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Von Gisela Dürselen, München 14.09.2009 / Inland

Alternative zu Erwerbsarbeit und Hartz IV

Die Woche des Grundeinkommens begann mit zweitägigem Kongress in München

An diesem Wochenende wurde die zweite internationale Woche des Grundeinkommens mit einem Kongress eingeläutet. Eine Existenzsicherung zwischen 700 und 1000 Euro wurde auf dem Kongress für möglich und finanzierbar gehalten.

Was wäre, wenn jeder Bürger so viel Geld vom Staat bekommen würde, dass er in Würde leben könnte? Würden die Menschen weiterhin arbeiten – oder in Lethargie verfallen? Seit einigen Jahren sorgt diese Frage für Aufregung. Ob Grundgeld, Existenzgeld oder Bürgergeld: Inzwischen gibt es mehrere Namen und Modelle für die Idee der Existenzsicherung.

Das Modell vom Bedingungslosen Grundeinkommen gehört dazu: Geld vom Staat bekommt hier jeder, vom Kind bis zum Greis, ob er arbeitet oder nicht, ob er reich ist oder arm. Dieses Geld zwingt keinen zur Erwerbsarbeit. Es ist keine milde Gabe, sondern ein Rechtsanspruch. Die wichtigsten Fragen zur Realisierung wurden am Wochenende bei einem Kongress, der von den Vereinen »Grundeinkommen« und »Münchner Jugendkongress« organisiert wurde, im Theater Leo17 in München diskutiert. Damit war die zweite internationale Woche des Grundeinkommens eröffnet.

»Wie viel Geld im Monat brauchen Sie zum Leben?«, lautete eine Bürgerumfrage. »Zwischen 700 und 1000 Euro, ohne Sozialversicherungen«, war die durchschnittliche Antwort. Eine solche Summe oberhalb der Armutsgrenze sei zu finanzieren, rechnete Reimund Acker vom Netzwerk Grundeinkommen den Teilnehmern seines Workshops vor. Das Modell gehe von einer erhöhten Einkommens- und Mehrwertsteuer aus, beinhalte Sonderbedarfe zum Beispiel für chronische Krankheiten und Behinderungen und berechne Einsparungen bei der Sozialbürokratie mit ein. Ob Steuerfreibetrag, Subvention oder Hartz IV: Eine Grundsicherung gebe es bereits heute, sagte Acker. Durch das Grundeinkommen änderten sich nur die Bedingungen der Auszahlung.

Weniger um Zahlen ging es Götz Werner bei seinem Eröffnungsvortrag, denn um den »Wind der Veränderung, der in einer Gesellschaft immer nur von unten kommt«. Der Gründer der dm-Drogerie-Märkte und Leiter des Instituts Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe sprach von der Freiheit als Ziel der Existenzsicherung: »Wer nicht mehr arbeiten muss, um sein Leben zu sichern, kann frei wählen, was er tun will oder nicht.«

Damit lösten sich Abhängigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, aber auch zwischen Mann und Frau. »Der Einkommensplatz, der nur das Überleben garantiert, wird durch die freie Wahl zum echten Arbeitsplatz, der dem eigenen Leben Sinn gibt«, sagte Werner. Das Bedingungslose Grundeinkommen wirke sich damit auf die ganze Gesellschaft und auch darauf aus, wie Menschen sich selbst und andere sehen. Denn es erfordere, dass sich die Menschen weiterhin in die Gesellschaft einbringen – und dabei das finden, was ihren Talenten und Lebenszielen entspricht. Eine Umfrage des Netzwerkes Grundeinkommen scheint Werner Recht zu geben: Die meisten Menschen gaben darin an, sie wollten auch mit Grundeinkommen weiterarbeiten – wenn auch nicht mehr so viel wie bisher.

Neben Götz Werner gab es noch weitere Redner auf dem Podium. Sie sprachen zum Grundeinkommen als Antwort auf die Wirtschaftskrise und zum Postulat der Vollbeschäftigung. In weiteren Workshops wurden Grundsicherungs-Modelle weltweit und die Einbindung in die EU behandelt, aber auch Themen wie der Generationenvertrag und Arten künftiger Arbeit. Außerdem fanden Bürgergespräche und Diskussionsrunden, eine Filmvorführung und ein World Café statt.

Zur Woche des Grundeinkommens vom 14. bis 20. September gibt Veranstaltungen in allen größeren Städten.

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