»Blank Space – Ghost Body« von und mit Melissa Cisneros
Foto: Melissa Cisneros
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Berlins Tanzenthusiasten sind findig. So hat Gabi Beier, einst Mitinitiatorin der Ur-Tanztage im Pfefferberg, zentral Räume für ein neues Unternehmen aufgetan. Im zweiten Quergebäude, wenige Häuser nur neben dem S-Bahnhof Schönhauser Allee, richtete sie in eigener Etage das Studio ada ein. Dahinter steht Beiers Konzept der gezielten Nachwuchsförderung. Finanziert wird es durch einen Zuschuss im Rahmen der Spielstättenförderung des Kultursenats sowie durch Unterricht, meist mit Amateuren, und Vermietung.
Seit Februar 2007 leistet sie sich, was ihr eigentlich am Herzen liegt: den Spielbetrieb. Um die 40 Plätze hat der längliche Raum, und die sind rege frequentiert. Groß ist auch das Interesse junger Choreografen, sich an unverfänglichem Ort, vor risikofreudigem Publikum und noch vorm Auftritt in den namhaften Spielstätten auszuprobieren. »Nah dran« heißt das Format, dass Gabi Beier hierfür erfunden hat. Sechs Mal im Jahr testen an zwei Abenden drei Novizen jeweils ein 20-Minuten-Stück vor Zuschauern. Im anschließenden Gespräch bei Wasser oder Wein kommt man zwanglos miteinander ins Gespräch.
Gerade den Absolventen eines der Berliner Ausbildungsgänge für zeitgenössischen Tanz, den Quereinsteigern und Neuankömmlingen in Berlin, sagt Beier, fehlte bisher ein Podium. Wem das 20-Minuten-Format noch zu waghalsig ist, dem empfiehlt sie die neu eingerichtete Reihe »10 times 6«. Jeweils sechs Minuten haben zehn junge Choreografen für ihr Debüt, dann erlischt über ihrem Opus das Licht. Das zwingt sie, ihre Bewegungseinfälle auf das Wesentliche zu verdichten. Alle Beiträge werden per Video aufgezeichnet. Das braucht, wer sich im Kultursenat für eine Einzelprojektförderung bewerben will. So kann ada Sprungbrett für eine Karriere sein. Nur in Ausnahmefällen darf man dort ein zweites Mal auftreten, etwa wenn man sein Stück fortentwickelt hat. Das sichert stets Neuzugänge, und die bewerben sich schon weit über Berlin hinaus. Rund 40 von ihnen erhielten bisher in »Nah dran« ihre Chance.
Dass Gabi Beier sich weder stilistisch festlegt noch sich die Stücke selbst klaren Schubladen zuordnen lassen, bewies Ausgabe 14. Jessy Tuddenham erzählte eingangs in »My Ultimate« pointiert über ihre Probleme in einem Frisbee-Team, wo es gilt, eine Plastikwurfscheibe aufzufangen und weiterzureichen, sowie über ihre Ängste beim Ballettunterricht. Anleihen beim Butoh und skulpturale Posen auf dem Boden formten in »A Horse in a Box« Choreografin Stefanie Roser und Mayra Wallraff zum dunklen Stimmungsbild einer Beziehung. Zwei erdhafte Tiere umschleichen sich, finden sich in der Begattung, gehen danach eigene Wege.
Dass Beiers Format auch die Chance des Scheiterns birgt, bewies an diesem Abend trotz eindrucksvoller Tänzervergangenheit der Argentinier Bernardo Coloma mit einer Performance ohne Sinn und Bau. Was er hätte erreichen können, zeigte sein abschließendes Tanzsolo. Heißt es am 16./17. Mai wieder »10 times 6«, so stehen vom 29.-31. Mai in »S.o.S. – Students on Stage« Arbeiten von Studenten zur Diskussion.
»Nah dran XV« gibt es wieder am 13./14.6., ada Studio im QuARTier 73, Schönhauser Allee 73.
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