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Von Christian Bunke 28.08.2009 / Gewerkschaftliches

Faktisch ein Berufsverbot

Schwarze Liste mit Daten von 3000 Gewerkschaftern kursierte jahrelang in britischer Bauindustrie

Über Jahre »abonnierten« britische Bauunternehmer eine von einer Privatdetektei zusammengestellte schwarze Liste, die Namen von engagierten Gewerkschaftern enthielt. Wer drauf stand, stand bei seinem Arbeitgeber oft auch schnell wieder vor der Tür.

Steve Acheson ist gelernter Elektriker und langjähriger Aktivist der britischen EPIU, ein Teilbereich der Gewerkschaft UNITE, in der sich Elektriker und andere Bauarbeiter organisieren. Seine gewerkschaftlichen Aktivitäten haben ihm regelmäßig Ärger eingebracht, oft wurde er mit fadenscheinigen Begründungen entlassen.

So war das auch im letzten Februar, als er ohne Vorankündigung von einer Baustelle auf dem Gelände des Fiddlers Ferry Kraftwerks in der Nähe von Warrington entlassen wurde. Wie so oft organisierte Acheson einen Protest gegen seine Kündigung. Er stellte sich mit Transparenten vors Eingangstor. Innerhalb von Minuten kam der Vorarbeiter angerannt. »Ich bin aber nicht sehr glücklich, dass du hier stehst«, erklärte er. Achesons Antwort: »Glücklich bin ich auch nicht. Ich will meinen Job zurück.«

So wie Steve geht es vielen Gerwerkschaftsaktivisten in der britischen Bauindustrie. Tausende von ihnen sind faktisch ausgesperrt. Seit Jahrzehnten ist ihnen klar, dass dies kein Zufall sein kann. Im März dann kam der Beweis: Eine Hausdurchsuchung der britischen Informationsfreiheitsbehörde bei der Privatdetektei Ian Kerr brachte eine »schwarze Liste« zum Vorschein, auf der sich die Namen von über 3000 Gewerkschaftern befanden.

Die Liste enthielt detaillierte, aber teilweise fehlerhafte Informationen über gewerkschaftliche und politische Aktivitäten von Bauarbeitern. Bauunternehmen konnten diese Informationen gegen Gebühr abrufen. In der Regel bedeutete dies für die Betroffenen die sofortige Entlassung. Faktisch ist das ein Berufsverbot. Alle großen britischen Bauunternehmer hatten die Liste »abonniert«.

Die Arbeitgeber kämpfen mit harten Bandagen. Ihnen ist vor allem der für die gesamte Bauindustrie gültige Tarifvertrag, das NAECI Abkommen, ein Dorn im Auge. Dieses regelt Löhne und Arbeitsbedingungen und verpflichtet die Unternehmer zu Mindeststandards. Unternehmer versuchen dies regelmäßig zu unterlaufen. Daran entzündeten sich unter anderem die Arbeitskämpfe auf der Baustelle der Ölraffinerie in Lindsey im vergangenen Februar.

Die Gewerkschaften kämpfen auf der anderen Seite für eine Ausbesserung des Abkommens und fordern unter anderem eine Gehaltserhöhung. Deshalb findet im Moment ein Urabstimmungsverfahren für einen landesweiten Bauarbeiterstreik statt.

Steve Acheson hat sich derweil mit anderen Kollegen zu einer »Kampagne gegen die schwarze Liste« zusammengetan.

Privatdetektiv Ian Kerr wurde wegen der Liste zwar zu 5000 Pfund Strafe verurteilt, Acheson und seine Kollegen finden jedoch, dass dies nicht genug ist. Deshalb haben sie am Donnerstag dieser Woche eine Protestaktion im nordwestenglischen Bury vor dem Eingangstor einer Baustelle der Firma Laing O'Rourke organisiert. Die Firma war ein Hauptabonnent der Liste. Außerdem wird sie von Gewerkschaftern beschuldigt, die Praxis der schwarzen Liste bis heute weiterzuführen.

Die Arbeiter fordern, dass solche Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden. Außerdem verlangen sie die Einführung eines Gesetzes gegen solche schwarzen Listen.

Bislang hatte sich die Labour Regierung dagegen immer geweigert. Es gebe keine Beweise für solche Listen, wurde argumentiert. »Jetzt gibt es Beweise, also soll die Regierung ihr Versprechen erfüllen«, so Acheson.

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