Berlin ist nicht einfach nur so Hauptstadt, sondern ganz besonders die der Studentenkinder. Dabei findet man hier nicht nur den bundesweit höchsten Anteil von Studierenden mit Kind. Die Hochschulen sind darauf auch gut eingestellt, offenbart die gestern vorgestellte Studie über »Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Lebensverlauf von Familien in Berlin«. Mitautorin Svenja Pfahl vom Berliner Institut für Sozialwissenschaftlichen Transfer (Sowitra) gestand im Roten Rathaus eine gewisse Überraschung. »Viele Studierende mit Kindern kommen hierher.«
Mit seinem vielfältigen und umfangreichen Angebot der Kindertagsbetreuung belege Berlin bundesweit einen Spitzenplatz, konstatierte Peter Ruhenstroht-Bauer, Vorsitzender des Berliner Familienbeirates. Wie er erläuterte, gehe es um Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse, mit der Studie um die Vorbereitung des Familienberichtes 2010. Den wolle der Beirat nicht als dickes Buch übergeben, sondern bereits in Zwischenschritten Auskunft geben.
Vielfach gebe es eine gute Ausgangslage. »Doch wenn man genauer hinguckt, gibt es durchaus noch Probleme«, meinte Ruhenstroht-Bauer. So habe nur ein Prozent aller Unternehmen eine Betriebsvereinbarung zur Förderung von Beruf und Familie oder zur Chancengleichheit von Frauen und Männern. Häufig würden praxisnahe Konzepte vermisst, wenn auch immer mehr Unternehmen Familienfreundlichkeit als Standortfaktor verstünden.
Wegen des Anteils von einem Drittel Alleinerziehender mit Kindern unter 18 Jahren fordert der Beirat von Arbeitsagenturen, Jobcentern und Arbeitgebern stärkeres Engagement. »Die meisten Alleinerziehenden wollen arbeiten. Sie benötigen jedoch flexible Kinderbetreuung und kompetente Ansprechpartner in den Jobcentern.«
Zudem beklagte der Beiratsvorsitzende namens vieler befragter Eltern ein Informationsdefizit. Es gebe eine Fülle von Angeboten, doch wüssten viele Menschen nicht so recht, welche und wo man sie finde. So fordert der Beirat ein zentrales Informationsportal. Hier sollen Antworten gegeben werden »auf alle Fragen, die für Familien wichtig sind«. Auf Webseiten mancher Bezirke wie Pankow, Zehlendorf und Wedding ließen sich in den Ferien Angebote für Kinder finden. Solch einen Service gebe es aber leider nicht für die ganze Stadt. »Das lässt sich auf viele andere Probleme übertragen.«
In West und Ost könne man gut leben, versuchte Svenja Pfahl eine Zusammenfassung. In östlichen Bezirken seien die Einrichtungen allerdings früh und abends länger geöffnet. Als »interessante Lösung« führte sie einen Betrieb an, der mit der Kita um die Ecke kooperiere. Mit ihr sei »Notfallbetreuung« von Kindern vereinbart, im Gegenzug würden Mitarbeiter zur Begleitung bei Ausflügen freigestellt. Beispiele über den Kiez hinaus zu tragen sei ein Anliegen des Beirates, hatte dessen Vorsitzender versichert, und gefordert, dort »nachzuarbeiten, wo es nicht so gut läuft«.
Geschäftsstelle des Beirates für Familienfragen, Oranienburger Straße 13-14, Mitte, Telefon: 20 08 91 60, Fax 20 08 91 69, post@familienbeirat-berlin.de, www.familienbeirat-berlin.de
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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