Auch die Regierung Brasiliens will den Uranreichtum Amazoniens langfristig ausbeuten. Laut Angaben der staatlichen Nuklearindustrie (Indústrias Nucleares do Brasil – INB) sollen im Süden von Pará im Gebiet der ehemaligen Skandal-Rinderfarm von Volkswagen do Brasil, Rio Cristalino, rund 150 000 Tonnen Uran zu heben sein. Weitere 150 000 Tonnen schlummern im Staat Amazonas bei Pitinga, in der Region der Waimiri-Atroari-Indianer. Noch größere Vorkommen werden im nordamazonischen Bundesstaat Roraima im traditionellen Gebiet der Yanomami vermutet. Die Regierung Lula da Silva arbeitet gerade auch deshalb seit 2007 an einem Gesetz, das den industriellen Bergbau künftig in Indianergebieten erlauben und Entschädigungszahlungen regeln soll.
Dennoch sind Konflikte vorprogrammiert: Denn die Yanomami sowie die Kayapó-Indianer haben sich bereits deutlich gegen das neue Gesetzesvorhaben der Regierung Lula ausgesprochen. »Wir Yanomami wollen keinen Bergbau in unserem Land«, so der Schamane und Indianerführer Davi Kopenawa Yanomami. Und auch die Metyktire (Kayapó) sind dagegen. In einem offenen Brief an Präsident Lula da Silva schrieben sie: »Wir mögen das Bergbaugesetz, das die Regierung durchsetzen will, nicht. Bergbau wird unser Land ruinieren. Wir haben das Recht, auf unserem Land zu leben, das uns bereits gehörte, lange bevor die Weißen kamen. Wie können wir auf ausgebeutetem, verdorbenem Land leben?«
Langjährige Erfahrungen des Uranbergbaus in den USA, Kanada, Australien, Indien, im afrikanischen Niger oder in Ostdeutschland zeigen: Uranminen führen zu Vergiftung und Verstrahlung von Minenarbeitern, der lokalen Bevölkerung und der Umwelt. »Wo es Uran gibt, leiden die Menschen«, so die deutsche Uranexpertin Inge Lindemann. Schon die Uranexploration sei eine Gefahr für Mensch und Umwelt, warnt die kanadische Vereinigung gegen Uranminen (Ottawa Coalition Against Uranium Mining – OCAMU): »Exploration bedeutet Abholzungen, Bohrungen und Sprengungen.« Schneisen werden in den Urwald geschlagen, schweres Bohrgerät herangeschafft, die Probebohrungen können Grundwassersysteme mit Uranschichten in Verbindung bringen und damit mit Uran und seinen Spaltprodukten vergiften und radioaktiv verseuchen.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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