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17.04.2009

Plötzlich brach die Welt zusammen

Zivilklage um einen Hahn auf dem Balkon endete mit dem Rauswurf des Tieres

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Peter Kirschey aus Berliner Gerichtssälen

Der Ortsteil Kladow ist ein schönes Fleckchen Erde. Zu städtisch, um es als Bauernland zu charakterisieren, zu ländlich, um es als Hauptstadtregion einzuordnen. Nicht so richtig Berlin, aber eben doch. Hier gab es keine Konterrevolutionen, keine Revolutionen, Hausbesetzungen oder andere nichtbürgerliche Schweinereien. Hier lebt in einer Reihensiedlung, bislang brav und ohne Fehl und Tadel, die Familie M. Vater Peter (49), Mutter Monika (45) und die beiden Kinder Nadine (11) und Sabine (13).

Man kennt sich in der Nachbarschaft, obwohl man sich eigentlich überhaupt nicht kennt. Wer wann aus dem Haus geht, wer welchen Wagen fährt, wer echte und wer falsche Blumen auf den Fensterbrettern zu stehen hat, wer wann auf dem Balkon grillt, raucht oder Bier trinkt – das alles gehört zum Allgemeinwissen der Straße.

Eines Mittags des Jahres 2008 erschütterte nahezu Unglaubliches die Idylle. Ein Hahnenschrei drang in die Ohren der Anwohner. Kein balzender Wildvogel, der sich aus den nahen Brandenburger Wäldern verirrt hat, sondern das klassische »Kikeriki«, das viele Kinder nur aus Märchenfilmen kennen.

Ratlosigkeit machte sich breit. Wo hat der Vogel sein Quartier? Schnell war die Sünderfamilie enttarnt. Es waren die M's, die ja schon immer ein wenig abartig waren, konstatierten die Nachbarn. Die Polizei wurde gerufen und nahm zu Protokoll: Familie M. hat tatsächlich einen Hahn in einem recht großen Käfig auf dem Balkon.

Damit war der Fall für die Gesetzeshüter erledigt, nicht aber für die Nachbarn. Sie notierten peinlichst genau die Krähzeiten des Vogels und alle anderen Geräusche vom Balkon. Zu Hochzeiten alle 30 bis 40 Sekunden schmetterte er seinen Schlachtruf in die Menge, notierte ein Anwohner auf seiner Strichliste.

Das Federvieh hielt sich an keine Mittagspausen. In den Abendstunden, wenn die anderen mit ihren Grillgeräten auf die Balkone zogen und die Region in eine Raucherinsel verwandelten, schwieg das störrische Tier, ermattet vom lautstarken Tagewerk. Doch zur frühen Morgenstunde entfaltete er seine volle Stimmeskraft. Die Familie M. erhielt Anzeige wegen Nichteinhaltung des Mietvertrages, Ruhe störenden Lärms und Verletzung der Tierschutzbestimmungen.

Über Hähne war im Mietvertrag nichts zu lesen, nur über Haustiere, die mit Zustimmung des Vermieters gestattet sind. Ist der Hahn ein Haustier? Natürlich nicht, sagten die Nachbarn. Natürlich doch, widersprachen die M's. Der Hahn ist kein Wildtier, sondern ein ganz normales Haustier, ein Hahn eben.

Die Zivilrichterin, die nur die Lärmbelästigung verhandelte, entschied: Der Hahn muss weg. Er stelle für Anwohner einen unzumutbaren Geräuschterror dar. Nun ist es still geworden auf dem Balkon der Familie M. Doch seit einiger Zeit müffelt es recht merkwürdig. Wieder gab es eine Anzeige, wieder kam die Polizei und konstatierte: Vier ausgewachsene Hasen gehören zum Familienbestand. Wieder stehen die M's am Pranger. Und so wird man sich demnächst vermutlich wieder vor dem Berliner Landgericht treffen, wenn nicht vorher – außergerichtlich – eine Lösung gefunden wird.

Klagen im Nachbarschaftsstreit gehören zu den beliebtesten Freizeitsportarten der Bundesdeutschen. Etwa eine halbe Million verärgerter Bürger zieht jährlich vor Gericht, weil ein Stein verkehrt gemauert ist, ein Ast falsch hängt, ein Draht schief gezogen oder ein Kind einfach nur ein Kind ist. Mehr als die Hälfte der Nachbarschaftsklagen betreffen Lärmbelästigung. Die Deutschen scheinen alles zu haben – nur eben keine Toleranz.

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