»Schmeißt den Spernau raus«, skandiert die Gruppe. Viele haben Streikwesten an. Sie sind Beschäftigte der Lippischen Nervenklinik. Am 30. Juli hat Klinikgeschäftsführer Alexander Spernau sie ausgesperrt. Er reagierte damit auf einen Streik, den 42 von 110 Klinikbeschäftigten am 30. April begonnen hatten, um den Abschluss eines Tarifvertrages durchzusetzen. Spernau lehnt einen solchen strikt ab. Der ehemalige Investmentbanker erklärte im Lokalradio, die Klinik sei ein wirtschaftliches Unternehmen. Medizin ohne Wirtschaftlichkeit sei nicht zukunftsfähig.
Weil Arbeitsverträge individuell ausgehandelt werden, verdienen die Mitarbeiter der Lippischen Nervenklinik bei gleicher Qualifikation 250 bis 400 Euro weniger als die nach Tarif bezahlten Beschäftigten anderer Krankenhäuser.
Für Volker Hoppmann, der für den Fachbereich Gesundheit und soziale Dienste im ver.di-Bezirk Herford-Minden-Lippe zuständig ist, signalisiert dieser Arbeitskampf nicht nur einen tariflichen, sondern auch einen gesellschaftspolitischen Konflikt, bei dem auf der einen Seite die Unternehmer stehen, die am liebsten jederzeit Lohnkosten senken würden. Spernau hält Tarifverträge für »nicht mehr zeitgemäß«. Selbst als ver.di eine Aussetzung des Streiks anbot, war er nicht zu Verhandlungen bereit. Nun setzt er Leiharbeiter ein, die die Arbeit der Ausgesperrten übernehmen.
Ver.di-Vorsitzender Frank Bsirs-ke griff die Geschäftsführung der Klinik heftig an: »Mit zum Teil unausgebildeten Leiharbeitern wird hier auf Kosten von psychisch Kranken versucht, Dumpinglöhne im Pflegebereich durchzusetzen. Das ist ein einmaliger Vorgang in der deutschen Psychiatrie.« Bsirske besuchte die Ausgesperrten am Donnerstag. Zu den Streikenden sagte er: »Ihr zeigt seit vielen Wochen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht bereit sind, vor der Willkür eines Arbeitgebers zu kapitulieren. Darauf könnt ihr zu Recht stolz sein.«
Er ist nicht der Einzige, der sich mit den Klinikbeschäftigten solidarisiert. Landespolitiker der SPD und der LINKEN nahmen schon an den Kundgebungen der Ausgesperrten teil. Die Beschäftigten stellen sich auf längere Auseinandersetzungen ein. »Die Aussperrung war schmerzvoll«, meint Kathrin Brucka, die seit 19 Jahren in der Klinik arbeitet. »Aber wir werden lächelnd an unsere Arbeit zurückkehren.«
Für den 22. August ruft ver.di vor der Klinik zu einer Solidaritätskundgebung auf.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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