Von Markus Drescher
09.09.2009
Standpunkt

Allein gelassen

Gestern im Bundestag: In den Debattenbeiträgen der Befürworter des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr ist immer wieder die Rede davon, dass man die deutschen Soldaten bei ihrem schweren Einsatz nicht allein lassen dürfe und dass sie Anerkennung verdienten.

Gestern im Bendlerblock, dem Sitz des Verteidigungsministeriums: Ein Ehrenmal zur Erinnerung an die getöteten Bundeswehrsoldaten wird eingeweiht.

Wenn den politischen Kriegsbefürwortern wirklich nichts Besseres zur Unterstützung der Bundeswehrsoldaten einfällt als ein Ehrenmal für die Toten, dann stehen die Uniformierten tatsächlich alleine da. Anerkennung schön und gut, tot sind sie trotzdem.

Das, was den Soldaten tatsächlich helfen würde und von einer Mehrheit der Bevölkerung befürwortet wird, nämlich ein Konzept zum schnellstmöglichen Abzug aus Afghanistan, haben Diejenigen, die die Soldaten in den Krieg zum Töten und Sterben schicken, nicht. Anstatt sich um friedliche Konfliktlösungen zu bemühen – generell, nicht nur in Afghanistan –, die ein Ehrenmal gar nicht erst notwendig machen würden, wird weiter auf kriegerische »Lösungen« gesetzt.

Die Gesellschaft müsse sich daran gewöhnen, dass Tod und Verwundung zu den Einsätzen gehörten, meint Bundeswehrverbands-Sprecher Winfried Stolze. Für die afghanische Bevölkerung gehört das zur täglichen Realität. Wer erinnert an ihre zivilen Opfer – getötet auch von deutschen Soldaten?

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