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Weniger Lohn oder 4500 Jobs weg

Autozulieferer Schaeffler droht Beschäftigten / Betriebsrat: Personalabbau ist kein Konzept

Beim fränkischen Autozulieferer Schaeffler stehen bis zu 4500 Arbeitsplätze auf der Kippe. Die Firmengruppe müsse in Folge der Krise in der Autobranche pro Jahr insgesamt 250 Millionen Euro an Personalkosten in Deutschland einsparen, drohte Schaeffler am Mittwoch den Beschäftigten. Betriebsrat und IG Metall forderten eine Rücknahme des »geplanten drastischen Stellenabbaus«.

Herzogenaurach (Agenturen/ND). Die Geschäftsleitung der Schaeffler-Gruppe informierte am Mittwoch die Mitarbeiter in Deutschland über die drastischen Einschnitte. In einer Firmenmitteilung heißt es, das Unternehmen wolle versuchen, mit anderen Maßnahmen wie Kurzarbeit, Arbeitszeitverkürzung und Altersteilzeit die Personalkosten zu verringern. »Wenn wir diese Maßnahmen gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern konsequent umsetzen, können wir den sonst notwendigen Personalabbau von 4500 Stellen in Deutschland vermeiden«, sagte der Vorsitzende der Geschäftsleitung Jürgen Geißinger.

Die Unternehmensleitung setzt dabei auf eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat und der IG Metall, in der diese sich bereiterklären, Maßnahmen zur Kostensenkung mitzutragen. Im Erfolgsfall sagt das Unternehmen zu, bis 30. Juni 2010 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Außerdem soll die für den 1. Mai geplante Lohn- und Gehaltserhöhung auf den 1. Dezember verschoben werden. Einsparpotenziale an den einzelnen Standorten wollen Firmenleitung und Arbeitnehmervertreter bis 31. Juli ermitteln. Ein Schaeffler-Sprecher sagte, es könne auch im Ausland zu »weiteren Anpassungen« kommen, nachdem bereits 5000 Stellen gestrichen wurden.

Schaeffler-Betriebsrat und IG Metall kritisierten den Sparplan des Konzerns als »falsche Antwort auf die Herausforderungen«. Nicht die Krise der Autobranche, »sondern die hohe Verschuldung der Schaeffler-Gruppe treibt die Manager zu dieser Reaktion«. Betriebsratschef Norbert Lenhard erklärte, der »dramatische Personalabbau ist kein Zukunftskonzept«. Er zerstöre lediglich »die Motivation, vernichtet Werte und schadet der Zukunft«. Lenhard warnte zugleich vor einer Überbewertung der zwischen Schaeffler und Arbeitnehmervertretern abgeschlossenen Vereinbarung. »Die sagt eigentlich nichts anderes aus, als dass beide versichern, alles zu tun, damit niemandem gekündigt wird.« Vom Grundsatz her seien Arbeitsplätze genauso bedroht wie zuvor. Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer fand harsche Worte: »Wenn der Unternehmensleitung nichts Dümmeres einfällt, als den Rückgang der Produktion einfach in Arbeitsplätze umzurechnen, dann ist das ein Niveau der Dreisatzrechnung in der dritten oder vierten Klasse Hauptschule.« IG Metall und Betriebsrat forderten, dass der Staat mögliche Hilfen für Schaeffler an den Verzicht auf Kündigungen knüpft.

Die Schaeffler-Gruppe mit Stammsitz im fränkischen Herzogenaurach gehört zu den weltweit größten Anbietern in der Wälzlagerindustrie und ist Zulieferer nahezu aller Automobilhersteller. 66 000 Mitarbeiter – davon 28 000 in Deutschland – werden an mehr als 180 Standorten in diesem Jahr voraussichtlich einen Umsatz von 7,5 Milliarden Euro erwirtschaften. Nach der Übernahme des Konkurrenzunternehmens Continental ist Schaeffler mit zehn Milliarden Euro verschuldet.

Wie Schaeffler am Mittwoch weiter mitteilte, lagen die Umsätze des Konzerns in der Autozuliefersparte im ersten Quartal um ein Viertel unter den Niveau des Vorjahres. In der Industriesparte seien die Geschäfte um zwölf Prozent schlechter gelaufen.

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