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Von Hans-Gerd Öfinger
22.07.2009

Repression hinter der Fassade

Proteste gegen Zustände in pakistanischer Merck-Filiale

In eigenen Publikationen präsentiert sich der weltweit operierende Darmstädter Chemie- und Pharmakonzern Merck gern als Wohltäter. Die Realität sieht anders aus. Im pakistanischen Quetta protestieren Gewerkschafter gegen Repressalien.

Die Firma Merck – zu 75 Prozent im Familienbesitz – stellt sich gern als Umweltfreund und Sponsor von Alphabetisierungs-, Gesundheits- und Entwicklungsprojekten dar. Örtliche Gewerkschaften in der Merck-Niederlassung im pakistanischen Quetta (Provinz Belutschistan) hingegen prangern Hungerlöhne und den Missbrauch von Leiharbeit an und werfen der Geschäftsleitung willkürliche Kündigungen und Kungelei mit örtlichen Behörden bei der Unterdrückung missliebiger Gewerkschafter vor. In Quetta werden Rohstoffe für die Arzneimittelproduktion hergestellt.

»Verantwortung übernehmen, das prägt unsere Kultur seit vielen Generationen. Wir verstehen uns als Teil der Gesellschaft – an den einzelnen Standorten wie global«, verspricht die Website www.merck.de: »Für uns ist es selbstverständlich, ehrlich und umfassend über unser Engagement zu informieren.« Ein aktueller internationaler Hilferuf des pakistanischen Gewerkschaftsverbands PTUDC (Pakistan Trade Union Defence Campaign, www.ptudc.org) zeichnet indes ein ganz anderes Bild von der sozialen Realität für die Beschäftigten der Filiale in Quetta, die unter der Bezeichnung Merck Marker (Pvt.) Ltd. firmiert.

Bis Anfang Juli gab es im dortigen Betrieb 170 fest angestellte Mitarbeiter sowie 300 Leiharbeiter und 30 Verwaltungsnachwuchskräfte. Forderungen aus der Belegschaft nach besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen speziell für Leiharbeiter habe die Geschäftsleitung wiederholt abgelehnt und mit der Drohung einer kompletten Werksschließung beantwortet, kritisiert die PTUDC. Nach der Entlassung von zwölf Leiharbeitern und zwölf Verwaltungsnachwuchskräften im Juni 2009 bildete sich in der Belegschaft ein Aktionskomitee. Die Beschäftigten verweigerten Überstunden. Nun drohte die Geschäftsführung damit, die 300 Leiharbeiter ohne Abfindung zu entlassen.

Die PTUDC suchte den Kontakt zu örtlichen Politikern und der Provinzregierung, stieß dabei jedoch auf taube Ohren. Die Politiker hätten die Gewerkschafter aufgefordert, zur Erhaltung des Merck-Standorts ihre Proteste einzustellen, beklagt die PTUDC. Der Konflikt eskalierte, als am 10. Juli 280 Leiharbeiter entlassen wurden. »Das ist wie wenn man 280 Familien das Brot wegnimmt«, kommentiert die PTUDC die Folgen für die Betroffenen.

Wenig später wurden acht Gewerkschafter bei der Polizei angezeigt; der betriebliche PTUDC-Gewerkschaftssprecher, Manzoor Baloch, wurde festgenommen. Ihm werfen die Staatsorgane gezielten Mord, terroristische Aktivitäten und die Störung der öffentlichen Ordnung vor. Einen Tag später flammten erste Proteste gegen diese Polizeimaßnahmen auf, bei denen die sofortige Freilassung des Gewerkschafters, die Rücknahme der Kündigungen und die Einstellung aller Verfahren gefordert wurden. Auch die Kinder der Entlassenen protestierten mit.

Am 13. Juli kam es zu Polizeiübergriffen und zur Festnahme von 150 demonstrierenden Merck-Beschäftigten. Die PTUDC und der Gewerkschaftsbund PWF (Pakistan Workers' Confederation) fordern in einem gemeinsamen Aufruf die Freilassung aller festgenommenen Arbeitnehmer, die Einstellung aller Verfahren und die Wiedereinstellung aller Arbeitnehmer von Merck mit unbefristeten Arbeitsverträgen. Inzwischen interessiert sich auch der Europäische Betriebsrat von Merck für die Vorgänge. Dem Vernehmen nach dürfte die Lage in Quetta auch bei der Sitzung des Merck-Aufsichtsrats am Donnerstag zur Sprache kommen. Die Unternehmenskommunikation wollte sich am Dienstag auf ND-Anfrage nicht äußern.

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