enttäuschungen mit Exzessen von Glücksspiel und Alkoholkonsum begegnete, deutet der Film nur an. Auch dass sie an Stelle ihres öffentlichen Auftritten eher abgeneigten Gatten politisch aktiv wurde und öffentlich für zwei aufeinanderfolgende Premierminister-Kandidaten der fortschrittlichen Whig-Partei agitierte, zu deren prominentesten Mäzenen er gehörte, wird nicht verschwiegen. Das eigentliche Epizentrum des Films aber liegt irgendwo zwischen der endlosen heimischen Tafel und den getrennten Betten der Eheleute Cavendish.

Äußerungen von Dibb in Interviews lassen vermuten, dass man mit diesem Rückzug auf die private Seite einer öffentlichen Ehe eine gut zweihundert Jahre zurückliegende Geschichte auf ein allgemeingültiges Konzept zurückführen wollte, um den teuren Film für den komplexen historischen Zusammenhängen eher unzugänglichen amerikanischen Markt verständlich zu halten. Eine Taktik, die sich bedingt bewährte: Für die Filmkostüme gab es den verdienten Oscar, für Ralph Fiennes' höchst subtile Darstellung eines in den Konventionen seiner Zeit und Stellung gefangenen, unliebenswürdigen Despoten von Ehemann, der seiner Frau mit Kindesentzug droht, um jedenfalls die glanzvolle äußere Fassade seiner Ehe zu wahren, noch nicht einmal eine Nominierung.

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