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Karikatur: Christiane Pfohlmann
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Die offiziellen Veranstaltungen zum 60. Jubiläum der Bundesrepublik haben schon begonnen und werden noch bis zum Jahresende andauern. Kritische Töne zur Geschichte der Bundesrepublik sind dabei eher selten. Da ist es umso begrüßenswerter, dass der freie zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) gemeinsam mit dem Bundesverband ausländischer Studierender (BAS) einen Kontrapunkt zu den offiziellen Feierlichkeiten setzen will. »60 Jahre und kein bisschen weise«, lautet das Motto der bundesweiten Aktionswoche gegen Rassismus, die bis zum 14. Juni an fünfzehn Hochschulen auf einige unbequeme Realitäten hinweist.
»Die Einen feiern 60 Jahre Grundgesetz – andere werden über Dorfplätze und durch Städte getrieben oder für Jahre in »Gemeinschaftsunterkünfte« genannte Lager gesteckt und abgeschoben«, meint das fzs-Vorstandsmitglied Florian Keller. Seit im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaften der ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye von No-Go-Areas für Nichtdeutsche sprach, wurde der nach wie vor bestehende Rassismus selten so prägnant auf den Punkt gebracht.
Im Rahmen der Aktionswoche geht es allerdings auch um die subtileren Formen des Rassismus, wie die Benachteiligung von Migrantenkindern in der Grundschule, die sich im weiteren Bildungsverlauf fortsetzt. Erinnert wird auch daran, dass ausländische Studierende einen Betrag von 7716 Euro auf ein Sperrkonto hinterlegen müssen, bevor sie sich in Deutschland an einer Hochschule einschreiben können. Für die meisten Menschen in den Ländern des Südens übersteigt dieser Betrag ihr Jahreseinkommen bei Weitem.
Es muss allerdings befürchtet werden, dass diese ernüchternde Bilanz von 60 Jahren Bundesrepublik und Grundgesetz wieder nur die engagierten Kommilitonen anspricht. Dabei sollte Antirassismus auch auf den Campus zum Alltag gehören. Die Aktionswoche kann dazu nur Anstöße geben.
Der Autor ist freier Journalist und lebt in Berlin.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
Preis: 120,00 €
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