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Von Nissrine Messaoudi 09.04.2009 /

Dumping in Afrika

Arte-Thema: »Euer Hunger – Unser Profit«

Hühnerteile aus Europa
Hühnerteile aus Europa

Eine unglaubliche Wut im Bauch hinterließ der Themenabend »Euer Hunger – Unser Profit«, kürzlich auf arte. Wut und Trauer über die systematische Ausbeutung und Versklavung Afrikas durch die EU und durch andere westliche Staaten. Zeitgleich zum Themenabend gab die UNO bekannt, dass eine Milliarde Menschen auf der Welt Hunger leiden – alle sechs Sekunden stirbt ein Kind daran.

Das Bedauern bei den Politikern ist »natürlich« groß. Immer wieder hört man: »Wir müssen den Hunger in der Welt bekämpfen«. Die Quelle dieses Zitates ist ziemlich austauschbar. Ob es Merkel sagt oder Sarkozy oder Obama. An Glaubwürdigkeit gewinnt es dennoch nicht. Ganz im Gegenteil, wie drei Dokumentarfilme, zum Thema, einmal mehr zeigten.

Der Europäer isst körperbewusst. Statt des fetten halben Hühnchens entscheidet er sich für die magere Hühnerbrust. Aber was passiert eigentlich mit dem verschmähten Rest? Der Film »Hühner für Afrika« gab die Antwort. Die zerstückelten und eingefrorenen Teile werden nach Afrika gebracht. Denn die EU zahlt Millionenbeträge als Subventionen für Produktion und Export an ihre Bauern, finanziert aus Steuergeldern. Der Film führt uns nach Ghana, zu einem großen Markt. Dort werden zum Teil die europäischen Hühner zu Dumping-Preisen verkauft. So werden die Angebote der lokalen Bauern unterboten, die auf ihrem Fleisch sitzen bleiben. Das führt zur systematischen Zerstörung der afrikanischen Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln. Der Regisseur zeigt leere Ställe, wo einst selbst gezüchtete Hühner herumliefen. Ghana, Togo, Senegal. Es sind keine Einzelfälle, das macht die Dokumentation deutlich.

Als Ghanas Regierung versucht hat, die Importe aus Europa einzudämmen – da die Bevölkerung aufgrund der Hitze an dem Fleisch erkrankt –, drohte die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) mit Entzug der Hilfsgelder. Denn Deutschland und der Rest der EU haben vor Jahren mit afrikanischen Ländern ein »Freihandelsabkommen« geschlossen. Die Freihandelszonen bringen meistens nur den größeren der beiden Handelspartnern einen Vorteil – und das ist gewiss nicht Afrika. Durch das Abkommen zahlt Europa keine Importzölle und kann im gleichen Atemzug größere Mengen in das betreffende Land einführen. Und alles nur, weil bei uns in Massen produziert wird, was wir gar nicht brauchen.

Und nun wird es noch absurder. Die Fleischzüchter, deren Existenzen durch die europäische Agrarpolitik zerstört werden, wurden zum Teil von Deutschland im Zuge der Entwicklungshilfe ausgebildet und unterstützt. Man hätte das Geld also auch gleich in den Müll schmeißen können, aber da hätte man ja nicht mehr mit der angeblichen Unterstützung prahlen können.

Die weiteren Folgen sind jedem bekannt. Von Hunger und Verzweiflung geplagte Afrikaner verlassen ihr Land, um nach Europa zu gelangen, um ein besseres Leben führen zu können. Viele sterben dabei oder geraten an die EU-Grenzschutzbehörde Frontex.

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