PUMA heißt die neue Wunderwaffe, mit der die Bundeswehrführung die deutschen Panzergrenadiere »beschenken« will. Nur der Wille allein reicht nicht. Voraussetzung ist vor allem, dass das Eisending auch funktioniert. Und genau da klemmt die Kette.
Am 12. September 2002 hat der damalige Haushaltsausschuss dem Vertrag über die Entwicklung und die Projektierung des »Neuen Schützenpanzers«, der den in die Jahre gekommenen Marder ablösen soll, zugestimmt. Unter einer Bedingung. Die lautet: In jährlichen Berichten wollten die Haushälter über den Fortgang des Projektes informiert werden.
Am 2. Dezember 2004 stimmte der Haushaltsausschuss der Beschaffung von »fünf vorgezogenen Serienfahrzeugen« im Wert von 363,6 Millionen Euro zu. Gleichzeitig enthielt dieser Vertrag »als optionalen Leistungsumfang« die Herstellung und Lieferung von weiteren 405 Serienfahrzeugen. Kosten: knapp vier Milliarden Euro.
Das mit den geforderten Sachstandsberichten war, wie sich zeigt, eine vorausschauende und kluge Entscheidung, denn mittlerweile liegt der sechste »Sachstandsbericht zum Vorhaben Schützenpanzer (SPz) PUMA« vor. Und der liest sich weder aus Sicht des Militärs noch aus der der Prozenten gut.
Natürlich wird betont, dass die aus Krauss-Maffei Wegemann und Rheinmetall zusammengeschweißte Herstellerfirma PSM zahlreiche »technische Lösungsansätze« gefunden hat, um die zahllosen Probleme zu beheben. Doch es bleiben noch genügend Mängel, die Zweifel daran aufkommen lassen, dass das Ding sein Steuergeld wert ist. Man muss nicht – wie beispielsweise Inge Höger, als Linke Mitglied im Verteidigungsausschuss oder Gesine Lötzsch, Fraktionskollegin im Haushaltsausschuss des Parlaments, – friedensbeseelt sein, um das Projekt abzulehnen. Entsprechend wird Lötzsch heute im Haushaltsausschuss votieren.
Na ja, die LINKE ... möchte man meinen, doch auch der Grünen-Haushaltsexperte Alexander Bonde ist nicht bereit, die »Katze im Sack« zu kaufen. Die FDP ist gleichfalls skeptisch, auch weil man der kämpfenden Truppe schon genügend Schund angedreht hat, mit dem auch in Afghanistan kein Staat zu machen ist.
Da ist nichts zu beschönigen. Nicht einmal vom Verteidigungsministerium. »Entgegen den bisherigen Erwartungen können ein vollständiger Nachweis der Erfüllung der Leistungen aus dem Projektierungs- und dem ›Vorserienvertrag‹ und eine militärische Einsatzprüfung mit fünf bauzustandsgleichen, voll funktionsfähigen Vorserienfahrzeugen jedoch im 1. Halbjahr 2009 nicht erbracht werden ...«
Es klemmt auch nach vierjährigen Entwicklung an vielen Teilen. Der Antrieb funktioniert nicht wie erwartet, am Fahrwerk treten Probleme auf. Das Gewicht ist inzwischen so sehr angewachsen, dass der PUMA nur in abgespeckter Variante in den A400M-Transporter passt. Wie gut, dass sich dieser hoch gelobte und extrem kostenintensive Airbus-Vogel – gleichfalls entgegen allen Plänen – noch immer nicht von der Startbahn erheben kann.
Wie reagiert nun die Koalition? Erstaunlich. Man will mit der Serienproduktion beginnen und die Mängel quasi so nebenbei »erledigen«. Das Verteidigungsministerium meint, eine »vollumfängliche militärische Einsatzprüfung« sei mit Fahrzeugen im serienreifen Bauzustand durchzuführen. Die ersten »Serien-Fahrzeuge« könnten laut »derzeitiger Planung« ab Ende 2010 zur Verfügung stehen.
Nicht ohne einen zynischen Unterton erinnern Rüstungsexperten daran, dass der PUMA einen berühmten Vorgänger hatte. HS-30 hieß der Schützenpanzer, mit dem die Bundeswehr in ihren Anfangsjahren in die militärische Moderne fahren wollte. Doch man kam mit dem SPz kaum weiter als bis zur Werkstatt, seine Einkäufer jedoch immerhin vor einen Korruptions-Untersuchungsausschuss des Parlaments.
Das muss sich ja nicht unbedingt wiederholen, es gibt ja auch ganz simple Alternativen. Eine ist schon im Namen des Pfusch-Panzers angelegt: PUMA zu Turnschuhen – warum nicht?
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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