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Von Fabian Lambeck 05.05.2009 / Inland

Schweinegrippen-Panik am Flughafen

200 Air France-Passagiere in Berlin-Tegel durften stundenlang nicht von Bord gehen

Ein Mexiko-Tourist an Bord einer Air France-Maschine sorgte auf dem Berliner Flughafen Tegel für Wirbel. Weil der Verdacht auf eine Schweinegrippe-Infektion bestand, ließ man die etwa 200 Passagiere mehr als zwei Stunden nicht aus dem Flieger. Da die Quarantänestation in Tegel im letzten Jahr bei einem Brand zerstört wurde, musste der möglicherweise Infizierte im vollbesetzten Flieger bleiben.

Angst vor der Schweinegrippe greift um sich. Erste Fälle sind auch in Deutschland aufgetreten, die teils hysterischen Medienberichte der letzten Tage tragen noch zur Verunsicherung in der Bevölkerung bei.

Wie kopflos auch die deutschen Behörden reagieren können, zeigte sich am Sonntagabend auf dem Berliner Flughafen Tegel. Dort ließ man die rund 200 Passagiere eines Air France-Fluges aus Paris mehr als zwei Stunden nicht aus der Maschine, weil sich unter ihnen ein junger Deutscher befand, der am Vortag Mexiko-City verlassen hatte und über Paris nach Deutschland einreisen wollte. Zwar zeigte der Mann keinerlei Krankheitssymptome, doch die Verantwortlichen des Flughafens reagierten geradezu panisch. Kurz nach der Landung eröffnete man den Passagieren, dass sich unter ihnen ein Mexiko-Tourist befinde, der nun erst einmal auf eine mögliche Grippeerkrankung untersucht werden müsse.

Die meisten Reisenden nahmen es anfangs gelassen und zeigten Verständnis. Niemand ahnte, dass sich die Behandlung zu einer mehr als zweistündigen Tortur für die anderen Fluggäste entwickeln sollte. Das Drama nahm seinen Lauf, als zwei Mitglieder der Flughafen-Feuerwehr den Flieger betraten. Die beiden Männer trugen Schutzmasken und erinnerten dabei an Darsteller einschlägiger Hollywood-Actionreißer. Der Mexiko-Tourist wurde kurz nach möglichen Symptomen befragt. Trotz seiner Beteuerungen, völlig gesund zu sein, wurde mit Hilfe eines Fieberthermometers die Körpertemperatur ermittelt – durch eine Messung im Ohr. Diese Methode gilt als denkbar unzuverlässigste Art der Fiebermessung. Das Ergebnis schien die beiden Flughafenmitarbeiter offenbar zu beunruhigen. Dem Mexiko-Reisenden wurde mitgeteilt, dass seine Körpertemperatur »erhöht« sei. Die beiden Männer verließen die Maschine umgehend. Später sollte sich herausstellen, dass die Messung eine Temperatur von 37,5 Grad ergeben hatte.

Den sichtlich beunruhigten Passagieren wurde über Bordfunk mitgeteilt, dass der Flughafenarzt den Passagier untersuchen müsse. Es bestehe der Verdacht auf eine Grippeerkrankung. Doch wer nun erwartete, dass die Behörden den Mann isolieren würden, der irrte. Geschlagene zwei Stunden ließ man den Mann zusammen mit den restlichen Passagieren in der vollbesetzten Maschine. Im Ernstfall hätten sich so auch Mitreisende mit dem Virus infizieren können. Zwar gelten die Klimaanlagen in modernen Flugzeugen als »virensicher«, weil sogenannte Hepa-Filter die Luft in Bodennähe absaugen und dadurch Krankheitserreger festhalten. In der Enge des Fliegers sind zumindest die unmittelbaren Nachbarn eines Infizierten aber auf das Höchste gefährdet. Trotzdem wurden nicht einmal die neben dem Mexiko-Touristen sitzenden Passagiere in Sicherheit gebracht

Der Flughafen Tegel verfügte offenbar auch nicht über eine ausreichende Anzahl einfachster Schutzmasken. Zumindest wurden sie nicht an die Reisenden verteilt. Lediglich der Mexiko-Tourist trug eine dünne Schutzmaske, die ihm die besorgte Flugzeugbesatzung zur Verfügung gestellt hatte.

Der Air France-Flieger wurde von einer Zugmaschine an den Rand des Flugfeldes gezogen. Seit einem Brand im November letzten Jahres verfügt der Hauptstadt-Flughafen nicht einmal mehr über eine Quarantänestation. Da auch der zweite Berliner Flughafen in Schönefeld über keine solche Einrichtung verfügt, hätte man das Flugzeug im Ernstfall nach Leipzig oder Frankfurt umleiten müssen.

Der zuständige Flughafenarzt ließ derweil auf sich warten. Nach mehr als zwei Stunden erschien der Mediziner endlich. Eine kurze Untersuchung des Verdächtigen konnte den Grippeverdacht endgültig ausräumen. Erleichterung machte sich im Flieger breit. Einige Fluggäste beschwerten sich lauthals bei der nun wieder anwesenden Flughafen-Feuerwehr. Völlig unverständlich erschien es den Passagieren, dass man den Mexiko-Reisenden mehr als zwei Stunden im engen Flieger gelassen hatte. Ein Fluggast meinte beim Aussteigen lakonisch, das Krisenmanagement habe »Dritte Welt-Niveau«.

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