Leuchte aus – nicht nur in Lichtenrade
Foto: Ulli Winkler
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Wenn es um ihre Straßenbeleuchtung geht, werden Berliner gerne nostalgisch, wollen weiter Gaslaternen statt elektrisch betriebener Lampen. So setzen sich die Mitglieder des Vereins »Pro Gaslicht« vehement für die Erhaltung und Förderung des Gaslichts als Kulturgut ein. »Der Senat dreht den Gaslaternen den Hahn ab«, so der Vorwurf der stellvertretenden Vorsitzenden Bettina Grimm.
Jüngstes Beispiel ist laut Grimm die Beleuchtung im Baldersheimer Weg in Lichtenrade. Hier lasse die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gerade 400 Gasreihenleuchten gegen Elektroleuchten austauschen. Insgesamt gebe es noch etwa 8400 Straßenlampen dieses Typs in der Stadt. Der Vorwurf der Freunde des Gaslichts: Der Austausch sei viel zu teuer. Es gebe keinen Grund, die funktionierenden und betriebssicheren Gasleuchten auszutauschen. Insgesamt existierten in Berlin noch etwa 44 000 Gaslaternen. Das sei einmalig in Europa. Diese Leuchten verströmten wärmeres Licht als elektrisch betriebene Straßenlaternen. »Goldgelbes und honigfarbenes Gefunkel allenthalben«, schwärmen Vereinsmitglieder.
Die Senatsverwaltung hält dagegen, durch den Austausch der 8400 Lampen würden hier bei der Beleuchtung 90 Prozent des Energieverbrauchs gesenkt. Sprecher Marko Rosteck erläutert: »Gasreihenleuchten sind besonders energie- und kostenintensiv. Wir sparen 9200 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr.« Die Rechnung des Senats: Eine Gasreihenleuchte kostet 433 Euro jährlich an Energie, eine Elektroleuchte 30 Euro. Die Instandhaltung einer Gasleuchte kostet 223 Euro im Jahr, eine Elektroleuchte ganze 10 Euro.« Außerdem seien Gasleuchten viel anfälliger. »Die Umrüstung der 8400 Gasreihenleuchten wird mit rund 25 Millionen Euro zu Buche schlagen. Diese Investition wird sich nach fünf bis sechs Jahren amortisiert haben«, so Marko Rosteck.
Der Verein »Pro Gaslicht« ist von den Argumenten der Senatsverwaltung nicht überzeugt. »Der Abbau der einzigartigen Berliner Gasbeleuchtung hat begonnen. Gegen den Willen eines Großteils der Berlinerinnen und Berliner hält die zuständige Senatsverwaltung an ihren absurden Plänen fest, die 44 000 historischen Gaslaternen ohne wirklichen Grund binnen zehn Jahren gegen elektrisch betriebene Leuchten auszutauschen«, schreibt der Verein auf seiner Internetseite. Die von keiner Elektrolampe auch nur annähernd erreichte Qualität des Gaslichts mache den Wohlfühlfaktor aus. »Eine einzigartige behagliche Atmosphäre«, so die Vize-Vereinsvorsitzende Bettina Grimm. Obendrein seien Gasleuchten überhaupt nicht so umweltfeindlich wie vom Senat behauptet werde. »Elektrisches Licht hat ultraviolette Strahlen«, so Grimm. »Dadurch werden Kleinstlebewesen angezogen und quasi gegrillt.« Diese Lebewesen seien aber wieder wichtig für Vögel. »Wenn es keine Fliegen mehr gibt, verschwinden auch die Vögel«, befürchtet Bettina Grimm.
Die Sorgen von »Pro Gaslicht« seien anachronistisch und mit Blick auf den Umweltschutz absolut von der Hand zu weisen, meint die Senatsverwaltung. »Außerdem stehen vor allem in der Innenstadt schon viele Elektroleuchten, die nur noch so aussehen wie Gaslaternen«, verrät Rosteck. »Pro Gaslicht« befürchte das Ende der historischen Gasbeleuchtung. »Wir haben aber nicht geplant, außer den 8400 Reihenleuchten weitere Gaslaternen auszutauschen.«
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