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Von Martin Kröger 18.06.2009 / Berlin / Brandenburg

Feuer und Flamme für ein Flugfeld

Linke Aktionstage halten die Stadt in Atem / Höhepunkt bei Tempelhof-Besetzung am Samstag

Die Serie von Brandanschlägen, die von mutmaßlich linksradikalen Autonomen verübt werden, reißt nicht ab. In der Nacht zum Mittwoch traf es das Cateringunternehmen »Bärenmenü« in der Sewanstraße in Lichtenberg: Insgesamt zehn Fahrzeuge des Betriebes wurden angezündet. »Bärenmenü« zählt zum international agierenden Sodexo-Konzern, dem Linksradikale seit längerem vorwerfen, als Logistiker von Kriegseinsätzen und mit der Versorgung von Flüchtlingen Profit zu machen. Ähnliche Kritik gibt es an der Posttochter DHL, deren Fahrzeugpark in den vergangenen Tagen ebenfalls zwei Mal Ziel von Brandstiftungen wurde.

Bei der Polizei vermutet man einen Zusammenhang zu den linken »Action Weeks«, die noch bis zum Sonntag laufen. Ein Bekennerschreiben sei aber noch nicht eingegangen, sagt Polizeisprecher Guido Busch. Wie in jedem dieser Fälle würde der Staatsschutz ermitteln. Aber auch die Bereitschaftspolizei ist in diesen Tagen im Dauereinsatz: Neben den Anschlägen gegen Unternehmen gab es Besetzungen von Freiflächen oder eines Ver.di-Gebäudes, Spontandemonstrationen und immer wieder Farbflaschen- und Steinwürfe gegen geplante Wohnungen aus dem Luxussegment.

Der Höhepunkt der Aktionstage, mit denen das linke Bündnis »Wir bleiben alle« (WBA) gegen die Verdrängung von Menschen mit wenig Einkommen aus den Innenstadtbezirken durch den Zuzug von Reichen (Gentrifizierung) protestiert, steht indes noch bevor. Heute wollen die linken Aktivisten nämlich die mögliche Räumung eines Hausprojektes in der Brunnenstraße 183 in Mitte verhindern. Und für den Samstag plant die WBA zusammen mit dem Netzwerk »Squat Tempelhof« und weiteren Gruppen aus der linken Szene eine friedliche Okkupation des weiterhin abgesperrten stillgelegten Innenstadtflugfeldes in Tempelhof.

Doch bereits jetzt meint man bei der WBA-Kampagne, mit den Aktionstagen erfolgreich gewesen zu sein: »Wir sind mit dem Verlauf und der Vielfalt der Aktionen sehr zufrieden«, sagt Stefan Wagner von der Pressegruppe des linken Bündnisses. Man habe deutlich machen können, dass man sich gegen die Vertreibung von alternativen Projekten aus der Stadt und gegen die »neoliberale Stadtumstrukturierung« als Ganzes zur Wehr setzt. Überdies habe es nur wenige Festnahmen gegeben. »Es sind nur zwei Leute in Haft«, sagt Wagner. Auch das sei ein Erfolg.

Sollte allerdings heute wirklich eine Räumung des Hausprojektes in der Brunnenstraße 183, in dem auch der beliebte »Umsonstladen« angesiedelt ist, durch die Polizei erfolgen, könnte die Zahl der Verhaftungen aufgrund der zu erwartenden Ausschreitungen rapide steigen. Gestern war jedoch weiter unklar, ob die Räumung stattfindet. »Es gibt aktuell keinen Termin«, sagte Polizeisprecher Busch. Die linke Kampagne mobilisierte trotzdem weiter vor das Haus am Weinbergspark. »Wenn die Räumung nicht stattfindet, werten wir das als Erfolg der Action Weeks«, meint Wagner.

Ob das Projekt in Mitte aber auf Dauer gesichert ist? »Die juristischen Prozesse haben wir alle verloren«, sagt ein ehemaliger Bewohner der »Brunnen 183«. Damit sei klar, dass es sich um eine Neubesetzung handele, und die sei nach der sogenannten Berliner Linie nicht erlaubt. Das alternative Wohnprojekt bleibe also akut räumungsbedroht. Während die Auseinandersetzungen um Hausprojekte und vor allem die militanten Anschläge für viele Bürger in der Stadt eher unverständlich bleiben, sieht das bei der für Sonnabend geplanten Besetzung des ehemaligen Innenstadtflughafens anders aus. Das Vorhaben der Initiative »Squat Tempelhof« fällt nämlich in den benachbarten Wohngegenden durchaus auf fruchtbaren Boden, weil viele nicht nachvollziehen können, warum das Gelände auch acht Monate nach Schließung des Flugfeldes weiter geschlossen ist. Die Grünen betonten gestern nochmals ihre Unterstützung der Besetzung: »Der Senat ist gefordert, die Aktionen am Wochenende mit Augenmaß zu begleiten und die Bürger nicht zu kriminalisieren.«

Zuvor hatte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Okkupations-Pläne scharf kritisiert, weil sie auf »Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch« hinausliefen, wenn der Zaun überwunden werde. Auch der Landesverband der LINKEN distanzierte sich gestern von der Aktion. Darüber zeigten sich wiederum die linken Aktivisten von »Squat Tempelhof« verblüfft: Hätten doch Wowereit und Rot-Rot stets ein Tempelhof für alle versprochen. Stattdessen gebe es nun eine Vision von Tempelhof für Reiche.

Ein Bürger wollte unterdessen nicht mehr länger warten, er versuchte am Mittwoch mit einem Bolzenschneider auf das Flughafen-Gelände zu gelangen – der Mann wurde festgenommen.

tempelhof.blogsport.de/
wba.blogsport.de/

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