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Von Anne Britt Arps 29.08.2009 / Berlin / Brandenburg

Mogelpackung Inklusion

Eltern kritisieren Kürzung von Schulhelferstunden

Nicht für alle Schüler verheißt der erste Schultag Gutes. Kinder mit Behinderungen, die bislang von Schulhelfern im Unterricht individuell betreut wurden, müssen um ihre pädagogische Förderung bangen. Zum Schuljahresbeginn hat hat der Senat das Kontingent für Schulhelferstunden gekürzt, kritisieren Elternverbände.

»Für viele autistische Kinder und Kinder mit anderen schweren Beeinträchtigungen ist eine Beschulung, die Schulpflicht und Schulrecht entspricht, nach den Ferien nicht mehr gewährleistet – auch nicht mehr in sonderpädagogischen Förderzentren«, befürchtet das Elternzentrum Berlin. Teilweise müssten die Kinder sogar zu Hause bleiben und von den dadurch arbeitsunfähig gewordenen Eltern betreut werden.

Für Schulhelfer hat die Finanzverwaltung für das kommende Schuljahr acht Millionen Euro veranschlagt – zu wenig, meinen Elternverbände. Das Budget basiere auf den Bedarfszahlen des Haushaltsjahres 2008, kritisieren der Landeselternausschuss, die Arbeitsgruppe Förderzentren, das Netzwerk Förderkinder und das Elternzentrum Berlin in einem Elternbrief. Unklar sei, warum man nicht mit den Bedarfszahlen des letzten Schuljahres kalkuliert hat. In diesem seien 9,5 Millionen Euro benötigt worden.

Zwar sind bislang noch keine konkreten Zahlen bekannt. Doch der Berliner Schulhilfe-Träger Tandem, der den Großteil der Berliner Schulhelfer beschäftigt, warnt vor substanziellen Mittelkürzungen. »Wir rechnen mit einem Minus von 16 Prozent. Das sind 2000 Schulhelferstunden weniger«, sagt Urs Elssel von Tandem.

»Das Ziel von Rot-Rot, mehr Schüler in Regelschulen zu integrieren, kann man unter diesen Umständen knicken«, sagt Doreen Körber vom Landeselternausschuss. Denn auch an den Regelschulen würden Stunden für Schulhelfer gekürzt, obwohl einer Integration laut Schulgesetz Vorrang gegenüber den Sonderschulen gegeben werden muss. Förderbedürftige Kinder würden daher eher wieder zurück auf Sonderschulen gehen.

In der Senatsverwaltung für Bildung wehrt man sich gegen die elterliche Kritik: »Mit den acht Millionen sind wir in der Lage, auch bei weiter steigender Kinderzahl eine gute Betreuung zu gewährleisten.« Gegenüber 2005 sei das Budget für Schulhelfer von ehemals 3,4 Millionen Euro mehr als verdoppelt worden. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der betreuten Kinder um 60 Prozent gestiegen. An den sonderpädagogischen Förderzentren sei der Einsatz von Schulhelfern wegen der ohnehin schon hohen Betreuungsquote jedoch nur noch in Ausnahmefällen möglich. »Es wird zur Prüfung der Einzelfälle kommen«, versicherte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) gestern.

In einem Bericht bemängelte auch der Sozialverband Deutschland die Bedingungen, unter denen Integration in Berliner Schulen tatsächlich praktiziert werde. Zu große Klassen und eine schlechte Ausstattung der Schulen seien hier gang und gäbe, und auch in Sonderschulen müssten sich Eltern therapeutische Leistungen oder Assistenz für ihre Kinder oft erst erstreiten.

Auf dem Internetdienst Twitter veröffentlichen betroffene Schulen und Eltern Neuigkeiten zum Thema: »Die Grüngürtel-Schule in Spandau empfiehlt Eltern, die Schule zu wechseln, da Schulhelferstunden fehlen«, »An Berliner Berufsschulen mit sonderpädagogischem Schwerpunkt wurden ALLE Schulhelferstunden abgezogen!« oder »Mutter verliert Job durch fehlenden Schulhelfer«.

Die Eltern trommeln nun zum Protest. 35 Eltern haben laut Doreen Körber bereits erklärt, dass sie die Betreuung ihrer Kinder vor Gericht einklagen wollen.

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