Hans-Dieter Schütt
04.08.2009
Personalie

Nun Grieche

Gojko Mitic wird ab kommendem Wochenende in Schwerin Alexis Sorbas sein

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Den Pierre Brice hat er hinter sich, nun kommt ein wirklicher Brocken: Anthony Quinn. Gojko Mitic war über Jahre der Nachfolger von Brice' Winnetou bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg – ab kommendem Wochenende ist er beim Freiluft-Musical des Mecklenburgischen Staatstheaters Alexis Sorbas. Weltberühmt durch den Film mit Quinn.

Des langjährigen DEFA-Helden schauspielerisches Wesen, einmal mehr gefordert, von so vielen gewünscht: Wieder ein Kerl, aus dem die Stimme des wallenden Blutes spricht; wieder die Weisheit eines ewig Fremden, der in der Rastlosigkeit seine Geduld fand, in der Entbehrung seine Zähigkeit, im muskulösen Charme seine Erotik.

Der Serbe, der ein DDR-Bürger wurde; der Deutsche, der ein Serbe bleibt. Mitic – Jahrgang 1940, Sportstudent, Sohn einer Bauernfamilie, der Vater war Partisan im Zweiten Weltkrieg – verdingte sich als Nebenverdienstler bei Wildwest-Filmen, denn Jugoslawiens Karst war damals das preiswerteste Amerika in Europa. Nicht nur westdeutsche Filmteams kamen, zum Glück auch DEFA-Scouts. Die Babelsberger Pfadfinder bewiesen Spürnase, das Engagement Mitics für »Die Söhne der Großen Bärin« bescherte der DDR einen Star, dessen Popularität höchstens noch Manfred Krug die Friedenspfeife reichen konnte. Tecumseh, Chingachgook, Osceola und andere – Mitic war für Ostdeutsche der Sendbote ihrer Abenteuerlust, zugleich erzählten diese Indianerfilme vom Unterboden eines gütigen Internationalismus. Die DEFA-Wildwestern ließen nichts außer acht, was zu einem handfesten Streifen des Genres gehörte – aber in ihrer Seele, wenn man das so sagen darf, lebte etwas wunderbar Ungelenkes, Naives; wo zugeschlagen, geschossen, erdolcht wurde, dann geschah es mit Kultur, die um Grenzen der Brutalisierung wusste.

Mitic, seit langem Wahlberliner, hat in Schwerin auch den Indianer Bromden gespielt, in »Einer flog übers Kuckucksnest«. Nun also der Grieche aus dem Roman von Nikos Kazantzakis. Er wird singen und tanzen, er will »sich in den Sorbas hineinleben«, aber er wird auch in dieser Rolle der berühmteste Indianer des Ostens bleiben – es gibt Rollen, die wird man nie wieder los, und Mitic gehört zu jenen, die das ein großes Glück nennen dürfen.

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