Von Barbara Reitter
11.08.2009

Paradiese

Augsburg zeigt:

Beim Rundgang durch das Pariser Musée Rodin im Jahr 1929 erfasste den Studenten Alexander Kasser (1909-1997) eine Leidenschaft, die ihn nie mehr loslassen sollte: er war fasziniert von der Skulptur »L'éternelle idole«. Obschon der junge Ungar fast mittellos war, wollte er das Werk unbedingt kaufen – doch erst mehr als 40 Jahre später gelang ihm der Erwerb eines Abgusses dieser Inkunabel der Moderne, die eines der Paradiese auf Erden versprach: das Reich der Erotik. Jetzt bildet Rodins Bronze den Auftakt einer außergewöhnlichen Schau im Schaezlerpalais in Augsburg, wo unter dem Titel »Irdische Paradiese« mehr als 100 Arbeiten der amerikanischen Kasser Art Foundation präsentiert werden.

In 14 Räumen sind in chronologisch-thematischer Hängung erstmals in Europa Meisterwerke aus den mehr als 400 Stücken der privaten Kasser-Kollektion mit den Schwerpunkten Impressionismus und klassische Moderne versammelt, die bis zu Pollock gehen. Das Ehepaar Kasser, nach der Emigration aus Ungarn in den USA reich geworden in der Papierindustrie, kaufte Gemälde, Grafiken und auffallend viele Skulpturen. In der Ausstellung gibt es eine ganze Reihe Arbeiten Rodins, darunter die berühmte Balzac-Büste, den »Mann mit gebrochener Nase« oder die »Mutter mit Kind in der Grotte«, aber auch Entwürfe für das »Höllentor« – der Gegenentwurf zum Paradies.

Unter den bildhauerischen Werken befinden sich mehrere Figuren von Marino Marini. Dazu zählt auch der Reiter mit den ausgebreiteten Armen. Doch auch eine Frauenfigur von Maillol, ein Männerkopf Picassos, Lipchitz' Harlekin, ein Paar von Moore, eine surreale Kleinplastik von de Chirico und abstrakte Arbeiten der Österreicher Hrdlicka und Wotruba sind zu sehen.

Darstellungen des Paradieses gibt es auch in der Malerei; neben den erotische Akten eines Renoir mit seinen rosigen Frauen oder der katzenhaft »Schlafenden« von Matisse zeigt die Schau irdische Paradiese der Landschaft. Paul Signacs »Au temps d'harmonie« schildert die Utopie harmonischen Zusammenlebens, viele idyllische Seestücke und dramatische Strandbilder wirken hingegen wie Sehnsuchtsbilder eines verlorenen Paradieses.

Irdische Paradiese – Meisterwerke aus der Kasser Art Foundation. Bis 22. November, Schaezlerpalais, Augsburg, Maximilianstraße 46, Augsburg, Di u. Do 10-20, Mi, Fr-So 10-18 Uhr

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