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Von Oliver Händler 21.08.2009 / Sport

Vier mutige Menschen im Abseits

Antidoping-Kämpfer mit Heidi-Krieger-Medaille ausgezeichnet

Horst Klehr, Hansjörg Kofink, Johanna Sperling und Henrich Misersky – um sie ging es. Das soll zuallererst erwähnt werden, wenigstens hier. Diese vier bekamen gestern vom Doping-Opfer-Hilfe-Verein (DOH) die Heidi-Krieger-Medaille verliehen. Ein Preis für Engagement im Kampf gegen Doping, benannt nach der Ex-Kugelstoßerin, die jetzt unter dem Namen Andreas als Mann in Magdeburg lebt.

Zur Erinnerung: Der DOH ist der Verein, der lila Brillen vor dem Olympiastadion verteilt hatte, um gegen Doping im Sport zu protestieren. Der neue Weltmeister Robert Harting hatte den DOH-Mitgliedern Verletzungen gewünscht und sich später dafür entschuldigt, doch um Harting ging es nicht.

Der Laudator auf der gestrigen Veranstaltung in Berlin war Professor Werner Franke – keine gute Wahl. 100 Minuten lang war seine Ehrenrede. In höchstens zehn davon redete er über Klehr, Kofink, Sperling und Misersky – die vier mutigen Menschen, die gestern aus dem Abseits geholt werden sollten. Franke sprach lieber über Dopingvertuschungen, die er in den WM-Hotels vermutet, über ahnungslose Sportmediziner oder über das »korrupte deutsche Rechtswesen«. Franke machte die Verleihung zur Show eines Mannes, um den es nun wirklich nicht ging.

Es ging um Horst Klehr. Der Apotheker und Ex-Leichtathlet wurde 1970 erster Antidopingkommissar beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Acht Jahre lang nannte er stets die Sportärzte beim Namen, die nach seiner Überzeugung gesundheitsschädigende Steroide an junge Mädchen verteilten. Als er merkte, dass im Kampf Ost gegen West auch in der BRD kein Interesse an seinen Wahrheiten bestand, verließ er den DLV.

Es ging um Johanna Sperling. Sie bekam die Medaille für einen Brief, den die Rudertrainerin aus Leipzig 1963 an ihre jungen Schützlinge schrieb. Darin bat sie, »keine Mittelchen« von anderen Trainern anzunehmen. Vielleicht rettete sie auf diese Weise die Gesundheit einiger Frauen.

Es ging um Henrich Misersky, Trainer und Vater der Biathlon-Olympiasiegerin Antje Harvey, der sich 1985 weigerte, die Anordnung von Funktionären umzusetzen, seinen Sportlern beim SC Motor Zella-Mehlis Doping zu verabreichen. Sie wurden ohne ihr Wissen trotzdem gedopt. Misersky wurde entlassen.

Und es ging um Hansjörg Kofink. Von 1970 bis 1972 war er Bundestrainer der Kugelstoßerinnen und lehnte es ab, dem anabolen Wettrüsten des Ostblocks zu folgen. Seine Athletinnen kamen nicht über 16,50 m hinaus und wurden nicht für die Olympischen Spiele in München nominiert. Eine Bestrafung fürs Nichtdopen, in seinen Augen. Auch er legte sein Amt nieder. Ob Kofink glaube, dass die DLV-Werfer, die 2009 schon vier Medaillen errungen, sauber seien? »Nein.«

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