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Die Deutsch-Türkin Umut Karakas ist Geschäftsführerin der Data 4U Gesellschaft für Kommunikationsforschung.
Foto: Data 4U
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ND: Sie haben mit einer landesweiten Studie untersucht, wie die deutsch-türkische Bevölkerung bei der Bundestagswahl abstimmen würde. Wie sieht das Ergebnis aus?
Karakas: Die Deutsch-Türken wollten zu 55,5 Prozent der SPD ihre Stimme geben, die Grünen würden 23,3 und die CDU/CSU lediglich 10,1 erreichen. Die LINKE würde bei 9,4 Prozent liegen. Mit 0,9 Prozent bliebe die FDP deutlich unter der Fünfprozenthürde.
Wen favorisieren die Befragten als Kanzler oder Kanzlerin?
Bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers wären 25,1 Prozent der Deutsch-Türken für den Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir. Der SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier bekäme 20,2 Prozent. Angela Merkel würde nur 7,5 Prozent der Stimmen erhalten und für Gregor Gysi sind noch 3,1 Prozent. Damit liegt er noch vor Guido Westerwelle, der FDP-Chef wäre nur für 2 Prozent der Befragten ein geeigneter Bundeskanzler.
Wie kommen diese Ergebnisse zustande, die, bis auf die rund zehn Prozent für die LINKE, ein völlig anderes Bild zeigen als die üblichen Umfragen?
Die Unterschiede zum Bundestrend ergeben sich durch die Wahl der Zielgruppe. Für die Deutsch-Türken sind andere Themen wichtig als für den Bundesdurchschnitt. Die Integrationspolitik und das Thema EU-Beitritt der Türkei beschäftigen sie, genauso wie die Frage der doppelten Staatsbürgerschaft. Bei diesen Themen sind SPD und Grüne vorn, schon frühzeitig war hier Integration ein Thema. Die Popularität von Cem Özdemir rührt sicher von der Tatsache her, dass er selber Deutsch-Türke ist. Er hat als Migrantenkind in der Bundespolitik etwas erreicht, kennt aber die Probleme und Lebenswelten der Migranten. Damit ist er Identifikationsfigur und Vorbild.
Wie viele der Befragten dürfen bei der Bundestagswahl als deutsche Staatsangehörige wählen?
In unserer repräsentativen Studie besitzen von den 2999 Befragten über 18 Jahre 896 tatsächlich hier das Wahlrecht und können an der Bundestagswahl teilnehmen.
Die Währung der Politik sind Wählerstimmen. Unterschätzt etwa die CDU, die im Vergleich zum tatsächlich zu erwartenden Wahlergebnis in Ihrer Studie besonders schlecht abschneidet, das Wählerpotenzial von Migranten?
Sicher, hier kann sie mehr tun. Die Deutsch-Türken fühlen sich bisher in der CDU nicht gut aufgehoben. Es gibt eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung, wonach Stoiber 2002 an fehlenden Stimmen der türkischen Migranten gescheitert ist. Vom Deutsch-Türkischen-Forum der CDU wurde, nach dem Debakel um Roland Koch bei der Hessenwahl 2008, Angela Merkel geraten, im Wahlkampf keine Ausländer- und Integrationsthemen anzusprechen.
Was würden sich türkischstämmige Bürger und auch andere Migrantengruppen allgemein von der Politik mehr wünschen?
Dass Wahlversprechen eingehalten werden und sie wählen dürfen. Die Migranten leben hier, arbeiten, zahlen Steuern, aber werden nicht gefragt. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Die EU-Ausländer dürfen an Kommunalwahlen teilnehmen, Türken, die seit 20 oder 30 Jahren hier leben, aber nicht. Die Debatten um das kommunale Wahlrecht werden immer wieder angestoßen, sicher hätte ein Integrieren in kommunale Entscheidungen einen positiven Einfluss auf die Integration, nicht nur bei den Türken.
Fragen: Markus Drescher
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