Licht am Ende der Gespensterbahn: Um den Spreepark im Plänterwald bewerben sich »zwei solide Interessenten«. Das sagt Irina Dähne vom Berliner Liegenschaftsfonds. Sie gibt sich zuversichtlich, im Laufe des April Ergebnisse verkünden zu können.
Der ehemalige Vergnügungspark im Plänterwald steht leer, seit Spreepark-Mann Norbert Witte sich 2001 nach Peru absetzte und 14 Millionen Euro Schulden hinterließ. Inzwischen ist er wieder in Berlin, hat eine Haftstrafe abgesessen und campiert derzeit mit mehreren Wohnwagen auf dem Spreepark-Gelände. Völlig legal, denn seine Familie darf das Gelände nutzen, ohne dafür einen Cent Pacht zu zahlen. Vor knapp einem Jahr wurde das Insolvenzverfahren eingestellt, weil bei Witte nichts zu holen war. Das Land könnte ihm das Nutzungsrecht nur entziehen, wenn es den Erbbaurechtsvertrag kündigt. Doch genau davor hat das Land Berlin Angst: Denn dann müsste die öffentliche Hand für elf Millionen Euro seiner Schulden bei der Deutschen Bank aufkommen. Dafür hatte sich Berlin einst verbürgt. Theoretisch kann Norbert Witte das Erbbaurecht für einen Euro verkaufen an wen er will und damit dem Land Berlin die elf Millionen Euro Schulden überhelfen.
Der Redaktion liegt das Protokoll einer Sitzung vom vergangenen November im Berliner Liegenschaftsfonds vor. Dort stellte eine Firma »Kleist Projekt- und Development GmbH« mit Sitz in Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein ein Konzept eines »Lost-World-Freizeitparkes« vor. Man will versunkene Kulturen wie Inka oder europäisches Mittelalter ausstellen und eine Kombination aus Bildung und Entertainment bieten. An der Sitzung nahmen immerhin Liegenschaftsfonds-Chef Holger Lippmann persönlich, die Bezirksbürgermeisterin von Treptow-Köpenick, Gabriele Schöttler (SPD), und knapp ein Dutzend Verwaltungsfachleute teil.
Weniger optimistisch als der Liegenschaftsfonds gibt sich der Baustadtrat von Treptow-Köpenick Reiner Hölmer (SPD). Er sagt: »Ich kenne derzeit nur einen Projektentwickler. Mir ist nicht bekannt, ob hinter ihm echte Geldgeber stehen. Zu dem Konzept habe ich noch viele Fragezeichen. Aber vielleicht weiß der Liegenschaftsfonds mehr als ich.«
Zurückhaltend ist auch die Bürgerinitiative im Plänterwald. Klaus Mannewitz vermutet hinter den Interessenten alte Bekannte von Norbert Witte. Aus dem Gesprächsprotokoll geht immerhin hervor, dass die Firma Kleist eine Vertragsoption mit Familie Witte geschlossen hat, die den Erbbaurechtsvertrag für neun Monate an sie bindet. Solche Verträge darf Norbert Witte ganz legal abschließen, seit das Insolvenzverfahren eingestellt wurde, obwohl er für die Nutzung des Geländes keinen Cent zahlt. Mannewitz zufolge gäbe es am Spreepark inzwischen wieder zwei Briefkästen: Einen für Norbert Witte und einen für den möglichen Investor.
Norbert Witte dementiert allerdings einen Vertrag mit der Firma Kleist zu haben. Er habe einen Vertrag über die Nutzung des Geländes mit einem internationalen Investor geschlossen. »Ob ein Herr Kleist für den als Projektentwickler tätig ist, weiß ich nicht. Und der Briefkasten gehört meinem Freund.« Kleist selbst ist für ND nicht erreichbar.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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