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Von Birgit v. Criegern 02.07.2009 / Inland

Rätselhafte Brandverletzungen

Zündeten Neonazis in Sachsen-Anhalt einen irakischen Flüchtling an?

In der Nacht auf Mittwoch erlitt ein irakischer Flüchtling schwere Brandverletzungen unweit des Asylbewerberheimes Möhlau in Sachsen-Anhalt. Der 29-jährige Vater zweier Kinder war um zwei Uhr morgens mit schweren Verbrennungen von einem Spaziergang zurückgekehrt. Die genauen Umstände des Tatherganges geben der Polizei bislang Rätsel auf.

Die Frau des Opfers brachte am Dienstagabend die Kinder zu Bett , während ihr Mann zu einem Spaziergang aufbrach. Nichts besonders, schließlich lebt die kleine Familie bereits seit zwei Jahren in dem Heim. Doch Zum großen entsetzten der Ehefrau, kam der junge Iraker schwer verletzt von seinem Spaziergang zurück: »Er klopfte laut an die Tür. Als er hereinkam, sah ich, dass er blutete, vom Kopf bis zu den Füßen. Die Haut war weg«. Daraufhin ließen die Heimbewohner einen Krankenwagen rufen.

Die Polizei bestätigte die Angaben der Irakerin. So sagte Ralf Moritz von der Landespolizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost gegenüber ND, dass der Betroffene großflächige Brandverletzungen am Oberkörper davongetragen habe. Es gebe eine Aussage aus dem Umfeld des Opfers, dass der Heimbewohner angezündet worden sei. Zu den Ermittlungen über den Vorfall müsse jetzt der Staatsschutz herangezogen werden. »Dabei ist ein Anfangsverdacht auf eine politisch motivierte Straftat vorhanden«, betonte Moritz.

Augenzeugen gibt es bislang nicht. Die Migranten in Möhlau gehen indessen von einem rassistischen Übergriff aus. Ihre ständige Angst vor Angriffen hatten die Bewohner im April in einem offenen Brief an das Landratsamt bekundet. Dabei hatten sie auch die isolierte Lage des Asylbewerberheims beklagt, das sich in einem Wald, drei Kilometer vom nächsten Ort entfernt, befindet. Laut Salomon Wantchoucou von der Flüchtlingsinitiative Möhlau fühlen sich die Bewohner, darunter zahlreiche Kinder, hier Gefahren ausgeliefert. »Wir würden uns sicherer fühlen, wenn wir in einer Stadt, z. B. in Wittenberg, untergebracht wären,« sagt er gegenüber ND. Mehrmals wäre es zu rassistischen Bedrohungen in der Umgebung gekommen. Vor rund zwei Monaten seien Unbekannte in der Nähe des Heims mit einem Benzinkanister bemerkt worden. Daraufhin hätten Bewohner die Polizei verständigt. Polizeisprecher Moritz äußert dazu, der Vorfall werde nun in die Ermittlungen mit einbezogen.

Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen bei der Unterbringung will man beim Landratsamt Wittenberg vorerst nicht einleiten. »Für uns ist abzuwarten, was die polizeilichen Ermittlungen ergeben«, äußerte Landkreissprecher Ronald Gauert. Marco Steckel von der Mobilen Opferberatung Dessau, die die Familie des Betroffenen betreut, sagte ND: »Genauere Erkenntnisse zum Vorfall können wir nur von dem Opfer selbst bekommen.« Doch die isolierte Lage des Heims ist kaum zumutbar für die Betroffenen, so Steckel. Sie hätten keine Möglichkeit, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Deshalb müsse man die Flüchtlinge dezentral in Wohnungen unterbringen.

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