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Von Velten Schäfer 03.04.2009 / Gewerkschaftliches

Ein neuer Job für Klempner-Joe

Das Wahlkampf-Maskottchen der US-Republikaner kämpft nun gegen ein neues Gewerkschaftsrecht

Der pro-gewerkschaftliche »Employee Free Choice Act« (EFCA) wäre eine Revolution im US-amerikanischen Arbeitsrecht. Deshalb verwendet die Rechte viel Energie darauf, das Gesetz zu stoppen. Derzeit sieht es nicht gut aus für den EFCA.

»Ratte!« riefen die Gewerkschafter in Harrisburg, Pennsylvania, als sich der Mann mit dem kahlen Quadratschädel näherte. Sie wollten wissen, wer ihn bezahle, notierten am Dienstag die »Patriot News«. Auch am Vorabend war Samuel J. Wurzelbacher nicht allen willkommen, als er in Pittsbu-rgh auftrat. Ein »Schlag ins Gesicht jedes echten Klempners« nannte ihn ein lokaler Gewerkschaftschef in der »Pittsburgh Post-Gazette«.

Dabei galt der massige Mann aus Ohio noch vor einem halben Jahr als bekanntester Klempner der USA. Im Oktober war er im Wahlkampf auf Barack Obama zugekommen und hatte vor laufenden Kameras als rechtschaffener Klempner dessen Steuerkonzept verdammt. Sofort wurde er von den McCain-Wahlkämpfern als authentische Stimme eines weißen, republikanischen Working-Class-Amerika vermarktet. Bei den TV-Debatten berief sich John McCain ständig auf »Joe the plumber«.

Nach der Wahl versuchte sich Klempner-Joe – der keine Klempner-Lizenz besitzt – unter anderem als Countrysänger und Kriegsberichterstatter aus Gaza. Nun hat Wurzelbacher einen neuen Job: Für die rechte Gruppe »Americans for prosperity« (Amerikaner für Wohlstand) bereist er derzeit den Bundesstaat Pennsylvania, um Stimmung zu machen gegen den »Employee Free Choice Act«. Diese Vorlage, vor zwei Wochen in den US-Kongress eingebracht, würde es für Beschäftigte einfacher machen, sich zu organisieren. Würde sie Gesetz, reichte dazu schon eine Unterschriftensammlung. Doch die Demokraten brauchen trotz ihrer Mehrheit republikanische Stimmen.

Deshalb ist es kein Zufall, dass der vermeintliche Klempner jetzt gerade in Pennsylvania zum Einsatz kommt. Der heißeste Überläufer-Kandidat war Arlen Specter, der gemäßigt republikanische Senator dieses Bundesstaates. Specter hatte bereits 2007 beim ersten Anlauf im Senat für den EFCA gestimmt. Nun macht ihm Klempner-Joe zuhause die Hölle heiß.

Nicht ohne Erfolg, wie es im Augenblick scheint. Nachdem US-Medien zunächst berichtet hatten, der Senator wolle den EFCA erneut unterstützen und verhandle gar über einen Parteiwechsel, hat Specter nach neuen Berichten widerrufen. Die Demokraten werden sich also einen neuen Überläufer suchen müssen.

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