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Fragwürdig

Warum wurde erst jetzt gestreikt?

Ilona Ritter über den Ausstand der LTU-Piloten und die zähe Tarifrunde / Ilona Ritter ist im Vorstand der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) für Tarifpolitik zuständig

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ND: Am Dienstag sind die Piloten der Air Berlin-Tochter LTU in einen zehnstündigen Streik getreten. Noch einmal zum Verständnis: Was war dem vorausgegangen?
Ritter: Wir haben seit Beginn des Jahres mit der Arbeitgeberseite über ein großes Paket mit verschiedenen Inhalten verhandelt. Diese alle aufzuschlüsseln, würde zu weit führen. Darin spielte auch das Thema Vergütung natürlich eine Rolle. Wir haben den alten Vergütungstarifvertrag ordnungsgemäß zum Ende 2008 gekündigt, er ist jetzt in der Nachwirkung.

Mit diesem Paket sind wir bereits im Februar gescheitert. Danach haben wir eine Urabstimmung eingeleitet und uns von den Kollegen die Zustimmung zu Arbeitskampfmaßnahmen geholt. Die Arbeitgeber wussten also seither zu jedem Zeitpunkt, dass sie mit einem Streik rechnen müssen.

Im Moment sieht es so aus, dass die Arbeitgeber bisher immer noch kein ausreichendes Angebot beim Vergütungstarifvertrag vorgelegt haben.

Warum haben Sie nicht schon im Februar gestreikt, wenn Sie die Urabstimmung bereits durchgeführt hatten und die Verhandlungen nicht weiterführten?
Weil der Arbeitgeber nach dem Scheitern der Verhandlungen wieder auf uns zugekommen war. Wir sahen eine Chance, doch noch zueinander zu kommen und versuchten, Teile des Paketes – darunter eben auch den Vergütungstarifvertrag – weiter zu verhandeln.

Von April an waren wir dabei auf einem recht guten Weg. Und es gab auch immer wieder Bemühungen von der Arbeitgeberseite, an den Verhandlungstisch zurückzukommen.

Bislang haben wir aber immer noch kein einziges Ergebnis erzielen können. Deshalb denken wir nun, dass wir doch hingehalten werden und die Arbeitgeber bei den Verhandlungen nicht ernsthaft an einer Lösung orientiert sind.

Würden Sie sagen, dass die Verhandlungen nun endgültig gescheitert sind?
Nein. Wir sind auch weiter zu Verhandlungen bereit. Nur hatten wir jetzt mehrere, auch zweitägige Verhandlungsrunden. Unsere Mitglieder fragen uns daher zu Recht, wie lange wir uns noch hinhalten lassen wollen. Den Piloten reicht es.

Der Arbeitskampf vom Dienstag ist daher eine begleitende Maßnahme zu möglichen neuen Verhandlungen.

Wird es noch weitere Streiks geben?
Geplant sind bislang keine. Ich schließe jedoch nicht aus, dass wir weitere Streiks durchführen werden.

Könnten diese auch noch einmal in der Ferienzeit stattfinden?
Das will und kann ich nicht sagen. Es hängt vom weiteren Vorgehen des Arbeitgebers ab. Man wird jetzt schauen müssen, wie schnell und mit welchen Botschaften dort reagiert wird.

Der Arbeitgeber muss sich jetzt überlegen, ob er auch nach dem Streiktag an den Verhandlungstisch zurückkehren will. Wir sind dazu bereit – nur über Verhandlungen kann letztlich ein Ergebnis erzielt werden.

Wie viel Lohnerhöhung fordern Sie?
Wir haben fünf Prozent für die Tabelle gefordert. Aber das ist nur ein Teil. Daneben spielen noch weitere Elemente eine Rolle, die ich aber nicht beziffern kann, weil wir das nicht genau ausgerechnet haben. Das müssen wir auch nicht. Als Tarifpartner steht es uns frei, Forderungen aufzustellen und jetzt geht es darum, darüber zu verhandeln.

Fragen: Ina Beyer

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