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Von Gerd Fesser
27.06.2009

Die Schüsse in Sarajevo

Wie der Erste Weltkrieg 1914 begann ...

Am 28. Juni 1914 stattete der österreichisch-ungarische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, der Hauptstadt Bosniens, Sarajevo, einen Besuch ab. Das Kaiserreich Österreich-Ungarn umfasste damals das Gebiet der heutigen Staaten Österreich, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Kroatien und Bosnien, dazu das östliche Galizien (heute ukrainisch) und Siebenbürgen (heute rumänisch).

An jenem Sommertag vor 95 Jahren herrschte strahlender Sonnenschein. Der Erzherzog fuhr in einem Kabriolett, dessen Verdeck zurückgeklappt war. Gegen 10.45 Uhr bremste sein Chauffeur am Eingang der Franz-Joseph-Straße, um zu wenden. In diesem Augenblick stürzte aus einer Menschenmenge ein junger Mann hervor und zog eine Pistole. Aus kurzer Entfernung feuerte er zweimal. Der Erzherzog und seine Frau Sophie, Herzogin von Hohenberg, wurden tödlich getroffen.

Der Attentäter und die »Schwarze Hand«

Der Todesschütze hieß Gavrilo Princip und war 19 Jahre alt. Er war bosnischer Serbe, Sohn eines Bauern. Seit 1912 besuchte er in Belgrad das Gymnasium und lebte in bitterer Armut. Während des ersten Balkankriegs hatte er versucht, sich den serbischen irregulären Truppen, Komitadschi, anzuschließen, war aber wegen seines kleinen Wuchses abgewiesen worden. Seitdem träumte er mit gleichgesinnten Jünglingen von der Befreiung der südslawischen Gebiete Österreich-Ungarns, von »Tyrannenmord« und Opfertod.

Der Kaiser von Österreich und König von Ungarn, Franz Joseph I., stand 1914 bereits im 84. Lebensjahr. Es war mit einem baldigen Thronwechsel zu rechnen. In dem energiegeladenen Franz Ferdinand sahen Princip und seine Freunde einen gefährlichen Gegner. Als sie erfuhren, dass er zu Manövern nach Bosnien kommen werde, beschlossen sie, ihn zu ermorden. Waffen erhielten sie von dem nationalistischen Geheimbund »Vereinigung oder Tod«, auch »Schwarze Hand« genannt, geführt vom Chef des serbischen Militärgeheimdienstes, Oberst Dimitrijevic. Vertrauensleute der »Schwarzen Hand« schulten Princip und Gefährten im Waffengebrauch und schleusten sie über die Grenze nach Bosnien. Die serbische Regierung stand selbst unterm Druck der »Schwarzen Hand« und war nicht an der Vorbereitung des Attentats beteiligt.

Dieses fiel in eine Zeit, in der sich die Spannungen zwischen dem deutsch-österreichischen und dem Machtblock Großbritannien, Frankreich und Russland, der Entente, zugespitzt hatten. In Österreich-Ungarn wollte eine von Generalstabschef Conrad von Hötzendorf geführte »Kriegspartei« das Attentat als Vorwand benutzen, um gegen Serbien einen Angriffskrieg zu führen und den Staat zu zerschlagen. Doch hinter Serbien stand dessen Schutzmacht Russland. Österreich-Ungarn konnte einen Angriff nur dann wagen, wenn ihm die militärische Hilfe Deutschlands sicher war.

Am 5. und 6. Juli fragten Beauftragte der österreichischen Regierung bei Kaiser Wilhelm II. und Reichskanzler Bethmann Hollweg an, wie Deutschland sich bei einem Angriff auf Serbien verhalten würde. Der Kaiser und die deutsche Reichsregierung stellten den Wiener Regierenden einen riskanten »Blankoscheck« aus – ausdrücklich auch für den Fall, dass Russland in einen österreichisch-serbischen Krieg eingreifen würde. In der trügerischen Hoffnung, ein österreichisch-serbischer Krieg könne »lokalisiert« werden, drängten sie in den folgenden Wochen Österreich-Ungarn zum Angriff. Dabei nahmen sie das Risiko, dass die erhoffte »Lokalisierung« misslingen und der Konflikt in einen großen europäischen Krieg einmünden würde, bewusst in Kauf. Der Kaiser, der Kanzler und die Militärführung gingen davon aus, dass sich in den kommenden Jahren das militärische Kräfteverhältnis zunehmend zugunsten der Ententemächte verschieben würde, im Augenblick aber ein Sieg des deutsch-österreichischen Blocks noch möglich sei.

Am 23. Juli richtete die österreichische Regierung an Serbien ein Ultimatum. Es war bewusst so formuliert, dass die serbische Regierung es nicht annehmen konnte. So wurde gefordert, dass Organe der österreichischen Regierung berechtigt sein sollten, in Serbien an der Unterdrückung der großserbischen Bewegung und an den Untersuchungen gegen Beteiligte am Attentat mitzuwirken. Die serbische Regierung antwortete sehr entgegenkommend, lehnte aber die beiden genannten Forderungen ab.

Berlins Ultimatum an Moskau

Daraufhin erklärte die österreichische Regierung am 28. Juli Serbien den Krieg. An diesem Tag lief das Räderwerk der Militärbündnisse und militärischen Planungen an. Die russische Regierung befahl am 30. Juli als erste die Mobilmachung ihrer Streitkräfte. Daraufhin richtete die deutsche Reichsregierung am 31. Juli an Russland ein Ultimatum, in dem sie verlangte, die Mobilmachung rückgängig zu machen. Das Ultimatum blieb unbeantwortet.

Am 1. August ordneten Frankreich und Deutschland die Mobilmachung an, und am gleichen Tage erklärte die deutsche Reichsregierung Russland den Krieg. Am 3. August folgte die deutsche Kriegserklärung an Frankreich. Einen Tag später überfielen deutsche Truppen das neutrale Belgien, und Großbritannien erklärte dem Deutschen Reich den Krieg. Das Völkermorden nahm seinen Lauf.

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